Experten: Flughafen trotz Nachtflugverbot profitabel

Frankfurt - Experten sehen im Nachtflugverbot keine Gefahr für das Wachstum im und am Flughafen. Derweil hat die hessische Landesregierung ihren neuen Fluglärmbeauftragten vorgestellt.

Beim Thema Fluglärm geht es im neuen Jahr Schlag auf Schlag weiter. Hessens Landesregierung stellte heute ihren neuen Fluglärmbeauftragten vor, nachdem am Montagabend erneut mehrere tausend Menschen am Frankfurter Flughafen demonstrierten. Am morgigen Mittwoch will sich Ministerpräsident Volker Bouffier erstmals mit Vertretern von Fluglärminitiativen in der Staatskanzlei an einen Tisch setzen. Der CDU-Politiker hatte vor wenigen Tagen angesichts der Lärmbelastung erstmals infrage gestellt, ob die Kapazitäten von Deutschlands größtem Airport maximal ausgenutzt werden sollten.

Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) bezeichnete den neuen Fluglärmbeauftragten Patrick Kirsch - einen gelernten Juristen und Piloten - als „unabhängigen Anwalt" in Sachen Fluglärm. Der 42-Jährige sei nicht weisungsgebunden, sagte Posch bei der Vorstellung am Dienstag.

Der seit Anfang des Monats amtierende Kirsch soll sich mit einem eigenen Büro am Flughafen um die Einhaltung der Flugrouten und um Lärmmessungen kümmern. Er nimmt auch Bürger-Beschwerden entgegen. Posch sprach von einem „weiteren Baustein" bei den Bemühungen der schwarz-gelben Regierung zur Reduzierung des Fluglärms. Den Fluglärmbeauftragten gibt es bereits seit 1979.

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Zur Reduzierung des Fluglärms seien „viele kleine Schritte" notwendig, sagte Kirsch. Seine Aufgabe werde „nicht ganz einfach sein", meinte der Fluglärmbeauftragte, der für mehr Sachlichkeit warb. Die seit Wochen anhaltenden Bürgerproteste seit Eröffnung der Nordwest-Landebahn hätten die Diskussion stark emotionalisiert. So habe das Thema Nachtflugverbot mit der für Nachtflüge nicht vorgesehenen neuen Landebahn nichts zu tun. Dass er selbst ausgebildeter Langstreckenpilot ist und nebenberuflich derzeit auch für den ADAC ambulante Einsätze fliegt, sieht Kirsch nicht als Nachteil beim Kampf gegen Fluglärm.

Die SPD-Opposition nannte die Benennung Kirschs mit Blick auf die im März anstehende Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt ein „missglücktes Wahlkampfmanöver". Der neue Fluglärmbeauftragte habe weder Kompetenzen noch ein eigenes Team, kritisierte der Abgeordnete Gernot Grumbach. Kirsch müsse die Sorgen der Bürger ernst nehmen, verlangten die Grünen. Der frühere Amtsinhaber sei „mehr Lobbyist der Luftverkehrswirtschaft als Ombudsmann der lärmgeplagten Flughafenanrainer" gewesen, erklärte der Abgeordnete Frank Kaufmann.

Ungeachtet der Anwohnerproteste rechnen Experten in den kommenden Jahren mit einem stabilen Geschäft für den Frankfurter Flughafen. Die Betreibergesellschaft Fraport werde davon profitieren, dass sich die Lufthansa langfristig auf das Drehkreuz Frankfurt festgelegt hat, erklärte der Analyst Tobias Sittig von der MainFirst Bank am Montagabend vor Journalisten in Frankfurt. Mit der neuen Landebahn und den weiteren Ausbauschritten sei ein stabiles Wachstum möglich.

Kritik an Plänen der EU-Kommission

Jürgen Pieper von der Frankfurter Privatbank Metzler forderte die Beteiligten auf, die anstehende Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zu respektieren und umzusetzen. Der Flughafen in der dicht besiedelten Rhein-Main-Region könne notfalls auch mit einem Nachtflugverbot profitabel betrieben werden.

Das Bundesverwaltungsgericht will im März über die geplante Nachtflugregelung für Deutschlands größten Flughafen verhandeln. Die Planfeststellung des Landes sieht bislang durchschnittlich 17 Nachtflüge vor, die aber wegen rechtlicher Bedenken des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs derzeit ausgesetzt sind. Anwohner verlangen ein ausgeweitetes Nachtflugverbot und die Schließung der erst im Oktober eröffneten Landebahn Nordwest.

Verkehrsminister Posch und sein Justizkollege Jörg-Uwe Hahn (FDP) kritisierten heute Pläne der EU-Kommission, den Umgang mit Fluglärm europaweit zu vereinheitlichen. Die EU-Verordnung könnte ein Nachtflugverbot in Frankfurt aushebeln. Deutschland könne dies alleine regeln, erklärten Posch und Hahn und kündigten eine Rüge gegen die Kommission an: „Fluglärm braucht eine europaweite Harmonisierung, aber keine Einmischung aus Brüssel."

dpa

Quelle: op-online.de

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