„Flughafen wichtige Schnittstelle für Europa“

Frankfurt - Er spricht gern von Wachstum und Erfolg. Von Hochtechnologie, Umweltschutz und Kundenorientiertheit. Steve Huang ist ein Geschäftsmann, der es weit gebracht hat - zum Generaldirektor des deutschen Logistikunternehmes DHL Global Forwarding in China. Von Veronika Szeherova

Mit seinem taiwanesischen Kollegen Kenny Mok besuchte er den Firmensitz am Frankfurter Flughafen, dem zentralen Drehkreuz für Luftfracht für Mittel- und Osteuropa.

Mit einem Luftfrachtvolumen von 4,4 Millionen Tonnen im Jahr 2010 gehört die DHL Global Forwarding zu den führenden Logistikanbietern. China, die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt, ist einer der wichtigsten Partner. Für den chinesischen Wirtschaftsboom hat Huang eine staatskonforme Erklärung - die Planwirtschaft. Ab 2012 ist ein neuer Fünfjahresplan in Kraft getreten. „Sein Fokus liegt auf Investitionen in Infrastruktur und erneuerbare Energien“, erläutert Huang. „Energieeffizienz, neue Materialien und Technologien werden gefördert, der Importmarkt gestärkt.“ Als Logistiker sei für ihn der Ausbau des Hochgeschwindigkeits-Schienennetzes und die wirtschaftliche Entwicklung von Westchina besonders interessant: „Der Handel innerhalb des Landes ist unausgewogen, da gibt es Nachholbedarf.“

DHL Global Forwarding ist seit seiner ersten Büroeröffnung im Jahr 1986 zum drittstärksten Logistikunternehmen in China geworden. Luftfracht bildet dabei einen Anteil von knapp über zehn Prozent. Mit genaueren Angaben tut sich Steve Huang aber schwer: „Statistik ist in China eine Kunst. Die Regierung hat eine Art Auflistung.“ Mit Taiwan besteht eine gute Zusammenarbeit, die künftig noch enger werden soll: Der Inselstaat, der in Deutschland vor allem als Exporteur von High-Tech-Produkten wie LCD-Bildschirme oder Speicherkarten bekannt ist, werde einige seiner Produktionsstätten nach China verlagern. „Bisher ist ein Notebook etwa an sieben verschiedene Orte gefahren, um einzelne Komponente hinzuzufügen“, sagt Kenny Mok, DHL Global Forwarding-Chef in Taiwan. „Das ist unökonomisch. Wir wollen das Problem innerhalb von China lösen.“ Zeit ist schließlich Geld, auch in China und Taiwan. „Unsere Kunden haben die Wahl“, so Mok. „Luftfracht ist die schnellste, aber teuerste Variante.“

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Mit Schiff und Bahn sei eine Lieferzeit von über drei Wochen keine Seltenheit - kein Problem für Motorräder oder Elektroartikel. Für verderbliche Ware wie Lebensmittel komme dagegen nur Luftfracht infrage. „Wir finden für unsere Kunden immer die ökonomischsten Lösungen - für jeden Ort und für jede Fracht“, ist Huang überzeugt. Im vergangenen Jahr hat DHL Global Forwarding eine alte Handelsroute auf Schienen wieder aufgenommen, die Seidenstraße, die von Shanghai nach Europa führt.

Für einen möglichst reibungslosen Ablauf zu Wasser, in der Luft und an Land sind weltweit 30 000 Mitarbeiter im Einsatz, allein in China etwa 2 000 feste sowie 1 600 ausgegliederte Mitarbeiter. In Taiwan arbeiten 290 Menschen für DHL Global Forwarding, dessen Hauptkonkurrenten laut Mok DB Schenker, Kühne und Nagel sowie UPS sind.

„Deutschland ist Taiwans wichtigster Handelspartner“, betont Mok. Für China kommt der deutsche Markt an zweiter Stelle hinter den USA. Damit bei der Kommunikation zwischen den Konzernfilialen in Deutschland und China möglichst nichts schiefgeht, arbeiten deutsche Firmenvertreter in China und ein chinesischer Kollege in Deutschland. „Es geht dabei um landestypische Gewohnheiten und kulturelle Unterschiede, die sie beispielsweise Besuchern erklären“, so Huang. Auch die chinesische Aussprache sei tückisch, schon kleinste Lautveränderungen könnten einen ganz anderen Sinn ergeben. „Unsere Kollegen sind dazu da, etwaige Missverständnisse zu vermeiden.“

Bei ihrem Besuch in Frankfurt stellten die Generaldirektoren die Bedeutung des Frankfurter Flughafens als Luftfracht-Drehkreuz heraus: „Für ganz Europa ist dies die wichtigste Schnittstelle und die ökonomischste Lösung.“ Für die fluglärmgeplagten Einwohner der Region äußerten sie zwar Verständnis, wunderten sich aber über die lang andauernden Proteste. „In China gibt es das nicht. Die Regierung löst solchen Fälle mit Ausgleichszahlungen an die Bewohner“, sagt Huang. „Auch hier wird es keine andere Lösung geben.“

Quelle: op-online.de

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