Flughafenausbau im Zeitplan

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Der Ausbau des Frankfurter Flughafens liegt im Zeitplan.

Frankfurt - Der Vorstandschef der Fraport AG, Stefan Schulte, hat sich im Interview zu den Plänen für den Ausbau des Frankfurter Flughafens und den Problemen mit Schnee und Eis im Winter geäußert.

Sie haben auf der Fraport-Bilanzpressekonferenz von wieder steigenden Flugzahlen auf dem Frankfurter Flughafen berichtet. Ist die Krise nun auch im Luftverkehr überwunden und ist Frankfurt für den Wiederanstieg gerüstet?

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Der Luftverkehr war auch dieses Mal der Frühindikator für die allgemeine Konjunkturentwicklung. Besonders deutlich wurde dies bei der Luftfracht mit einem historischen Rekord von mehr als 2,2 Millionen Tonnen im letzten Jahr, was einem Zuwachs von 21,5 Prozent entsprach. Aber auch in der Passage lief es im Laufe des letzten Jahres immer besser. Trotz Aschewolke, Pilotenstreik und extremem Winterwetter konnte hier ein Zuwachs von 4,1 Prozent erzielt werden. Im laufenden Jahr rechnen wir mit einer Zunahme von rund sechs Prozent und bis zum Jahr 2015 mit einem jährlichen Plus von vier bis sieben Prozent.

Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, läuft gegenwärtig das Ausbauprogramm zur Kapazitätserweiterung des Flughafens mit einer Gesamtinvestition von vier Milliarden Euro. Die im Bau befindliche Landebahn und ein neues Fluggastterminal 3 im Süden des Airports sind die wichtigsten Bestandteile des Gesamtvorhabens. Die Planung für das Terminal 3 läuft bereits, der erste Bauabschnitt soll 2016/17 in Betrieb gehen. Mit der Fertigstellung des neuen Flugsteigs A-Plus in 2012 werden wir darüber hinaus die Terminalkapazität um sechs Millionen Fluggäste jährlich steigern.

Ist bei der für Oktober geplanten Inbetriebnahme der neuen Landebahn alles im Zeitplan? Und was soll die zusätzliche Bahn konkret bewirken?

Die neue Landebahn Nordwest, die wir zum Beginn des Winterflugplans im Oktober dieses Jahres 2011 in Betrieb nehmen wollen, liegt voll im Zeitplan. Wir brauchen sie dringend, denn Frankfurt operiert bereits seit vielen Jahren an der Kapazitätsgrenze. Mit der neuen Landebahn können wir die Kapazität in Stufen um etwa 50 Prozent steigern, von derzeit 80 bis 83 Starts und Landungen pro Stunde auf über 120 Bewegungen pro Stunde. Wir bauen damit eine Kapazität in der Größenordnung unserer wichtigsten Wettbewerber in Europa. Starten werden wir zum Winterflugplan 2011/12 mit einem ersten deutlichen Anstieg der Eckwerte auf 90 Bewegungen pro Stunde. Bis zum Jahr 2015 erwarten wir eine Zunahme der Passagierzahlen von derzeit 53 Millionen auf 65 Millionen und mehr.

Bündel von Maßnahmen im Schallschutz

Bei deutlich mehr Flügen ist auch mehr Fluglärm zu erwarten. Was tut der Flughafenbetreiber, um die Belastung der Bürger in den umliegenden Gemeinden zu begrenzen? Und was erwarten Sie von der noch ausstehenden Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Sachen Ausnahmen vom Nachtflugverbot?

Es gibt ein ganzes Bündel von Maßnahmen im Bereich des aktiven und passiven Schallschutzes, die dazu beitragen, die Beeinträchtigung durch Fluglärm zu begrenzen. Dazu zählen das passive Schallschutzprogramm mit einer Verbesserung der Dämmung von Häusern und Wohnungen in dem entsprechend definierten Schutzgebiet, das Immobilienankauf- und Ausgleichsprogramm für Häuser unmittelbar unter der Anflugschneise der neuen Landebahn im Umkreis des Flughafens sowie lärmmindernde und lärmverteilende An- und Abflugverfahren. Gerade hat ein Testbetrieb gemeinsam mit der Deutschen Flugsicherung und der Lufthansa für das Projekt eines gekrümmten Anflugverfahrens begonnen, bei dem bisher stark belastete Gebiete im Rhein-Main-Gebiet nachts umflogen und somit von Fluglärm entlastet werden.

Zur Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts kann man vorab nur eine Erwartung formulieren, nämlich dass sie kommen wird. Konkrete Termine sind hier noch nicht veröffentlicht.

Wegen der Flugausfälle im schneereichen Winter hat Fraport Kritik einstecken müssen. Zu Recht? Was wird getan, um die Einschränkungen bei Schnee und Eis in Zukunft zu begrenzen? Gibt es Konsequenzen?

Bei starken Schneefällen und schwierigen Wetterkonstellationen wird es an hochvernetzten und an der Kapazitätsgrenze operierenden Hubs wie Frankfurt immer zu Beeinträchtigungen kommen. Dies lässt sich leider nicht ganz vermeiden, so sehr wir dies für die Passagiere bedauern. Hier hilft nur eines, dass die Fluggesellschaften den Passagieren möglichst frühzeitig Informationen geben. Die Flugsicherung muss in diesen Situationen - safety first - die Maschinen in größeren Sicherheitsabständen staffeln. Dadurch verringert sich die Zahl der möglichen Starts und Landungen. Für jede Schneeräumung im Start- und Landebahnsystem muss jeweils eine Bahn aus dem Betrieb genommen werden, was zu einer weiteren Kapazitätseinbuße führt. Für die Flugzeugenteisung ist ein zusätzlicher Zeitaufwand von etwa 15 Minuten und darüber hinaus erforderlich, was weitere Verzögerungen zur Folge haben kann. Wenn es dann an anderen Flughäfen wegen des Winterwetters zu Einschränkungen im Betrieb kommt, wirkt sich dies auf Hubs wie Frankfurt besonders stark aus.

Wir haben am Frankfurter Flughafen mehr als 220 Spezialfahrzeuge und Geräte im Einsatz gegen Schnee und Eis. Personell sind über 500 Mitarbeiter für die Räumung der Flugbetriebsflächen und die Flugzeugenteisung abrufbar. Engpässe bei Enteisungsmitteln hatten wir in Frankfurt nie, entgegen der einen oder anderen Meldung für andere Flughäfen. Trotz dieser Ausstattung mussten wir leider drei kurzzeitige Schließungen der Bahnen nachts vornehmen, da die Bahnen noch während der Räumung mit Schnee verweht wurden und die notwendigen Sicherheitswerte erst wieder erreicht werden mussten. Wie gesagt: Hier geht die Sicherheit eindeutig vor.

Großen Schneeräumzug geordert

Es gab aber eben auch Tage mit einer Vielzahl von ausgefallenen Flügen, obwohl die Bahnen in Frankfurt schnee- und eisfrei waren. Durch die Situation auf anderen europäischen Airports waren die Flugumläufe so durcheinandergeraten, dass die Auswirkungen bei der internationalen Vernetzung des Flugbetriebs auch in Frankfurt deutlich zu spüren waren.

Wir sind in Frankfurt gut aufgestellt. Dennoch ist es natürlich unser Ziel, selbst bei so extremen Wintersituationen im Interesse der Passagiere besser zu werden. So haben wir als Fraport bereits einen weiteren großen Schneeräumzug geordert, der im Laufe des Jahres kommt.

dapd

Quelle: op-online.de

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