„Fluglärm 21“: Region wehrt sich gegen den Flughafen

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Fast ein wenig Karnevalsstimmung kommt in Mainz auf, obwohl noch nicht der 11.11.11 ist und es um einen ernsten Hintergrund geht. Beim Protestzug zeigt ein Motivwagen den deutschen Michel, der auf dem Mainzer Dom sitzt und versucht, Flugzeuge abzufangen.

Mainz/Wiesbaden - Erst Stuttgart 21, dann „Fluglärm 21“? Der Protest gegen mehr Lärm durch den Frankfurter Flughafen nimmt zumindest zu. Tausende demonstrieren, mehrere Gemeinden klagen. Und alle sind gespannt, wie das Bundesverwaltungsgericht über Nachtflüge entscheiden wird.

„Fluglärm 21“ steht auf einem T-Shirt eines Demonstranten. Der Protest gegen den zunehmenden Lärm durch den Frankfurter Flughafen ist zwar längst nicht so stark wie gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21. Doch der Widerstand wird größer. Rund 10.000 Menschen haben sich heute in der Mainzer Innenstadt versammelt: Eltern und Kinder, Bürger und Politiker, Hessen und Rheinland-Pfälzer. Statt Shoppen steht Protest auf dem Programm. Protest gegen die neue Landebahn und die Flugrouten, die vor allem Rheinhessen und Mainz mehr Lärm bringen.

Michel, sitzt auf Mainzer Dom und versucht, Flugzeuge abzufangen

Fast ein wenig Karnevalsstimmung kommt in Mainz auf, obwohl noch nicht der 11.11.11 ist und es um einen ernsten Hintergrund geht. Beim Protestzug zeigt ein Motivwagen den deutschen Michel, der auf dem Mainzer Dom sitzt und versucht, Flugzeuge abzufangen. In der Hand hält er ein Schild mit der Aufschrift „Fluglärm - Nein Danke“. Maria Huch aus Mainz-Laubenheim hat sich als Krankenschwester verkleidet. „Wir gehen als Krankenstation, weil Fluglärm krank macht.“ Sie befürchtet, dass die Lärmbelastung mit der neuen Landebahn zunimmt. Mit der Angst ist sie an diesem Samstag nicht allein.

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Deutschlands größter Flughafen hat mit der neuen Landebahn nun vier Bahnen. Damit soll die Kapazität deutlich steigen. Bis 2020 ist geplant, dass die Zahl der Passagiere auf mehr als 88 Millionen steigt. Im vergangenen Jahr waren es 53 Millionen Fluggäste. Die rheinland-pfälzische Landesregierung und mehrere Gemeinden prangern an, dass Mainz und Rheinhessen durch den Flughafen Frankfurt mit bis zu 300 Flugbewegungen am Tag belastet würden - im Gegensatz zu den Gebieten nordwestlich des Flughafens auf hessischer Seite.

Region „wieder lebenswert machen“

Deshalb wollen fünf Gemeinden gegen die Flugrouten zu Felde ziehen und klagen. Eine davon ist Klein-Winternheim im Kreis Mainz-Bingen. Von dort kommt Georg Rauhut, der bei der Demo von Mainz nach Wiesbaden mitmacht. Um die Region „wieder lebenswert zu machen“, sagt er. Ein Freund sei wegen der Lärmbelastung erkrankt. „Die Flüge lassen sich auch am Tag bewerkstelligen“, meint er.

Das sehen Lufthansa Cargo und die Fluglotsen ganz anders. Nach ihrer Ansicht schafft ein Nachtflugverbot viele Probleme. Die Demonstranten fordern Ruhe zwischen 22 bis 6 Uhr. Der hessische Verwaltungsgerichtshof hatte die geplanten 17 Starts und Landungen in Frankfurt zwischen 23 und 5 Uhr erst einmal gekippt. Nun steht eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts aus. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte am Tag vor der Eröffnung der neuen Landebahn: „Wenn das Bundesverwaltungsgericht entscheidet und sagt, es gibt gar nichts, dann ist es eben so.“

dpa

Quelle: op-online.de

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