Am Kerosin lag’s nicht

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Nächtliche Landung: Ein „Etihad“-Flugzeug in Frankfurt, hier Anfang Dezember.

Frankfurt/Offenbach - Fast 30 Starts und Landungen nach 23 Uhr hat es am späten Samstagabend auf dem Frankfurter Flughafen gegeben. Die Flugbewegungen zu Zeiten, in denen eigentlich das Nachtflugverbot gilt, waren wegen der starken Schneefälle zulässig. Von Ralf Enders 

Definitiv nicht erlaubt war jedoch die Landung eines Airbus 330 der arabischen Fluggesellschaft Etihad Airways um 0.25 Uhr. „Die Landung erfolgte, obwohl sowohl die Luftaufsicht als auch die DFS Deutsche Flugsicherung auf die Unzulässigkeit einer Landungen nach 0 Uhr hingewiesen hatten“, hieß es im hessischen Wirtschaftsministerium, das die zuständige Aufsichtsbehörde ist. Der Pilot wurde denn auch noch in der Nacht von der Luftaufsicht vernommen. Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Mann ist eingeleitet, wie Ministeriumssprecher Marco Kreuter gegenüber unserer Zeitung bestätigte.

Die unerlaubte Landung während des seit 2012 geltenden Nachtflugverbots in Frankfurt war wohl eine Premiere, Kreuter konnte sich nicht an einen ähnlichen Fall erinnern. Der DFS in Langen zufolge hat der Pilot sich einfach über das Landeverbot hinweggesetzt. „Er sagte unseren Lotsen im Tower, er habe nicht mehr genug Kerosin“, berichtete DFS-Sprecherin Kristina Kelek.

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Die Flugsicherung, die nur für die Sicherheit im Luftraum zuständig ist, kann einen Piloten lediglich auf die fehlende Landeerlaubnis hinweisen, ihn aber nicht daran hindern, den Flieger zu Boden zu bringen. Der Tower am Flughafen ist übrigens auch in der eigentlich flugfreien Nacht mit mehreren Lotsen besetzt, etwa um ungeplante Rettungsflüge abzuwickeln. Die Maschine mit mehr als 200 Passagieren an Bord hätte eigentlich am Samstagnachmittag in Frankfurt landen sollen, war wegen des schlechten Wetters aber nach Köln umgeleitet worden. Von dort aus machte sie sich wieder auf den Weg nach Frankfurt, allerdings viel zu spät. Der Lotse in Köln ist davon ausgegangen, dass der Pilot eine Ausnahmegenehmigung für Frankfurt habe.

Ministeriumssprecher Kreuter sagte zu dem Fall, es sei nun „eine ganze Menge“ zu prüfen. Kerosinmangel sei auf alle Fälle nicht der Grund der Landung gewesen. Kreuter: „Der Rückflug nach Köln wäre möglich gewesen.“

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Über die möglicherweise finanziellen Gründe der unerlaubten Landung wird spekuliert, bewiesen ist freilich nichts. Die Fluggesellschaft -Partner von Air Berlin - hätte die Passagiere eigentlich mit Bussen von Köln nach Frankfurt bringen oder ihnen eine Übernachtung in Köln spendieren müssen. Die Untersuchungen führt nun das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. Ermittelt wird gegen den Piloten, nicht gegen die Fluggesellschaft. Laut den Paragraphen 25 und 58 des Luftverkehrsgesetzes erwartet ihn voraussichtlich eine Geldbuße von bis zu 10.000 Euro. Solche Geldbußen fließen RP-Sprecherin Nicole Ohly-Müller zufolge in den allgemeinen Landeshaushalt.

Quelle: op-online.de

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