Flughafen: Vielen ist der Jobmotor zu laut

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Frankfurt - Bürger aus der Region, die seit Langem mehr Schutz vor Fluglärm fordern, bekommen nun Rückendeckung von Experten. In einem neuen Gutachten fordert der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) unter anderem rechtlich verbindliche Lärmgrenzwerte. Von Lena Marie Jörger

Nur so könnten Anwohner entlastet werden. Zudem empfehlen die Sachverständigen ein generelles Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr – Anwohner fordern dies ebenfalls schon seit Jahren. Um Ärger zu vermeiden, sollten Bürger außerdem stärker in die Planung von Flughäfen und Flugrouten eingebunden werden. Derzeit können sich Anwohner zwar an solchen Verfahren beteiligen. Diese beziehen sich aber meist nur auf prognostizierte Flugrouten. Dadurch wüssten viele Bürger oft noch nicht, dass sie möglicherweise auch von Fluglärm betroffen sein könnten. Nach Meinung der Experten muss sich dieser Umstand dringend ändern.

Eine Ansicht, die Thomas Scheffler vom Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) gegen den Flughafenausbau teilt. „Das BBI verlangt schon seit Langem, dass Betroffene umfassend einbezogen werden“, sagt er. „Einen Ausbau des Frankfurter Flughafens hätte es mit diesen Erkenntnissen wohl nie gegeben.“

Nach Meinung des BBI stottere außerdem der Jobmotor Flughafen. In einer Pressemitteilung des Bündnisses, das sich auf den Geschäftsbericht für das Jahr 2013 des Flughafenbetreibers Fraport bezieht, heißt es: „Die Zahl der weltweiten Fraport-Mitarbeiter ist um 290 auf 21 986 gesunken. Die Beschäftigtenzahl bei der Muttergesellschaft Fraport AG wurde sogar um 310 Mitarbeiter auf 10 992 reduziert.“ Für Scheffler steht damit fest: „Ein funktionierender Jobmotor sieht anders aus.“

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Fraport ist anderer Meinung. Laut Sprecher Christopher Holschier beziehen sich diese Zahlen auf die Stichtage 31. Dezember 2012 und 2013. „Die durchschnittliche Beschäftigtenzahl in unserem Konzern im Jahr 2013 lag bei 20 947 und damit um 16 Mitarbeiter unter dem Durchschnittswert des Vorjahres“, teilte Holschier auf Anfrage mit. Grund für den Rückgang seien unter anderem Veränderung an Flughäfen in Lima und in Varna und Bourgas in Bulgarien. Die Reduzierung des Personalbestands in der Fraport AG hänge mit dem Wechsel von Personal in andere Konzerngesellschaften zusammen.

Aus Sicht der Fraport ist mit dem Motor alles in Ordnung. „Nach einem aktuellen Gutachten des schweizerischen Beratungs- und Forschungsunternehmens Infras sichert Deutschlands größtes Luftverkehrsdrehkreuz etwa 116.000 Arbeitsplätze bei Betrieben und Unternehmen auf dem Flughafengelände sowie bei den in der Wertschöpfungskette vorgelagerten Lieferanten und Dienstleistern“, heißt es in einer anderen Pressemitteilung der Fraport. Infras hatte für die Studie – durchgeführt im Auftrag der Fraport – Daten aus dem Jahr 2012 ausgewertet.

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Sie belegten, dass der Airport „von herausragender volkswirtschaftlicher Bedeutung“ für die Region sei. Jeder dreißigste Euro in Hessen werde derzeit direkt oder indirekt wegen des Flughafens umgesetzt.“ Die ganze Region profitiert, wenn der Flughafen floriert“, fasst Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG zusammen. Für Thomas Scheffler ist das kein Argument. „Eine ökonomische, profitorierentierte Begründung für den Ausbau ist nicht akzeptabel“, resümiert er. „Es ist noch nicht zu spät. Der Planfeststellungsbeschluss ist noch nicht rechtskräftig, die Landebahn Nord-West kann noch geschlossen werden.“

Quelle: op-online.de

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