„Es wird nicht merklich leiser“

Fluglärm-Initiative sieht steileren Anflug skeptisch

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Frankfurt/Mainz - Fluglärmgegner erhoffen sich kaum Milderung von einem steileren Anflug, wie er am Frankfurter Flughafen getestet wurde. Der Initiative gegen Fluglärm Mainz zufolge ist ungewiss, wann dieses Verfahren zum Einsatz kommen könnte.

„Es kann ein Jahrzehnt dauern oder nie angewandt werden“, teilte der Verein gestern mit. „Zudem wird es nicht merklich leiser, in Flörsheim, Hochheim, Rüsselsheim, Raunheim und dem Frankfurter Süden schon gar nicht. “ Auch in Mainz werde es keinen Unterschied machen.

Der steilere Anflug („Steeper Approach“) auf den Frankfurter Flughafen war am vergangenen Freitag erstmals getestet worden. Eine Boeing hatte die Nordwest-Landebahn siebenmal in einem Winkel von 4,49 Grad angeflogen. Die Maschinen sollen bis wenige Kilometer vor der Landung höher fliegen, damit unten weniger Lärm ankommt. Bisher beträgt der Anflugwinkel höchstens 3,2 Grad. Messstationen am Boden erfassten die Lärmwerte. Die Auswertung soll Ende Oktober vorliegen. Der Test ist Teil eines Forschungsprojekts des Forums Flughafen und Region.

Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfall

Unterdessen sind neue Studien zufolge veröffentlicht worden, nach denen Fluglärm möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfall einhergeht. Ein britisches und ein US-amerikanisches Forscherteams betonen im „British Medical Journal“, ihre Studien seien zwar keine Beweise für eine Gesundheitsgefahr, den Hinweisen müsse man aber nachgehen. Kardiologe Thomas Münzel von der Uniklinik Mainz sah sich bestätigt: „Diese Ergebnisse sind ein weiterer Beweis: Fluglärm macht krank - und zwar lebensbedrohlich krank.“ Mit Kollegen hatte er einen Zusammenhang zwischen nächtlichem Fluglärm und Gefäßschäden gefunden.

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Der Flughafenbetreiber Fraport mochte die beiden neuen Studien gestern nicht kommentieren und verweis auf die Norah-Studie. Diese werden „wissenschaftlich fundierte“ Ergebnisse liefern, sagte Fraport-Sprecher Dieter Hulick auf Anfrage. Erste Ergebnisse erwarte man im nächsten Jahr. Die Norah-Studie untersucht die langfristigen Auswirkungen von Verkehrslärm - nicht nur von Flugzeugen. Sie ist allerdings umstritten. So hatten bereits im vergangenen Jahr dutzende Ärzte den Stop der Studie gefordert, weil sie den sofortigen Lärmschutz für die Bevölkerung verzögere. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Fluglärm seien schon ausreichend bekannt.

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dpa/re

Quelle: op-online.de

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