Flugverkehr als Stressfaktor

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Für das Rhein-Main-Gebiet liegen erstmals detaillierte Daten vor, die der Diskussion über das Nachtflugverbot neue Nahrung geben.

Frankfurt - Es liegen erstmals detaillierte Daten vor, die der Diskussion über das Nachtflugverbot neue Nahrung geben. Die Ergebnisse der Feld-Studie aus dem Jahr 2005, die im Auftrag von  Manuela Rottmann (Grüne) durchgeführt wurde, bestätigen die Befürchtungen der Kritiker. Von Jörn Polzin

Gestern wurden die Resultate bei einer Pressekonferenz vorgestellt.

Laut der Studie gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen der Fluglärmbelästigung und den Gesundheitsformen, sprich verschiedenen Krankheitsbildern. „Dazu gehören in erster Linie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Kopf- und Brustschmerzen aber auch chronische Bronchitis“, erklärte Dirk Schreckenberg, der im Zuge der Studie für das Regionale Dialogforum Flughafen Frankfurt (RDF) mehr als 2300 Menschen aus 66 Wohngebieten im Umkreis befragt hatte. Ein direkter Effekt von der Fluglärmbelästigung auf die Gesundheit, also die Annahme „je höher der messbare Lärmpegel, desto mehr Krankheiten“, kann nicht nachgewiesen werden.

In den untersuchten Wohngebieten - von Mainz bis Hanau - reicht der Geräuschpegel tagsüber von 40 bis 63 Dezibel, in der Nacht von 24 bis 58 Dezibel. „Wir haben bewusst ein breites Spektrum gewählt, um einen Vergleich zu haben“, so Schreckenberg. Die RDF-Belästigungsstudie wurde mit Daten aus bundesweiten Untersuchungen zwischen 1998 und 2003 sowie mit den Resultaten aus anderen internationalen Fluglärmwirkungsstudien verglichen.

Besonders betroffen sind demnach Menschen, die sich stark oder extrem durch den Fluglärm belästigt fühlen. Etwa 40 Prozent aller Befragten fallen unter diese Kategorie. „Der Flugverkehr ist ein Stressor, der den Alltag des Menschen erheblich stören kann“, sagte Schreckenberg. Noch gravierender sind die Gesundheitsbeschwerden bei Menschen, die sich selbst als „ziemlich lärmempfindlich“ oder „sehr lärmempfindlich“ einstufen. Hier weist die Studie eine auffallende Häufung von Erschöpfungssymptomen, Magen- und Gliederschmerzen. Nur 16 Prozent fühlen sich vom Fluglärm in keiner Weise belästigt.

Die Ergebnisse stützen die Argumente jener Skeptiker in der Region, die dem Ausbau des Flughafens, vor allem aber der im Raum stehenden Aufweichung des Nachtflugverbots kritisch gegenüberstehen. „Minimum muss ein absolutes Nachtflugverbot sein und so viel Schallschutz wie möglich“, betonte Rottmann. Die Haltung der Landesregierung, die 17 Nachtflüge für vertretbar hält, kritisierte sie als „aberwitzig.“

Bestürzt sei sie über die hohe Anzahl der Lärmempfindlichen in der Region.„Für die Hälfte der Bürger im Umfeld des Flughafens ist der Fluglärm schon heute ein großer Belastungsfaktor, bei einem Fünftel ist er auffallend oft mit körperlichem und seelischen Leid verbunden.“ Es gäbe weiterhin viele offene Fragen und noch mehr Sorgen. Die Untersuchung zeige in jedem Fall, dass die bloßen Lärm-Messwerte nicht der richtige Maßstab für die Auswirkungen des Fluglärms sei. „Im Interesse der Menschen muss es unsere Aufgabe sein, die Belästigung zu reduzieren“, so Rottmann, die neben den gesundheitlichen Auswirkungen auch einen Verlust von Lebensqualität moniert.

Die Umweltdezernentin setzt sich daher für eine Wiederholung der Studie sowie eine regelmäßige Analyse der Lärmbelästigung ein. „Wir müssen den Lärmschutz intensivieren“, fordert auch Professor Thomas Eikmann, Leiter des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Wie Rottmann und Schreckenberg empfiehlt Eikmann die Einführung eines „Gesundheits-Monitoring“ als nachhaltige Kontrollmethode.

Quelle: op-online.de

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