Unterwegs mit einem „ Follow-Me“-Auto

Flugzeuge haben immer Vorfahrt

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Sorgen für Sicherheit am Boden, auch wenn der Fluggast sie meistens nicht sieht: die Leute von der Vorfeldaufsicht.

Frankfurt - Flugpassagiere kennen den beklemmenden Moment kurz vor der Landung: Manchen ereilt ein flaues Gefühl, bis der Flieger endlich auf dem Boden aufsetzt, das Rollfeld verlässt und sich die Türen öffnen. Von Julian Fath

Was man im Inneren jedoch nicht mitbekommt: Nach dem Landen sorgt das Vorfeldpersonal dafür, dass der Pilot am Boden den richtigen Weg findet und sein Ziel sicher erreicht. Neben der elektronischen „Einparkhilfe“ treten dabei die „Follow-Me“-Fahrzeuge in Aktion: Die Fahrer kontrollieren die Parkpositionen, an denen die Passagiere ein- und aussteigen. Manchmal ist persönlicher Einsatz gefragt. Dann führen sie den Flieger „von Hand“ an die gewünschte Position.

Schichtleiter Günter Dieter begleitet den Einsatz der Follow-Me-Fahrzeuge am Frankfurter Flughafen schon seit langem. Normalerweise sitzt er nicht mehr selbst in einem der schwarz-gelb karierten Autos, sondern plant die Schichten seiner Kollegen vom Schreibtisch aus. Doch um zu zeigen, wie der tägliche Fahrdienst aussieht, drückt er für diesen Bericht mal wieder aufs Gaspedal - und das mit sichtlichem Spaß: „Ich mag den direkten Kontakt zu den Menschen auf dem Vorfeld.“

Per Funk steht Dieter ständig mit der Vorfeldkontrolle in Kontakt. Es dauert nicht lange, bis der nächste Auftrag über den Lautsprecher ertönt: Eine eben gelandete Passagiermaschine soll auf ihre Parkposition „eingewunken“ werden. Dieters Kollege Denny Busse übernimmt den Job. Mit seinen Kellen gibt der Offenbacher dem Piloten genaue Anweisungen, wo das Gefährt abzustellen ist.

Ordnung auf dem Vorfeld ist wichtigste Aufgabe

In der Einsatzzentrale der Vorfeldaufsicht plant Christopher Strand die nächsten Aktionen. Der operative Geschäftsführer hat das Außengelände mit seinem Team in 11 Bereiche aufgeteilt, die jeweils von einem Follow-Me-Fahrer betreut werden. Die wendigen Automobile sind die einzigen, die außerhalb der markierten Straßen kreuz und quer über das Vorfeld fahren dürfen, verrät Strand. Sie hätten sogar das Recht, andere Fahrzeuge anzuhalten, um Fahrgenehmigungen zu prüfen und die Einhaltung der Verkehrsregeln zu sichern. Eine der Regeln besagt: Flugzeuge haben immer Vorfahrt!

Schichtleiter Günter Dieter.

Die Ordnung auf dem 630 Hektar großen Vorfeld zu sichern, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Follow-Me-Staffel. Denn wenn Ölpumpen ausfallen oder sich Abfall auf der Fahrbahn stapelt, sind die Fahrer oft als Erste zur Stelle – so auch Dieter, der kurz aus dem Wagen steigt, um sich eine leere Plastiktüte zu greifen, die er neben der Fahrbahn entdeckt hat. Bei Notfällen sei auch mal die Feuerwehr zu alarmieren. „Innerhalb von drei Minuten müssen die hier an jedem Ort anrücken“, sagt er.

Signalanlagen ersetzen Follow-Me-Fahrer

Inzwischen kennt Dieter den Flughafen wie seine Westentasche. Schon 1972 begann der Mörfeldener dort seine Arbeit, zunächst als Busfahrer. 1985 heuerte er dann bei der Follow-Me-Truppe an, später stieg er zum Schichtleiter auf. „Ganz am Anfang war es noch so, dass wir jeden Flieger persönlich abgeholt haben“, erinnert er sich. Den Frankfurter Flughafen erlebte Dieter anfangs als beschaulich: „Damals ging um 21 Uhr der letzte Flieger, danach war hier alles tot.“

Heute läuft auf dem Vorfeld vieles anders: Nicht jedes Flugzeug wird noch eigens von einem der Vorfeldmitarbeiter an seinen Platz gewiesen. Stattdessen navigieren die leistungsfähigen visuellen Signalanlagen einen großen Teil der Flieger. Nur noch rund 25 Flugzeuge am Tag weise jeder Follow-Me-Fahrer per Hand an seinen Platz, so Dieter. Bei Nebel oder anderen Problemen könne das Team aber das Ruder an sich reißen und den kompletten Verkehr auf dem Vorfeld manuell einweisen. Als die Gäste den Flughafen verlassen, bleibt Dieter alleine zurück. An Ruhestand denkt er noch lange nicht. „Das hier ist mein Leben“, sagt er zufrieden und macht sich auf den Weg in sein Büro.

Quelle: op-online.de

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