Förderung durch Wettkampf

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Daniel Knipp vom Sheraton Hotel Offenbach legt noch einmal letzte Hand an die Vorspeise an.

Frankfurt - Die letzten Minuten laufen, dann muss die Vorspeise fertig sein. Die professionelle Ruhe, die bisher in der großen Küche des Hotels Redisson Blue herrschte, ist wie weggeblasen. Von Domenico Sciurti

Sieben Köche rennen jetzt aufgeregt hin und her, legen noch letzte Hand an ihre Speisen, dekorieren die Teller und stellen alles zu einem stimmigen Bild zusammen. Bei dem hessenweiten Kochwettbewerb „Concours Régional des Jeunes Chefs“ am vergangenen Montag sind nicht nur die Kochkünste der jungen Teilnehmer gefragt. Das Auge ist bekanntlich mit.

Immer nur ein Koch aus jedem Mitgliedshaus der „Confrérie de la Chaîne des Rôtisseurs“ darf mitmachen: Daniel Knipp vertritt das Sheraton Offenbach, er ist schon das zweite Mal dabei. Im vergangenem Jahr belegte der 23-Jährige den vierten Platz, für dieses Jahr will er sich im Vorfeld keine falschen Hoffnungen machen. „Ich erwarte nichts“, sagt er. „Wenn’s am Ende nicht klappt, ist die Enttäuschung nicht so groß.“

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Wettbewerb der Jungköche in Frankfurt

Der Wettbewerb ist alte Tradition der „Confrérie de la Chaîne des Rôtisseurs“, der ältesten gastronomischen Vereinigung weltweit. Seinen Ursprung hat der Verein im Jahre 1248, als König Ludwig IX Spießbratern erlaubte, sich zu einer Bruderschaft zusammenzuschließen. Ihr Ziel ist es seitdem, eine hochwertige Esskultur zu pflegen – vor allem die jeweilige regionale Küche der Mitgliedshäuser. Sie stellt sich zudem in den Dienst der Freundschaft und der Völkerverständigung, wie es in der Presseinformation heißt, und fördert den Nachwuchs.

Acht junge Teilnehmer sollten es am Montag eigentlich sein, doch die einzige weibliche Mitstreiterin war erkrankt; jetzt ist es quasi zu einem Kampf unter Männern geworden. Seit 12 Uhr stehen sie an den Herden, keineswegs aber geht es zu wie auf dem Schlachtfeld: jeder konzentriert sich auf seine Arbeit, keiner schaut rüber zum Nachbarn.

Die Aufgabe der Jungköche ist es, aus einem Warenkorb mit vielen verschiedenen Speisen ein dreigängiges Menü zu zaubern. Einzige Vorgaben: die Vorspeise muss Steinbeißer enthalten, die Hauptspeise Hirschrücken, frisches Gemüse und eine Kartoffel-Beilage, und das Dessert muss eine Surprise, eine Überraschung, von der Ananas sein. Die Gerichte selbst können nach Belieben von den Teilnehmern zusammengestellt werden.

Punkte werden in einen Bogen eingetragen

Um Punkt 17.30 Uhr nehmen Servicekräfte die Teller von der Theke und bringen sie ins Nebenzimmer, bis zur letzten Sekunde hantieren einige Köche noch an ihrer Vorspeise. Nebenan warten geduldig drei Laien- und drei Profijuroren, alle Mitglieder im Chaîne-Verein. Die Teilnehmer lernen die Juroren nur als Nummer kennen, zumindest bis zur Preisvergabe, in die Küche dürfen sie vorher nicht.

Mit Kennerblick laufen sie um den Tisch, begutachten erst das Optische, nach etwa zehn Minuten wird zu Gabel und Messer gegriffen. Die Punkte werden in einen Bogen eingetragen – höchstens 5 für die Präsentation, 10 für die Zusammenstellung und 15 für den Geschmack.

Das Prozedere wiederholt sich bei Hauptspeise und Dessert. Manchmal scheinen die Juroren begeistert, manchmal nicht. Ein Jurymitglied weigert sich sogar von einem Teller zu probieren: „Das ist Raststätten-Essen“, lautet das harte Urteil über die Hauptspeise. Eineinhalb Stunden später sind sie fertig, geben ihren Bogen ab und die Gesamtpunktzahl wird ausgewertet. Dann begeben sich alle gemeinsam in den Speisesaal, wo später am Abend insgesamt 60 Mitglieder der Chaîne speisen werden, während sie auf die Nennung des Gewinners warten.

Daniel Kipp aus Offenbach kann sich glücklich schätzen

Der glückliche Gewinner ist am Ende Oliver Hartmann. Der 25-Jährige arbeitet im Hessler-Restaurant in Maintal. In den vergangenen zwei Nächten hat er ziemlich unruhig geschlafen, erzählt er. Er sei sehr aufgeregt gewesen, und um sich auf den Wettkampf vorzubereiten habe er Mengenangaben auswendig gelernt und sei immer wieder Rezepte durchgegangen. Die Aufregung hat sich gelohnt, Hartmann darf am 18 April beim deutschlandweiten Wettbewerb in Frankfurt teilnehmen. Und, sollte er den gewinnen, darf er zur Weltmeisterschaft nach Istanbul. „Es hat mir gut gefallen“, sagt er über den Tag. Zufrieden lacht er.

Aber auch Daniel Kipp aus Offenbach kann sich glücklich schätzen. Sein Ziel, besser als im vergangenen Jahr zu sein, hat er erreicht. Er wurde Dritter.

Quelle: op-online.de

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