Forschungseinrichtung im Wald

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Heinz Bingemer, Leiter des Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität, separiert im Taunus Observatorium Staub aus der Luft.

Glashütten ‐ Auf dem Kleinen Feldberg mitten im Taunus ist ganz schön viel los, jedenfalls mehr als sich die meisten Spaziergänger oder Jogger in diesem stillen Waldgelände vorstellen können. Von Sabine Maurer

Dort werden Erdbeben aus der ganzen Welt registriert, die Trübung der Atmosphäre durch Staub und das Verhalten von Vögeln untersucht, Wetterdaten gesammelt und sogar Planeten entdeckt. Die Lufthansa nutzt das Gelände auf dem mit 826 Metern zweithöchsten Berg im Taunus für ihre Funkanlage, ebenso wie die Polizei. Und immer mal wieder kommt ein Wissenschaftler in das eingezäunte Waldstück - unter ihnen Heinz Bingemer, der Leiter des Instituts für Atmosphäre und Umwelt der Frankfurter Goethe-Universität.

Er ist an dem trüben Wintertag auf den Kleinen Feldberg gefahren, um für eine Studie Staubproben zu sammeln. In einem kleinen Raum nahe der Computer von Lufthansa, Wetterdienst und Polizei separiert er mit einem Spezialgerät den Staub von der Luft. „Das machen wir täglich“, erzählt er. Gegenüber steht die Sternwarte des Physikalischen Vereins Frankfurt, dort wurden schon Planeten entdeckt. Ganz in der Nähe haben die Ornithologen ihr Domizil. Zum Fangen von Vögeln sind dort Netze gespannt.

Sogar Kaiser Wilhelm II. hat vorbei geschaut

Seit fast 100 Jahren wird auf dem Kleinen Feldberg geforscht. Das Gelände gehört dem Land Hessen, das einst vom Physikalischen Verein gegründete Taunus Observatorium selbst ist eine Außenstelle der Frankfurter Uni. Sechs Häuser stehen auf dem Gelände, die meisten wurden 1913 gebaut. So zum Beispiel die alte Erdbebenwarte, die heute als kleines Museum genutzt wird. Dort steht auch der erste Seismograph aus dem Jahr 1913. „Er wäre immer noch einsatzfähig“, erklärt Bingemer. Die Erdbeben werden jedoch längst von einer deutlich moderneren Ausführung gemessen, die ganz in der Nähe fünf Meter tief in der Erde steckt. Jeden Tag gibt es Erdbeben, die Schwerpunkte in Deutschland liegen am Rhein, an den Alpen und im Erzgebirge.

Damit das Taunus Observatorium errichtet werden konnte, hatten Anfang des 20. Jahrhunderts etliche Frankfurter Bürger wie Graf Zeppelin, die Familie Rothschild und der Mediziner Paul Ehrlich gespendet. Sogar Kaiser Wilhelm II. besuchte zur Einweihung das Gelände. „Die Wissenschaftler, die damals hier gearbeitet haben, waren Pioniere ihrer Zeit“, sagt Bingemer. So ließen sie zum Beispiel Ballone aufsteigen und untersuchten so den Zusammenhang zwischen Höhe und Luftdruck. Heute treffen im Taunus Observatorium nur noch selten mehrere Menschen aufeinander. Der Deutsche Wetterdienst, die Polizei und die Lufthansa beschäftigen hier nurmehr Computer. Von den anderen Einrichtungen wohnen keine Mitarbeiter mehr auf dem Gelände, sie kommen nur noch zum Forschen vorbei.

dpa

Quelle: op-online.de

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