Hessen-Forst verkauft oder vermietet ungenutzte Gebäude

Forsthäuser ohne Förster

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Ein ehemaliges Forsthaus in der Nähe von Weilburg.

Frankfurt/Weilburg - Es gibt sie noch in Hessen, die Forsthäuser in idyllischer Lage. Doch der Wandel in der Forstwirtschaft ging auch an ihnen nicht spurlos vorbei. Von Carolin Eckenfels

Fensterläden gehören zu einem Forsthaus dazu. Die Nähe zum Wald ebenfalls - ein Förster allerdings nicht mehr unbedingt. In den vergangenen zehn Jahren hat der Landesbetrieb Hessen-Forst eigenen Angaben zufolge etwa 230 dieser Gebäude verkauft. Auch aktuell bietet die Behörde das ein oder andere „idyllisch gelegene Forsthaus mit großzügigem Grundstück“ auf dem Immobilienmarkt an. Wieder andere werden vorübergehend vermietet - oder völlig anders genutzt.

„Die hohe Zahl verkaufter Forsthäuser hängt mit den Strukturreformen der hessischen Landesforstverwaltung und des Landesbetriebs zusammen“, erklärt Michael Geiger, der bei der Behörde für alle Grundstücksangelegenheiten zuständig ist. „Im Jahr 2005 wurden die Revierförstereien neu abgegrenzt. Etwa 200 wurden aufgegeben. Die dazugehörenden Forsthäuser waren damit überflüssig.“

Derzeit besitzt die Behörde noch rund 240 Forsthäuser. Viele von ihnen sind denkmalgeschützt, das älteste wurde Ende des 18. Jahrhunderts gebaut und liegt im Odenwald. Dem hessischen Landesamt für Denkmalpflege zufolge spiegeln die Gebäuden die historisch große Bedeutung der Forstwirtschaft wider.

Die Anwesen dienen traditionell den Revierförstern mitsamt der Familie als Zuhause. Sie fungieren zudem als Büro, bieten Platz für Gerätschaften und sind Anlaufstelle für die Mitarbeiter. Das ist Geiger zufolge noch heute so, allerdings lebt ein Teil der Förster auch im Eigenheim oder mietet privat. Gebäude, die vorübergehend für den Betrieb nicht genutzt werden, werden auf Zeit vermietet.

So macht es etwa das Forstamt Weilburg mit einem Anwesen aus den 1950er-Jahren. Das Haus steht typgerecht am Waldrand, hat ein rotes Dach, eine weiße Fassade sowie grüne Fensterläden. „Wir vermieten es seit Oktober befristet, weil der Revierförster in sein eigenes Haus umgezogen ist“, erklärt Forstamtsleiter Werner Wernecke.

In einem etwa 100 Jahre alten Anwesen im Weilburger Wildpark lebt ebenfalls kein Förster mehr. „Wir brauchten ein dauerhaftes Nutzungskonzept für das Gebäude“, sagt Wernecke. Also wurde es vor zwei Jahren zusammen mit der Stadt in ein „Kinderforsthaus“ umgewandelt. Dem Leitenden Forstdirektor zufolge ist es das einzige seiner Art in Hessen und richtet sich an Kindergartenkinder. Sie lernen hier nicht nur etwas über den Wald, sondern können auch Meerschweinchen, Kaninchen oder Ziegen streicheln, die auf dem Grundstück leben.

Ähnlich naturnahe Erlebnisse bietet das Forsthaus Dietzhölze im Lahn-Dill-Kreis, das seit 2007 ein Feriendomizil für bis zu sechs Urlauber ist. Die Idee entstand aus einer besonderen Situation heraus, wie Michael Geiger berichtet. „Das Haus wurde für Betriebszwecke nicht mehr gebraucht. Wegen der zentralen Lage mitten im Staatswald wäre ein Verkauf nicht sinnvoll gewesen. Ein Abriss kam wegen des Denkmalschutzes nicht infrage.“ Mit dem Umbau in ein Ferienhaus sei ein sinnvolles Nutzungskonzept für das geschützte Gebäude gefunden worden.

Neben Hessen-Forst verfügen auch andere Waldbesitzer - Kommunen oder Privatleute - über Forsthäuser. Deren genaue Zahl sei schwierig zu ermitteln, sagt der geschäftsführende Direktor des Hessischen Waldbesitzerverbandes, Christian Raupach. Die privaten Eigentümer versuchen nach seinen Worten in der Regel, die Häuser zu halten. „Sie gehören zum Familienvermögen.“ Verkauft werde daher eher nicht, durchaus aber vermietet.

Für Amtsleiter Wernecke sind Forsthäuser etwas Besonderes. „Man verbindet mit ihnen eine idyllische Lage, Romantik und Rehe im Garten. Ganz so ist es heute nicht mehr, aber es gibt noch solche Anwesen in Hessen.“ Man wohne häufig auf wunderschönen, großen Grundstücken und in Häusern mit vielen Räumen.

Es sei ein großer Vorteil für die Förster, den Arbeitsplatz in unmittelbarer Nähe zur Familie zu haben. Nachteile: die häufig ungünstigen Bus- und Bahnverbindungen sowie die teils hohen Nebenkosten. Kurzum: „Forsthäuser sind Liebhaberobjekte.“

dpa

Quelle: op-online.de

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