Schäden für Jungbäume

Forstleute besorgt über Trockenheit

Kassel - Der ausbleibende Regen hat auch Folgen für den Wald in Hessen. Forstleute sorgen sich um die im Frühjahr frisch gepflanzten Jungbäume.

"Schon jetzt steht fest, dass es Ausfälle geben wird", sagte Michael Gerst, Chef des Landesbetriebes Hessen-Forst. Den Jungpflanzen fehle das Wasser zum Wachsen, etwa jeder dritte werde möglicherweise vertrocknen. Vor allem Südhessen sei betroffen, während sich die Lage im Norden nach einigen ergiebigen Regenfällen entspannt habe. "Landregen, gut verteilt, würde helfen", sagte Gerst. Ausgewachsene Waldbäume könnten zwar einige trockene Monate überstehen, aber für sie bedeute fehlendes Wasser Stress, sagte Gerst. Manche werfen Nadeln oder Blätter ab. Der Trockenstress mache die Bäume anfälliger für Schädlingsattacken, etwa von Borkenkäfern.

In den heftigen Gewitterstürmen der vergangenen Wochen seien einige Fichten umgestürzt - nun ein beliebtes Ziel für die Schädlinge. Die Stämme müssten rasch aus dem Wald geschafft werden, damit die Käfer sich nicht auf die umstehenden, gestressten Bäume ausbreiten. Rund 90 Waldbrände habe es seit Jahresbeginn in Hessen geben, sagte Gerst, allein im Juli habe es 40 Mal gebrannt.

Insgesamt seien rund 10 Hektar Wald den Flammen zum Opfer gefallen. Alle Feuer seien rasch gelöscht worden, weil die Feuerwehr schnell vor Ort gewesen sei - "ein Riesenvorteil unserer dichten Besiedlung". Spaziergänger, Autofahrer und auch Piloten, die von Frankfurt aus starten, meldeten Waldbrände schnell. Gerst erinnerte an das Rauchverbot im Wald - viele Feuer seien vermutlich durch Unachtsamkeit wie weggeworfene Zigaretten entstanden.

Der Frühling 2015 war viel zu trocken

Die wochenlange Trockenheit ist den hessischen Flüssen hingegen nicht anzusehen - sie sind dank reichlicher Grundwasservorräte noch gut gefüllt. "Der Vorteil ist, dass es letztes Jahr so viel geregnet hat", sagte Wolf-Peter von Pape vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG). Der Grundwasser-Spiegel sei deshalb hoch. Flüsse werden unter anderem vom abfließenden Grundwasser gespeist. Sommer-Niederschlag spiele ohnehin keine große Rolle beim Wasserstand, sagte von Papes Kollege Matthias Kremer. Die Pegel der meisten Flüsse seien auf einem für die Jahreszeit typischen Niveau. Sie sinken immer im Sommer, weil dann weniger Grundwasser in die Flüsse fließe, Regenwasser verdunste oder von Pflanzen verbraucht werde.

Normalerweise sei im August oder September der niedrigste Stand erreicht. Sorge bereitet den Experten allerdings die hohe Wassertemperatur an manchen Flussabschnitten. Betroffen ist unter anderem der Main. Die große Hitze im Juli hatte das Wasser stellenweise auf über 25 Grad aufgeheizt. Als Folge sinkt der Sauerstoffgehalt, das bedeutet Gefahr für Fische. Selbst wenn sich die Luft abkühle, dauere es eine Weile, bis auch das Wasser wieder kühler werde, sagte Kremer. (dpa)

Quelle: op-online.de

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