Fortbildung nur in der Freizeit

Wiesbaden - Sie kennen sich aus im Sozialrecht, wissen Bescheid, wenn es um Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten oder auch um Barrierefreiheit geht - über 12.000 ehrenamtliche Mitarbeiter sind im Sozialverband VdK Hessen-Thüringen tätig. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Was ihren Vorsitzenden Udo Schlitt ärgert: Ehrenamtliche in Hessen - und nicht nur VdKler - müssen sich für ihre Tätigkeit im Urlaub fortbilden, obwohl das Hessische Bildungsurlaubsgesetz seit über zehn Jahren Bildungsurlaub auch für Beschäftigte vorsieht, die sich für ihr Ehrenamt qualifizieren wollen. Das Problem: Für das 1998 unter Rot-Grün beschlossene Gesetz fehlt die Verordnung, die festlegt, für welche Ehrenämter Bildungsurlaub gewährt werden soll.

Die CDU-geführten Regierungen, seit 1999 in Hessen an der Macht, haben die Verordnung zum Ärger Schlitts nie erlassen. So kommt es, dass der Anspruch nur auf dem Papier existiert. Und die Landesregierung beabsichtigt auch nicht, daran etwas zu ändern. Erst jüngst wurde ein entsprechender Antrag der Grünen im Sozialausschuss abgelehnt. Die Regierung argumentiert, sie habe seit 2002 ein eigenes umfassendes Konzept für die Förderung Ehrenamtlicher erstellt, zu dem auch die finanzielle Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen gehöre. Sie fänden in den Kommunen statt und hätten den Vorteil, dass alle Ehrenamtlichen in ihren Genuss kommen könnten und nicht nur, wie beim Bildungsurlaub, die Arbeitnehmer.

Ehrenamtlichen endlich Bildungsurlaub ermöglichen

Für den VdK ist das zu kurz gedacht, das eine schließe das andere ja nicht aus. Verbandssprecher Philipp Stielow verweist darauf, dass der VdK eine soziale Infrastruktur bereitstelle, für die Fortbildung sehr wichtig sei. Bislang müssten die Ehrenamtlichen dafür Urlaubstage nehmen. Der Verband selbst unterhält eine Ehrenamtsakademie in Bad Salzhausen (Wetterau), in der jedes Jahr über 1000 VdK-Ehrenamtliche in drei- und viertägigen Seminaren geschult werden. Dafür investiere der VdK rund 400.000 Euro im Jahr - ohne Landesförderung. Hinzu kämen dezentrale Schulungen von noch einmal rund 1000 Helfern. Fazit von Udo Schlitt: 2011, im europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit, sollte die Regierung sich einen Ruck geben und auch Ehrenamtlichen endlich Bildungsurlaub ermöglichen.

Die bezahlte Bildungsfreistellung soll der politischen Bildung und der beruflichen Weiterbildung dienen. Die Bundesländer - bis auf Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen - haben seit 1974 nach und nach Bildungsurlaubsgesetze beschlossen. In der Regel haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf fünf Tage im Jahr. In Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg umfasst das Gesetz auch Schulungen zur Wahrnehmung eines Ehrenamtes. In Hessen fehlt aber die erforderliche Rechtsverordnung.

Nur wenige Arbeitnehmer nehemen Bildungsurlaub in Anspruch

Obwohl Fort- und Weiterbildung heute groß geschrieben werden, machen nur wenige Arbeitnehmer von ihrem Anspruch auf Bildungsurlaub Gebrauch. In Hessen haben laut einer Abfrage durch die Bundesregierung 2008 rund 10 300 Personen Bildungsurlaub in Anspruch genommen. Das sind gut 0,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. In Niedersachsen waren es 2008 rund 30.000 Teilnehmer (1,3 Prozent).

Quelle: op-online.de

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