Die Fortsetzung der Sanftmut

Dietzenbach ‐ Kalt prasselt der Novemberregen an die Fenster des Tagungsraumes „Shandong“ im Kreishaus zu Dietzenbach. Warm lächeln die Fraktionschefs Bernd Abeln (CDU) und Werner Müller (SPD) einander zu, als ihre Kugelschreiber flott über drei Dokumente eilen. Von Michael Eschenauer

Seit gestern ist beschlossene Sache, was im Kreis Offenbach nach dem sanften Landratswahlkampf von Oliver Quilling (CDU) gegen Carsten Müller (SPD) und einer harmonischen Arbeit im Hauptamtlichen Kreisausschuss auch niemand so recht bezweifelt hat: Quilling, ab 1. März neuer Landrat, wird sein Team zumindest vor der Kommunalwahl im März 2011 nicht mehr verändern. Am Montag unterzeichneten Abeln und Müller Anträge, nach denen die große Koalition die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU) bei der Sitzung des Kreistags am 9. Dezember für eine weitere Amtszeit vorschlagen und wiederwählen wird. Jägers Amtszeit endet am 31. Mai 2010. Für den Kreisbeigeordneten Carsten Müller, er ist bis zum 28. Februar 2011 gewählt, wird das Anschluss-Engagement ebenfalls jetzt schon festgezurrt. SPD und CDU beschlossen seine Wiederwahl im Zeitraum von September bis Ende November kommenden Jahres. Damit wird die Stelle gar nicht mehr offiziell ausgeschrieben, die Wiederwahl ist also Formsache. Beide werden auf sechs Jahre gewählt.

Der Preis der SPD für so viel Harmonie ist ein beträchtlicher Machtzuwachs für ihren Mann Müller. Als wichtigste Veränderung im Ressortzuschnitt zeichnet sich ab, dass er die Kämmerei übernimmt. Bisher war dies der Kompetenzbereich des scheidenden Landrats Peter Walter.

Kein „Landrat light“

„Es gab in der Fraktion und in der Partei eine Diskussion dahingehend, dass wir das Vorschlagsrecht für den Ersten Kreisbeigeordneten fordern sollten“, berichtete der SPD-Fraktionsvorsitzende Werner Müller. Man habe sich aber angesichts der erfolgreichen Zusammenarbeit von CDU und SPD und der auch von den Sozialdemokraten unterstützten Amtsführung der Kreisbeigeordneten Jäger dazu entschlossen, die Postenverteilung nicht zu verändern. Wenn die CDU-Politikerin allerdings in ihrer Amtzeit ausscheide, werde man einen neuen Vorstoß unternehmen. Oliver Quilling machte deutlich, dass die auf Carsten Müller gewechselte Kämmereizuständigkeit als Reaktion auf die Begehrlichkeiten des Koalitionspartners gesehen werden kann. Er selbst habe sich im Landratswahlkampf stark schulpolitischen Themen gewidmet, sodass dieser Bereich als Verhandlungsmasse ausgeschieden sei. Er fühle sich keinesfalls als „Landrat light“. Zudem habe er über das ämterübergreifende interne Controlling ausreichend Einfluss auf dem Bereich der Finanzen. Wer seine Amtsführung kenne, wisse ohnehin, dass Kooperation eine wichtige Rolle spiele. „Bei mir gibt es keine scharfe Trennung.“ Der genaue Zuschnitt der Dezernate werde in Kürze vorgenommen.

Erhöhung der Kreisumlage ausgeschlossen

Carsten Müller sieht seinen Blick als künftiger Kämmerer „geschärft durch das Auge des Sozialdezernenten“. Da man auch bisher die Sozialpolitik nicht übertrieben habe, bestehe auch künftig nicht die Gefahr brutaler Interessenskonflikte. 2011 wird sein erstes Haushaltsjahr sein. Eine Erhöhung der Kreisumlage schloss er gestern bereits aus.

Die Entscheidung zur Wiederwahl von Jäger und Müller fiel in beiden Fraktionen und Parteien einstimmig. Wächst nun weiter zusammen, was zusammengehört? Zumindest für die nächsten 15 Monate. Denn eines stellten die Amtsträger auch klar: Die Festlegung sei aus der Überlegung heraus erfolgt, dass „der Kreis bis zur Kommunalwahl regiert werden muss“, so Quilling. Im März 2011 aber würden - Harmonie hin, gute Zusammenarbeit her - Karten und Posten neu gemischt.

Quelle: op-online.de

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