Fotobranche im raschen Wandel

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Walter Adler (links) und Harald Remsperger, Geschäftsführer von GM-Foto, setzen auf Beratung und umfangreichen Service.

Offenbach/Frankfurt ‐ Nicht die großen Elektronikmärkte - allen voran die Saturn- und Media-Märkte - machen dem Fotoeinzelhandel im Rhein-Main-Gebiet in erster Linie zu schaffen. Von Jens Dörr

„Der Hauptkonkurrent ist das Internet“, sagt Matthias Woehl, Geschäftsführer von Foto Woehl in der Offenbacher Fußgängerzone. Seit 28 Jahren arbeitet er in dem Fachgeschäft, das früher sein Vater Claus betrieb. Matthias Woehl beobachtet genau, was mit den Einzelhändlern der Fotobranche geschieht: „Die Pleite von Foto Neithold in Frankfurt mit seinem Hauptgeschäft an der Börse hat mich schockiert“, sagt er. Vor wenigen Wochen schlossen die drei Neithold-Filialen, verloren die letzten vier Mitarbeiter ihre Jobs. 106 Jahre lang hatte das Traditionsunternehmen existiert.

Ähnlich sieht es im Frankfurter Bahnhofsviertel aus, wo von zehn Fachgeschäften für Fotografie um das Jahr 2000 herum mittlerweile nur noch eins übrig geblieben ist: GM-Foto. Unter Leitung der Geschäftsführer Walter Adler und Harald Remsperger startet das Geschäft mit seinen 16 Mitarbeitern - darunter zehn Verkäufer - nun in eine neue Ära. Seit kurzem zeigt es seine Verwandlung vom Fotogeschäft zum „Multimedia-Center“, wie es die Entscheider bei GM-Foto ausdrücken.

Viele Reisende kommen in den Laden

Auch die Frankfurter Händler kämpfen gegen die Online-Konkurrenz, stecken aber nicht die Köpfe in den Sand. „Gegen Internet-Discounter wollen wir nicht konkurrieren“, sagt Adler. „Unser Geschäftsmodell basiert auf hoher Beratungskompetenz und umfangreichem Service.“ Ganz klar reiche es heute nicht mehr aus, nur Kameras und Zubehör zu verkaufen. Bedeutend geworden seien die Dienstleistungen rund um den Verkauf, beschreibt es Remsperger: „Wir fahren auch zum Kunden und installieren ihm die Foto-Software auf dem Rechner. Oder wir schulen bei uns im Haus Amateure und Profis zu den verschiedensten Aspekten der Fotografie.“ Nach der Erweiterung des Geschäfts ist reichlich Platz dafür: Von 450 auf 900 Quadratmeter verdoppelte sich die Fläche von GM-Foto, das in der Taunusstraße nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt beheimatet ist.

Der Standort führt auch dazu, dass viele Reisende in den Laden kommen. „Momentan eher Asiaten - sobald der Dollar gegenüber dem Euro wieder stärker wird, aber auch viele Amerikaner“, sagt Remsperger. Sie kaufen nicht nur, sondern machen auch vom umfangreichen Mietservice Gebrauch. Von der Kamera bis hin zu Studio mit Assistenten gibt es fast alle Produkte auch auf Leihbasis. Seit kurzem stellt das mehr als 100 Quadratmeter große Fotostudio im ersten Stock ein Highlight dar, mit verschiedenen Blitz-Reflektoren und allem, was der Profi-Fotograf für ein Shooting benötigt.

Online-Kauf kaum nachvollziehbar

„Dieser Reflektor kostet etwa 5 000 Euro, der dahinter 12 000 Euro“, verdeutlicht Remsperger die hohen Investitionen für den Wandel zum Multimedia-Center an einem Beispiel. Hausmessen und eine Fotogalerie, bei der auch die Kundschaft ausstellen darf, sehen die Geschäftsführer des 50 Jahre alten Frankfurter Unternehmens ebenso als seltene Angebote wie ihre Großformatdrucker.

So möchte GM-Foto nun dem „gravierenden Umbruch“ (Adler) im Fotomarkt begegnen und sich weiter gegen Internet-Anbieter und Großmärkte behaupten. Dass das möglich ist, glaubt auch Matthias Woehl. Mit seinem Geschäft im Herzen Offenbachs bestellt er auch das kleinste Zubehörschräubchen nach und repariert teils noch selbst. Zudem beschäftigen sich noch 30 bis 40 Prozent seiner Kunden mit Analogfotografie. „Die schätzen, dass wir noch ein gutes Labor zum Entwickeln besitzen“, so Woehl.

Den Online-Kauf vieler Menschen kann der Fotoexperte derweil kaum nachvollziehen. Zwar sei der Preis dort oft niedriger als im Geschäft. Doch würden oft Originalteile in den Kameras fehlen, es sich schlicht um Fälschungen handeln. „Das gibt für unser Geschäft im Nachhinein besonders treue Kunden“, schmunzelt Woehl.

Quelle: op-online.de

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