Kultmusical Rocky Horror Show

Frank’n’Furter umgarnt alle

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„Sweet Transvestite“: Frank’n’Furter (Rob Fowler, Mitte) wird von Riff Raff (Stuart Matthew Prize) und Magenta (Maria Franzén) begrüßt.

Frankfurt - Wasserpistole, Konfetti und Klopapier in der Alten Oper Frankfurt: Richard O’Brians Kultmusical Rocky Horror Show ist zu Gast. Von Sonja Achenbach 

Wenn die Rocky Horror Show aufgeführt wird, sind auch die Zuschauer Teil der Inszenierung. Ungewöhnliche Kostüme gehören unbedingt dazu. Zum Beispiel ein grüner OP-Kittel, knielang und figurschmeichelnd. Die Perlen der Halskette sind vielleicht ein wenig zu groß, aber im Halbdunkel des Großen Saals nicht wirklich auffällig. Bis, ja, bis diese Person sich umdreht und einen unverhüllten Männerhintern preisgibt. Ein Skandal? Mitnichten! Nur bei der Premiere sind solche Aufzüge leider nicht ganz so häufig zu entdecken.

Dabei ist skurrile Kleidung Teil des Mitmach-Kults, der vor allem durch den Film „Rocky Horror Picture Show“ von Regisseur Jim Sharman populär wurde. Echte Fans stören den Erzähler, werfen Konfetti und spritzen mit Wasserpistolen wild um sich. Regisseur Sam Buntrock spielt in der aktuellen Inszenierung ganz bewusst auf die Verfilmung an. Unscharfe Schwarzweiß-Szenen mit Riesenspinnen flackern über die Leinwand. Es dauert dennoch eine Weile, bis die Zuschauer in der bizarren Welt von Frank’n’Furter, Magenta und Riff Raff ankommen. Anders ist es Janet (Harriet Bunton) und Brad (Joshua Dever) ergangen, dem biederen Paar, das bei strömendem Regen eine Autopanne hat und ahnungslos im Schloss der außerirdischen Transvestiten Zuflucht sucht. Der Rest der Geschichte ist bekannt, ein turbulentes, lustvoll-bizarres Spiel mit Geschlechteridentitäten entspinnt sich – inklusive Sciencefiction-Elementen.

Rocky Horror Show in der Alten Oper

Rocky Horror Show in der Alten Oper

Was Erzähler Sky du Mont nicht schafft, gelingt Rob Fowler im Handumdrehen. In seiner Rolle als zickiger, divenhafter und lüsterner Frank’n’Furter wickelt er im schwarzen Korsett mit Strapsen und dunkelroten Highheels das Publikum um den Finger. Mit weit offenen Armen steht er am Bühnenrand und schmettert den finalen Ton von „Sweet Transvestite“. Fowler genießt den Moment sichtlich, zieht ihn in die Länge, baut Spannung auf. Der gebürtige Engländer braucht nur diesen einzigen Ton, um alle in seinen Bann zu ziehen. Immer wieder spielt er mit dem Publikum und animiert auch den schüchternsten Frackträger zu Jubelschreien.

Sam Buntrock sind bei der Besetzung seiner zweiten Inszenierung einige Glücksgriffe gelungen: Schauspielerisch überzeugen vor allem Harriet Bunton und Joshua Dever. Die stärksten Stimmen haben Maria Franzén (Magenta) und Stuart Matthew Prize (Riff Raff), der die diabolische Genialität seiner Figur allerdings nur ganz zu Beginn aufblitzen lässt. In einigen Szenen ist allerdings nicht nur ihm die lange Tour durch Deutschland anzumerken. Routine schleicht sich ein. Dem Publikum ist das egal. Es freundet sich immer mehr mit dem lustvoll-gruseligen Stoff an. Am Ende spendet es stehend Applaus, fordert Zugaben und tanzt in den engen Stuhlreihen der Alten Oper den „Time Warp“.

Rocky Horror Show

Quelle: op-online.de

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