Klagen über Müll und lärmende Jugendliche

Anwohner genervt: Brückenviertel in Sachsenhausen versinkt in Scherben

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Ist Alt-Sachsenhausen der Grund allen Übels? Billiger Alkohol wird eher an den Kiosken rundherum verkauft - und der Müll bleibt übrig.

Im Brückenviertel liegen morgens oft unverhältnismäßig viel Dreck und Glasscherben auf den Straßen. Das Problem liegt im Alkoholkonsum. Die Anwohner schlagen Alarm.

Frankfurt - Anwohner der Schiffer-, Brücken- und Gutzkowstraße in Sachsenhausen sind genervt: "Sobald ich morgens einen Fuß auf die Straße setze, trete ich in Glasscherben oder Erbrochenes", erzählt eine Anwohnerin in der Bürgerfragestunde im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen). An vielen Ecken rieche es unangenehm nach Urin. "Das ist in den letzten Jahren schlimmer geworden: Überall Glasscherben, auf den Bürgersteigen, Straßen, ja bis auf die Alte Brücke zieht sich die Dreckspur", erzählt ein anderer. "Als Radfahrer muss man aufpassen, es wird richtig gefährlich, wenn man versucht, den Scherben auszuweichen."

Auf dem Spielplatz Brückenstraße sei es besonders schlimm. Dorthin wanken die Betrunkenen nachts aus dem Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen herüber, trinken auf den Parkbänken weiter, zerdeppern Flaschen oder liefern sich Schlägereien, berichten Anrainer.

Frankfurt Sachsenhausen: Zu wenig Polizei

Die Probleme sind bekannt, meinen die Ortsbeiräte. "Hier gibt es ein Vollzugsdefizit", sagt Uwe Schulz (FDP). Das Ordnungsamt sei nachts nicht ausreichend präsent. Der Ortsbeirat werde der Sache nachgehen, sagt die stellvertretende Ortsvorsteherin Cornelia Zippel (Grüne).

Auch andere Sachsenhäuser regen sich über Lärm, Dreck und Vandalismus auf. Ein dritter Anwohner berichtet aus der Textorstraße unweit des Adlhochplatzes, wo sich an den nächtlichen Randalen, die zum Abbau der Sitzbänke geführt hatten, nicht viel geändert habe: "Das Problem ist der Rewe-Markt, der bis Mitternacht Alkohol verkauft. Die Jugendlichen decken sich da ein, gehen immer wieder rein und raus, kaufen noch mehr Flaschen und lärmen dann die halbe Nacht lang draußen herum. Seit neuestem weniger auf dem Adlhochplatz, aber direkt vor meinem Schlafzimmerfenster." Mehrere Schlägereien habe er von dort aus beobachten können.

Frankfurt: Ärger bei Anwohnern in Sachsenhausen

Dass mehr junge Leute sich nachts feiernd auf den Straßen herumtreiben, hat auch Jürgen Vieth beobachtet, Gastwirt in Alt-Sachsenhausen und Mitstreiter in der Initiative Alt-Sax-Neu, die das Kneipenviertel aufwerten will. Vieth glaubt aber nicht, dass das Kneipenviertel die Ursache dafür ist, dass nachts im Brückenviertel viel Glas zerschlagen wird. So viele Gäste kämen gar nicht ins Viertel, als dass sich diese wie im Strom ins Brückenviertel ergießen könnten.

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Aus den Lokalen selbst stammten die Flaschen seiner Einschätzung nach eher nicht. "Bei uns sind Gläser und Bierflaschen bepfandet und dürfen nicht mit rausgenommen werden." Vieth hat eine andere Quelle im Visier: Die diversen Kioske auf der Elisabethenstraße, die bis 2 oder 3 Uhr nachts geöffnet haben und hauptsächlich Spirituosen und Bier verkaufen.

Frankfurt: Höhere Reinigungsfrequenz in Sachsenhausen kostet

Dasselbe vermutet der Sprecher der FES, Stefan Röttele. "Kioske verkaufen Glasflaschen, das müssten die Verursacher sein. Im Grunde müsste man genau dort ansetzen." Die Probleme mit Müll und Dreck im Brückenviertel seien bei der FES bekannt. Deshalb werde dort öfter saubergemacht als anderswo. "In der Wallstraße machen wir täglich sauber, in der Brückenstraße zwei Mal die Woche - im Abschnitt zwischen Schifferstraße und Elisabethenstraße reinigen wir zusätzlich jeden Samstag und jeden Sonntag", so Röttele.

Eine Erhöhung der Reinigungsfrequenz in umliegenden Straßen könne der Ortsbeirat beim Umweltamt beantragen, erläutert der FES-Sprecher weiter. Das Problem: Das kostet Geld. Für die Anwohner könnte es teuer werden. Wenn die Straßenreinigung etwa von zwei Mal die Woche auf fünf Mal angehoben wird, wäre das ein Sprung von 3,92 Euro auf 9,80 pro Quadratmeter.

Frankfurt Sachsenhausen: Mehr Müll im Sommer

Der übermäßige Müll sei vor allem ein saisonales Problem. "Im Sommer bleiben die Leute länger draußen und hinterlassen mehr Müll. Die Wertschätzung des öffentlichen Raums ist leider sehr zurückgegangen, das belegen etliche Studien", bedauert Röttele.

Ärger gibt es in Sachsenhausen auch wegen dem Brückenspielplatz, wo das Spielen derzeit schwer ist*. Zuletzt beschäftigte unsere Leser besonders die Kreuzfahrt einer Abschlussklasse.

In Frankfurt-Sachsenhausen ist eine 15-Jährige Opfer einer sexuellen Belästigung geworden.* Die Polizei sucht Zeugen des Vorfalls.

Stefanie Wehr

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