In Frankfurt lockt das Betongold

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Blick auf das boomende Frankfurt. Angesichts steigender Nachfrage und begrenztem Angebot ziehen die Preise für Wohnungen und Häuser weiter an. Nicht jeder, der ein Dach über dem Kopf kaufen möchte, fühlt sich hier im 7. Himmel.

Frankfurt - Niedrige Zinsen und die Sorge der Menschen um die Stabilität des Euro führen zu einer Flucht in Sachwerte. Das bekommt auch der Frankfurter Immobilienmarkt zu spüren. Von Michael Eschenauer

„Was wollen Sie denn mit Ihrem Geld machen, wo wollen Sie es anlegen?“, fragte Michael Debus, Leiter des Gutachterausschusses für Immobilienwerte in Frankfurt, bei der Vorstellung der Trends im zurückliegenden Jahr. Das Gremium analysiert sämtliche in Frankfurt abgeschlossenen Kaufverträge über Häuser und Wohnungen sowie Grundstücke.

Die Suche nach dem vermeintlich sicheren „Betongold“ führt in der bei Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft wachsenden Mainmetropole zu einem „Run auf Wohnimmobilien“. Verbunden sei dies mit zum Teil massiven Preissteigerungen von bis zu 14 Prozent, so Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne).

Die Gutachter sind sich einig: „Wenn mehr Objekte auf dem Markt wären, würden ohne Probleme auch mehr gekauft.“ Als Preistreiber wirkt zusätzlich, dass das Angebot sowohl von Neubauten als auch im Altbestand begrenzt ist. Angesichts fehlender Anlagealternativen zögerten Wohnungsbesitzer, ihr Eigentum zu versilbern, so Debus. Nicht überraschend deshalb: Der Umsatz im Immobilienhandel fiel von 5 auf 4,6 Milliarden Euro. Konsequenterweise ging die Zahl der Käufe und Verkäufe insgesamt um 1 000 auf 7 000 zurück. Betroffen von dem Rückgang sind bei den Eigentumswohnungen und Eigenheimen vor allem neue Objekte.

WOHNUNGEN

Eigentumswohnungen erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie als wertstabil und ihre Mieterträge als risikoarm gelten. 4 400 Eigentumswohnungen wurden 2012 verkauft, 200 weniger als 2011. Etwa 1 400 davon waren Neubauten. Bei letzteren stieg der Preis erneut um fünf Prozent auf im Schnitt 3 500 Euro pro Quadratmeter. Den größten Preissprung machten ältere Wohnungen mit Baujahr 1975 bis 1999: Deren Preise legten um 14 Prozent auf 2350 Euro pro Quadratmeter zu. Altbauwohnungen (vor 1950) werden auch stark nachgefragt, was einen Preisanstieg um zwölf Prozent auf 3 180 Euro pro Quadratmeter zur Folge hatte. Das stärkste Umsatzwachstum stellten die Gutachter bei teuren Eigentumswohnungen mit gehobener Ausstattung in guter Lage fest. Die durchschnittliche Eigentumswohnung, die 2012 in Frankfurt verkauft wurde, war 35 Jahre alt, 78 Quadratmeter groß und kostete 217 000 Euro.

Die teuersten neuen Eigentumswohnungen entstanden im Westend zum Preis von im Schnitt 7 000 Euro pro Quadratmeter. Es folgt Sachsenhausen (4 200 Euro). Im Europaviertel, in Bockenheim und im Nordend liegen die Durchschnittspreise zwischen 3 500 und 3 700 Euro. Bei der teuersten Wohnung flossen 2,5 Millionen Euro, der höchste Quadratmeterpreis betrug 10 500 Euro. Beides wurde für eine Wohnung im Westend bezahlt.

WER KAUFT?

Nicht nur Wohlhabende legen ihr Geld in Wohneigentum an. Auch Bürger mit Durchschnittseinkommen wollen so ihr Erspartes gegen Wertverfall schützen, sagte Debus. Deshalb stiegen auch die Umsätze und Preise der Wohnungen in größeren und auch älteren Wohnblocks, wo nach einer neuerlichen Preissteigerung von drei Prozent der Quadratmeterpreis bei 1 800 Euro liegt. In der Vergangenheit kostete der Quadratmeter 1 000 Euro.

HÄUSER

Der Handel mit Ein- und Mehrfamilienhäusern nahm sowohl zahlenmäßig als auch im Hinblick auf den Umsatz leicht ab. 1 300 Häuser wechselten 2012 den Besitzer, ein Minus von etwa 200. Mehrfamilienhaus-Gründstücke kosten im Durchschnitt 680 Euro, bei Einfamilienhäusern sind es 520 Euro. Die Preissteigerung neuer Reihenmittelhäuser liegt bei 13 Prozent. Im Schnitt kostet dieser Eigenheim-Typ neu 390 000 Euro (plus 50 000 Euro).

Am teuersten beim Neubau von Eigenheimen ist trotz gestiegenem Fluglärm der Stadtteil Sachsenhausen mit einem mittleren Kaufpreis von 498 000 Euro. Es folgen Harheim (477 000), Preungesheim (446 000), Kalbach (405 000), Bonames (386 000) und Höchst (311 000). Das teuerste Haus war 2012 eine Villa in Bockenheim für zehn Millionen Euro. Das größte verkaufte Grundstück war 4 500 Quadratmeter groß.

IMMOBILIENBLASE?

Droht in Frankfurt eine Immobilienblase? Diese Gefahr sei bei einer nur kurzfristigen Betrachtung der Preisentwicklung zwischen 2005 und 2011 durchaus vorstellbar, so Cunitz. Schaue man sich allerdings die vergangenen 20 Jahre an, könne man sehen, dass die Bruttoverdienste viel stärker gestiegen seien als die Preise der Eigentumswohnungen. Nach eine Phase der hohen Preisstabilität bis 2005 sei derzeit ein gewisser Nachholeffekt erkennbar. Der Planungsdezernent und Bürgermeister warnte allerdings: „Falls sich in den kommenden Jahren die Schere zwischen der Preisentwicklung von Wohneigentum einerseits und der Entwicklung von Mieten und Bruttoverdiensten andererseits weiter öffnet, ist speziell für teure Objekte das Entstehen einer Immobilienblase nicht auszuschließen.“ Immerhin stiegen seit sechs Jahren die Neubaupreise mit 29 Prozent weitaus stärker als die Einkommen (plus 14 Prozent) und die Mieten (plus 7 Prozent). Eine Rolle spiele auch die Frage, ob das Bevölkerungswachstum in Frankfurt anhalte und das Angebot weiter schrumpfe.

BEZAHLBAR?

Die Frage, ob Wohneigentum noch finanzierbar ist, wird von den Gutachtern eindeutig mit Ja beantwortet. So habe man im Jahre 1991 für den Kauf einer zugrundegelegten Musterwohnung zehn Jahresverdienste aufwenden müssen, während es im vergangenen Jahr bei einer ausstattungsmäßig gleichen aber entsprechend der Preisentwicklung teureren Wohnung nur noch sieben Jahresverdienste gewesen seien.

Quelle: op-online.de

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