Bessere Rahmenbedingungen gefordert

Bauen so unattraktiv wie nie

Frankfurt - Vertreter der wohnungswirtschaftlichen Verbände Hessens stellen den Konjunkturbericht der Arbeitsgemeinschaft der Wohnungs- und Immobilienverbände (AWI) vor. Von Konstanze Löw 

Die Alarmglocken schrillen: Die Zahl der Baugenehmigungen im Rhein-Main-Gebiet ist rückläufig, die Nachfrage steigt. Der Wohnungsmarkt im Rhein-Main-Gebiet sollte nicht nur den Vertretern verschiedener Verbände, die gestern den Konjunkturbericht der AWI vorstellten, Kopfzerbrechen bereiten. Trotz anhaltend hoher Wohnraum-Nachfrage sei die Anzahl der Baugenehmigungen seit knapp einem Jahr rückläufig, benennt Gerald Lipka, Geschäftsführer vom Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, das Problem. Konkret bedeutet die Situation einen Rückgang bei den Baugenehmigungen von etwa zehn Prozent im Jahr 2015.

„Derzeit sind die Baufertigstellungen zwar auf einem hohen Niveau, die erfreuliche Zahl ist aber lediglich ein Nachklappeffekt der hohen Baugenehmigungen der letzten Jahre“, so Lipka. Denn die Preise für Eigenheime und Bauflächen im Rhein-Main-Gebiet seien hoch, der Leerstand nahezu aufgebraucht, erklärt Thorsten Stock, Stellvertretender Vorsitzender des Immobilienverbandes Deutschland, die Wohnungsnot. Zuwanderer und Flüchtlinge, die sich vorzugsweise in Ballungszentren wie dem Rhein-Main-Gebiet ansiedelten, würden das Wohnungsproblem in den nächsten Jahren zunehmend erschweren, blickt Stock skeptisch in die Zukunft.

Warum eine solch hohe Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage existiert, erklärt Lipka mit den ständig verschärften baulichen Rahmenbedingungen. Gemeint sind strenge Vorgaben aus der Politik in Sachen Barrierefreiheit, Brandschutz und Energievorkehrungen, die den Wohnungsneubau gefährden. „Neubau wird immer unattraktiver, die Rahmenbedingungen laden nicht gerade zum Investieren ein“, sagt Lipka. Damit meint er die Tatsache, dass die Baupreise stärker als die Inflationsrate gestiegen sind. „Wenn es für die Investoren nicht mehr wirtschaftlich ist, zu bauen, muss es neue Maßnahmen seitens der Politik geben“, fordert Thorsten Schmitt vom Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Wenn sich der Wohnungsbau nicht mehr rechnet, treffe dies vor allem Einsparungen im Bereich des preisgünstigen Baus., erklärt Schmitt. Durch die Vorlagen sei vor allem in diesem so dringen benötigten Preissegment Neubau nicht mehr wirtschaftlich, weiß auch Werner Merkel vom Verband der Immobilienverwalter Hessen. Wegen den immer strengeren Auflagen seitens der Gesetzgeber wundere es ihn nicht, dass in den 90er-Jahren in Hessen über 40 000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut wurden; heute sind nur noch 17 000. Wenn sich der Wohnungsmarkt zukünftig positiv entwickeln solle, müsse „der Bund durch effektive Arbeit der Baukostensenkungskomission gegensteuern“, sieht Schmitt einen Ausweg aus der zu geringen Neubautätigkeit „Gerade in Städten wie Frankfurt und Wiesbaden steigen die Kaufpreise bei Grundstücken, Häusern und Wohnungen rasant an“, sagt Lipka. Jedoch würden viele Einwohner die hohen Preise in Kauf nehmen, da sie in umliegenden Gebieten wie Offenbach zwar Mieten einsparen könnten, allerdings längere Arbeitswege und Anfahrtskosten anfallen würden.

Neben den negativen Entwicklungen gibt es jedoch einen Grund zum Aufatmen: Die Mieten im Rhein-Main-Gebiet haben sich trotz steigender Kosten und hoher Auflagen bislang moderat entwickelt. „Die Angebotsmieten in den Zentren sind kaum noch gestiegen“, freut sich Merkel. Ein Grund dafür sieht er darin, dass ein Limit bei den Preisen erreicht sei. „Selbst Vielverdiener setzen sich eine Preisgrenze und wollen nicht unmöglich viel für ihre Wohnung zahlen“, weiß er.

Quelle: op-online.de

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