Ein Jahr nach Turm-Sprengung ist Zukunft des städtebaulichen Filetstücks offen

Warten auf Kulturcampus

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Zwei Hochhaus-Türme sollen auf dem Frankfurter Kulturcampus entstehen. Wahrscheinlich wird es sich um ein Hotel und ein Bürohochhaus handeln.

Frankfurt - Der 116 Meter hohe Frankfurter Uni-Turm sackte innerhalb weniger Sekunden in sich zusammen. Ein Jahr nach der spektakulären Sprengung sind die Nebengebäude abgerissen. Von Ira Schaible 

Über die neue Bebauung des südlichen Teils des insgesamt 16,5 Hektar großen Kulturcampus-Areals wird noch verhandelt. Geplant sind zwei 140 und 100 Meter hohe Hochhäuser. Der Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG, der das Gelände gehört, Frank Junker hofft, „dass es bis Frühsommer zum Schwur kommt“. Beobachter rechnen mit dem Bau eines Hotels und eines Bürohochhauses oder der Errichtung eines Wohngebäudes.

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Der endgültige Abzug der Universität von dem Campus zieht sich, voraussichtlich bis Ende 2018. Bis dahin soll der Umbau von Senckenberg dagegen schon abgeschlossen sein. Das ambitionierte Zentrum renommierter Kultureinrichtungen hingegen, das auf dem Filetgrundstück zwischen Messe und Palmengarten entstehen sollte, ist in weite Ferne gerückt.

Dieses Zentrum, in dem Einrichtungen wie das Ensemble Modern, die Forsythe-Company und die Theaterakademie unterkommen sollten, stand im Mittelpunkt der Vision Kulturcampus. Nukleus ist der geplante Neubau der überfüllten Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Dieses Gebäude soll samt vielseitig nutzbarer Studiobühne im Norden des Geländes entstehen, anstelle der zentralen Uni-Bibliothek. Aber wann? Der Architektenwettbewerb für den ersten Schritt, die Studiobühne, ist bloß in Vorbereitung.

Noch keine Neubau-Lösung für die Bibliothek

Zwei Hochhaus-Türme sollen auf dem Frankfurter Kulturcampus entstehen. Wahrscheinlich wird es sich um ein Hotel und ein Bürohochhaus handeln. Animation: ABG-Holding

„Senckenberg ist mit seinen Ausbaumaßnahmen bisher im Plan. Die anderen Vorhaben und Engagements verzögern sich leider, insbesondere weil es noch keine Neubau-Lösung für die Universitätsbibliothek gibt“, fasst Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger den Stand zusammen. „Gleichwohl lebt und entwickelt sich der Kulturcampus mit den vor Ort tätigen Einrichtungen“. So sei die Musikhochschule bereits durch Kooperationen mit Senckenberg auf dem Areal aktiv und werde „zeitnah auch neue Probemöglichkeiten auf dem Kulturcampus erhalten“.

Mosbrugger sieht aber auch die Gefahr, dass durch die „Entwicklung des Kulturcampus in kleinen Schritten“ lediglich ein „Kulturcampus light“ entsteht. „Es fehlt der Mut und die (finanzielle) Kraft zu einem großen Wurf. Und die Handlungs- und Gestaltungsspielräume werden immer kleiner“, mahnt er.

Im Wissenschaftsministerium heißt es, die Gespräche der schwarz-grünen Landesregierung mit den 13 Hochschulen über eine Milliarde Euro Baumittel (Heureka 2) begännen in diesen Tagen. Dieses Bauprogramm starte dann 2021, sagt Ministeriumssprecher Mark Kohlbecher. Was das für den auf rund 120 Millionen Euro geschätzten Neubau von Studiobühne und Musikhochschule bedeutet, ist offen. Die Uni halte unverändert an ihren Planungen fest, die Bibliothek auf den neuen Campus im Westend zu verlegen, sagt Hochschulsprecher Olaf Kaltenborn. Über den Zeithorizont und die Finanzierung müsse bald wieder verhandelt werden. Musikhochschul-Präsident Thomas Rietschel war bislang stets optimistisch, möchte sich mit Blick auf laufende Gespräche derzeit aber nicht äußern.

Der größte Umbau des Forschungsinstituts Senckenberg in seiner Geschichte läuft dagegen schon seit rund acht Monaten. Für rund 116 Millionen Euro werden die 100 Jahre alten Gebäude zu beiden Seiten des Museums modernisiert und um 10 000 Quadratmeter erweitert. Die Häuser, die durch den Umzug der Uni frei wurden, sollen mit gläsernen Brücken mit dem Museum verbunden werden. Fertig sind bereits rund 220 Wohnungen am Bockenheimer Depot im Norden des Areals. Ein 2013 vorgestelltes kombiniertes Gebäude aus Büros und Wohnungen in der Nähe verzögert sich dagegen, weil die Uni länger bleibt. Sicher ist jedoch, dass das denkmalgeschützte Philosophicum noch in diesem Jahr in ein Studentenwohnheim umgebaut werden soll.

dpa

Quelle: op-online.de

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