Auch Frankfurter Caricatura-Museum beteiligt

Online-Ausstellung über "Charlie Hebdo"

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Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow hält im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover (Niedersachsen) eine Ausgabe der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" aus dem Jahr 1971 in den Händen.

Frankfurt - Was darf Satire in der globalisierten Welt? Fünf deutschsprachige Museen, darunter auch das Frankfurter Caricatura-Museum, wollen in einer gemeinsamen Ausstellung über das Satiremagazin "Charlie Hebdo" aufklären, das Opfer von Terroristen wurde.

Vor den islamistischen Terroranschlägen in Paris kannten nur wenige außerhalb Frankreichs das Satiremagazin "Charlie Hebdo". Erschüttert von dem Mord an den Zeichnern und dem Angriff auf die Meinungsfreiheit planen fünf Karikaturenmuseen in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine gemeinsame Online-Ausstellung. Dabei sind auch Museen aus Frankfurt und Kassel. Voraussichtlich ab März sollen im Internet unter anderem Arbeiten der getöteten "Charlie Hebdo"-Zeichner gezeigt und die Reaktionen auf die Attentate aufgearbeitet werden. "Wir werden uns nicht auf das Thema Religionskritik fokussieren", sagte die Direktorin des Museums Wilhelm Busch, Gisela Vetter-Liebenow, am Freitag in Hannover. In erster Linie gehe es um die Frage: "Was darf Satire?"

Das Museum Wilhelm Busch hat das Projekt initiiert und vier andere Häuser mit ins Boot geholt. Beteiligt sind neben dem Frankfurter Caricatura-Museum die Caricatura in Kassel, das österreichische Karikaturmuseum Krems sowie das Cartoon-Museum Basel. Das Frankfurter Museum besitzt eine große "Charlie Hebdo"-Sammlung, die ihm vor einigen Jahren von einem privaten Sammler vermacht wurde. Daraus sollen Zeichnungen in der Internet-Schau präsentiert werden, sagte Caricatura-Chef Achim Frenz in Frankfurt. Die Online-Ausstellung sei eine Möglichkeit, zeitnah auf die Attentate zu reagieren. Schon seit Jahrhunderten kritisieren Karikaturisten in ihren Zeichnungen den Machtmissbrauch von Politikern oder Kirchenführern. Ihre Stilmittel sind Übertreibung und Humor. "Noch vor 30, 40 Jahren blieben Karikaturen im Land. Heute gehen sie in Echtzeit um die Welt und treffen auf Menschen mit anderem religiösen und kulturellen Hintergrund", sagte Vetter-Liebenow. Aufgabe der Museen sei es, Verständnis für die Zeichner zu wecken.

"Ihnen geht es nicht darum einen Glauben anzugreifen, sondern aufzudecken, wie der Glaube missbraucht wird." Das deutsche Publikum soll in der Online-Schau auch über die satirische Tradition in Frankreich informiert werden. "Dort werden auf sehr drastische, polemische Art und Weise Politiker oder Kirchenvertreter kritisiert. Das geht oft bewusst unter die Gürtellinie", sagte Vetter-Liebenow. Die Zeichnungen lösten breite Debatten aus. Gesellschaftlicher Konsens bestehe aber darüber, dass Satire durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist.

dpa

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Quelle: op-online.de

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