„Hygiene-Demo“

Impfgegner, rechte Aktivisten und Trump-Fans demonstrieren gegen Corona-Auflagen

Wut und Unbehagen: „Spaziergang“ gegen die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus in Frankfurt.
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Wut und Unbehagen: „Spaziergang“ gegen die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus in Frankfurt.

Bis zu 500 Menschen demonstrieren in Frankfurt gegen die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie. Mit dabei: Trump-Fans, Impfgegner und rechte Aktivisten.

  • Nicht angemeldete Demonstration gegen Corona*-Auflagen in Frankfurt
  • Bis zu 500 Teilnehmer, darunter Impfgegner, rechte Aktivisten und Trump-Fans, ziehen durch die Stadt
  • Polizei löst Demonstration gegen Corona-Auflagen nicht auf

Frankfurt - Bis zu 500 Menschen haben am Samstagnachmittag (09.05.2020) in der Frankfurter Innenstadt gegen die Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie und eine vermeintlich drohende Impfpflicht demonstriert. Gegen 14 Uhr versammelten sich zunächst rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Hauptwache. Sie hatten ihre Versammlung nicht beim Ordnungsamt angemeldet, über das Internet und unterschiedliche Chatgruppen war aber zu einem „friedlichen Spaziergang“ gegen die Hygieneregeln mobilisiert worden.

Demo gegen Corona-Auflagen in Frankfurt: Rechter Youtuber und Heidi Mund nehmen teil

Kurze Zeit später setzte sich der bunt gemischte Protestzug über die Biebergasse in Richtung Opernplatz in Bewegung. Unter den Versammelten waren ältere Menschen und junge Familien, aber auch größere Gruppen junger Männer. Auch der rechte Youtuber Henryk Stöckl und die islamfeindliche Aktivistin Heidi Mund nahmen an der Demonstration teil. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer trugen Regenschirme und Schilder, auf denen Sprüche gegen einen vermeintlichen „Impfzwang“, den US-Unternehmer Bill Gates, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) oder eine drohende „Gesundheitsdiktatur“ zu lesen waren. Die Versammelten hielten sich nicht an den aufgrund der Corona-Pandemie vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Metern, Schutzmasken wurden fast gar nicht getragen.

Mehrere Leute trugen dafür T-Shirts mit Wahlwerbung des US-Präsidenten Donald Trump, eine Teilnehmerin schwenkte die schwarz-weiß-rote Fahne des Deutschen Reiches, die auch auf Neonazi-Demonstrationen verwendet wird. Die Menge skandierte Parolen wie „Widerstand“, „Wir sind frei“, „Hände weg vom Grundgesetz“ und „Schließt euch an“. An der Spitze des Zuges ging ein Mann mit einem großen Schild, auf dem ein Rücktritt der Bundesregierung und Neuwahlen gefordert wurden. Außerdem war dort von einem „gigantischen Volksraub der Pharma-Netzwerke“ die Rede.

Polizei sieht bei Demo gegen Corona-Auflagen in Frankfurt nur zu

Die Polizei forderte die Versammelten mit Lautsprecherdurchsagen wiederholt dazu auf, ihre Demonstration anzumelden und einen Verantwortlichen zu benennen. Aus der Menge ernteten die Beamten dafür nur höhnisches Gelächter, laute Pfiffe und Buh-Rufe. Als Beamte die Menge zunächst daran hinderten, auf die Freßgass zu strömen, beschimpften einige Teilnehmer die Polizisten aggressiv und warfen ihnen vor, das Grundgesetz zu missachten. Letztlich beschränkte die Polizei sich darauf, den Demozug zu begleiten, der zwischenzeitlich auf rund 500 Menschen anwuchs.

Die Demonstration zog über den Opernplatz zurück zur Hauptwache, dann über die Liebfrauenstraße zum Paulsplatz, über die Braubachstraße, die Hasengasse und die Zeil wieder bis zum Opernplatz. Dort löste sich der Protest gegen 16 Uhr größtenteils auf, einige Teilnehmer begannen vor der Alten Oper zu tanzen. Vereinzelt zogen Leute noch bis 17 Uhr durch die Innenstadt. Sie kündigten an, am nächsten Samstag wiederzukommen. Ein Polizeisprecher sagte der Frankfurter Rundschau auf Nachfrage, man habe die Demonstration ziehen lassen, um eine Eskalation zu vermeiden. „Es wäre unverhältnismäßig gewesen, das Ganze aufzulösen“, sagte er.

Corona-Krise in Frankfurt: Mehrere Versammlungen 

Im Laufe des Vormittags hatte es bereits mehrere andere Versammlungen gegeben. Ein Bündnis feministischer Gruppen demonstrierte mit etwa 50 Menschen und violetten Fahnen gegen Frauenmorde und Gewalt gegen Frauen gerade während der weltweit verhängten Ausgangsbeschränkungen. Patriarchale Gewalt und Femizide seien strukturelle und globale Probleme, sagte eine Rednerin. Knapp 20 Aktivistinnen und Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerks Attac warben dagegen mit einer Mahnwache auf der Hauptwache dafür, auch während der Coronavirus-Pandemie das Problem des Klimawandels nicht zu vergessen.

Sportler und Kunstfreunde konnten derweil am Wochenende erstmals wieder ihren Hobbys frönen. Hessenweit durften Museen und Kultureinrichtungen unter Hygieneauflagen wieder öffnen, auch kontaktloser Sport durfte wieder betrieben werden.

Von Hanning Voigts

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In der Corona-Krise sieht eine Gruppe von Bischöfen eine Weltregierung am Werk. Die Kirchenmänner bedienen sich klassischen Corona-Verschwörungstheorien. Zudem erklärt das RKI, warum die Reproduktionszahl in Deutschland derzeit ansteigt.

Kritiker der Corona-Beschränkungen wollen am Samstag wieder in der Frankfurter City demonstrieren. Linke und zivilgesellschaftliche Gruppen wollen sich ihnen entgegenstellen und warnen vor Verschwörungsdenken.

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