Galopprennbahn oder Fußball-Leistungszentrum?

Frankfurt setzt auf ein anderes Zugpferd

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Die Stadt glaubt, mit ihrem Angebot an den Deutschen Fußball-Bund eine Entscheidung für die Zukunft zu treffen. Ob der Betreiber der Galopp-Rennbahn in Niederrad ein anderes Zuhause findet, ist äußerst fraglich.

Frankfurt - Einige glaubten gestern an einen verfrühten Aprilscherz, Betroffene zeigten sich fassungslos, andere haben genau das kommen sehen: das Aus des Pferdesports in Frankfurt nach mehr als 150 Jahren. Von Fabian El Cheikh

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Noch steht die Entscheidung aus, ob der Deutsche Fußball-Bund (DFB) das Gelände der Galopp-Rennbahn in Niederrad als Standort für sein geplantes Leistungszentrum wählt. Doch so oder so ist das Ende der Bahn absehbar. Nur noch sieben Rennen werden dieses und nächstes Jahr jeweils ausgetragen. Und Betreiber Manfred Hellwig von der Hippodrom GmbH schuldet der Stadt Miete und Nebenkosten von fast 300.000 Euro. Vor diesem Hintergrund sieht die Verwaltung, wie Wulfila Walter vom Planungsamt mitteilte, die Zeit gekommen für einen Wandel. Über den Verlust einer Tradition wollen sich die Verantwortlichen im Römer offenbar hinwegtrösten, indem sie das prestigeträchtige DFB-Objekt in ihre Stadt holen und so Frankfurt als Fußball-Hauptstadt stärken wollen.

Dass der omnipräsente Ballsport nun auch noch die letzte Galopprennbahn Hessens verdrängt, löst unter Betroffenen und Interessierten Ärger wie Resignation aus. Der Betreiber des an der Rennbahn beheimateten Neun-Loch-Golfplatzes, „Golf Absolute“, etwa habe erst aus den Medien von den Plänen erfahren. Welche Konsequenzen dies für die Golfer habe, sei noch nicht absehbar. Im Internet auf „galopperforum.de“ wird dagegen wild spekuliert. „Manfred Hellwig will nicht mehr“, bitter sei das, heißt es da etwa. Und: „Das ist der Anfang vom Ende des Galoppsports im Lande.“ Doch auch Verständnis wird geäußert: „Aus Sicht der Steuerzahler kann ich verstehen, dass keinerlei Interesse an einer Galopprennbahn besteht“, schreibt ein Nutzer, „kaum jemand in meinem Bekanntenkreis war jemals auf der Rennbahn und die, die da waren, kamen nicht wieder, denn sie kapieren nicht, was da vor sich geht.“

DFB offenbar das "richtige Pferd"

Weil immer mehr Rennbahnen in Deutschland geschlossen werden und sich das Wettgeschäft ins Internet verlagert, glaubt man in der Frankfurter Politik, mit dem DFB offenbar auf das richtige Pferd zu setzen. So stößt das Angebot an den Verband etwa bei der SPD-Fraktion im Römer auf Zustimmung: „Die Ansiedlung würde die Stellung Frankfurts als Sportstadt stärken und ist geeignet, die wichtige Institution DFB noch stärker an die Stadt zu binden“, sagte gestern der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Klaus Oesterling. Es handle sich um eine strategische Entscheidung, da der Pferdesport seit Jahren im Niedergang begriffen sei. Auch andere traditionsreiche Orte wie Gelsenkirchen habe es schon getroffen. „Und Frankfurt hat genug Geld für die Pferderennbahn verbrannt.“ Dass, wie Frankfurter Zeitungen teils berichteten, das Gelände zu einem symbolischen Preis an den DFB verpachtet werden soll, dementierte das Planungsamt gestern gegenüber unserer Zeitung. „Sie können sich sicher sein, dass wir uns nicht übervorteilen lassen.“ Man sei in Verhandlungen. Gleichwohl hatte Sportdezernent Markus Frank zuletzt davon gesprochen, dem DFB „sehr weit“ entgegenkommen zu wollen.

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Ob man das auch Manfred Hellwig und dem Frankfurter Renn-Klub verspricht, ist zweifelhaft. Beide Seiten betonen jedoch, in „guten Gesprächen“ zu sein. „Alle Beteiligte gehen davon aus, dass es zu einer für alle sinnvolle Lösung kommen wird“, sagte Hippodrom-Geschäftsführer Günter Wagner. Ein anderes Gelände in der Stadt zu finden werde allerdings „sehr schwierig“, so Wulfila Walter. Eingriffe in den Stadtwald seien unmöglich, andere Flächen würden von der Landwirtschaft beansprucht. Ob es in der Region ein geeignetes Gelände gibt, ist ebenso fraglich. Sowohl Verein als auch Stadt haben in der Vergangenheit viel Geld in die Rennbahn investiert. Aufgrund bislang fehlender Entwicklungsperspektiven in Niederrad ruht derzeit auch der begonnene Bau eines Hotels durch einen chinesischen Investor.

Quelle: op-online.de

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