Sportstätte feiert heute 90. Geburtstag

Waldstadion: Fußball, Boxkämpfe und eine Wasserschlacht

+
Sintflutartige Regenfälle gehen am 3. Juli 1974 im mit 62.000 Zuschauern ausverkauften Waldstadion nieder, und der deutsche Torhüter Sepp Maier muss vor seinem Gehäuse völlig durchnässt ausharren. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewinnt gegen Polen das letzte WM-Gruppenspiel der 2. Runde mit 1:0 und zieht damit in das Endspiel ein.

Frankfurt - Es war das Jahr 1897, als in Frankfurt der Wunsch aufkam, einmal die Olympischen Spiele auszutragen – was fehlte, war eine geeignete Sportstätte. Die Olympischen Spiele kamen zwar bis heute nicht, dafür aber der Bau des Waldstadions, das heute als Commerzbank-Arena 90. Geburtstag feiert.

Nach dem Ersten Weltkrieg hatte der Sport im Verein Hochkonjunktur. Ob nun Schwimmen, Turnen oder Boxen: Frankfurt war bereits eine Sportstadt. Am 21. Mai – vor 90 Jahren – wurde das Waldstadion feierlich eröffnet, wie das Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt mitteilt. Bis es soweit war, gab es viele Rückschläge, unter anderem Baustopps. Die Bevölkerung hatte mit den Folgen des Krieges zu kämpfen, und auch die Inflation machte es schwer, den Plan für die Arena aufrecht zu erhalten. Ende 1923 kam der versprochene finanzielle Zuschuss aus Berlin: 20 Millionen Mark. Wegen der Inflation reichte das Geld jedoch nur, um eine Diskusscheibe und ein Maßband zu bezahlen. Doch die Frankfurter gaben nicht auf.

Zur Eröffnung kamen 30.000 Besucher, um bei strahlendem Sonnenschein 15.000 Sportlern zuzujubeln. Der damalige Bürgermeister, Ludwig Landmann, übergab die Stätte ihrer Bestimmung. Der erste Höhepunkt folgte im Juli 1925 mit der „Ersten Arbeiter-Olympiade“. Es maßen sich Teilnehmer aus zwölf Nationen. Im Waldstadion tat sich fortan viel, nicht nur auf der Hauptkampfbahn, sondern auch im Schwimmbad, auf der Tennisanlage, im Radstadion und in der Wintersporthalle.

Viele spannende Derbys

Zu den Höhepunkten der Leichtathletik gehört der Auftritt von Rudolf Harbig. Am 12. August 1939 stellte er in 46 Sekunden einen neuen Weltrekord im Lauf über 400 Meter auf. Zwei Wochen später brach der Zweite Weltkrieg aus. Danach wollten am 28. September 1947 rund 40.000 Zuschauer gekommen, um Max Schmeling boxen zu sehen. Die Masse war außer sich, als er die Arena betrat – viele der 19.000 Sitzplätze brachen zusammen, und nur unter Begleitung von der Militärpolizei schaffte es Schmeling, der an diesem Tag 42 Jahre alt wurde, in den Ring. Er siegte in der siebten Runde gegen Werner Vollmer durch K.o. 1966 trat ein weiteres Box-Idol im Waldstadion an: Muhammad Ali traft auf Karl Mildenberger. Der deutsche Herausforderer wurde trotz seiner Niederlage nach zwölf Runden als „Karl der Große“ gefeiert.

Heute wird das Waldstadion vor allem mit einer Mannschaft in Verbindung gebracht: Eintracht Frankfurt. Aber Fußball wurde dort bereits 1925 gespielt – ohne die Adler, dafür mit dem FSV. Am 7. Juni 1925 unterlagen die Bornheimer im Finale um die deutsche Meisterschaft dem 1. FC Nürnberg mit 0:1. Nach dem Zweiten Weltkrieg lieferten sich im Waldstadion die Offenbacher Kickers, Eintracht Frankfurt und der FSV spannende Derbys.

Unvergessene Wasserschlacht von Frankfurt

Der große Andrang hatte auch seine Schattenseiten: Zum Spiel der Eintracht gegen den 1. FC Kaiserslautern am 17. Mai 1953 verkauften die Adler 68.000 Eintrittskarten – das Stadion war allerdings nur für 55.000 Personen konzipiert. Die Folgen waren 200 Verletzte. Nach diesem Spiel fiel der Entschluss: Das Stadion wurde umgebaut und für 1,6 Millionen Mark die Zuschauerkapazität auf 87.000 erhöht.

Unvergessen sind Spiele im Europapokal sowie der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 mit der feierlichen Eröffnung. Im kollektiven Gedächtnis blieb die „Wasserschlacht von Frankfurt“: die legendäre Partie Deutschlands gegen Polen (1:0) am 3. Juli 1974. Kurz vor dem Spiel hatte es dermaßen geregnet, dass der Platz eigentlich unbespielbar war. Helfer versuchten noch, den Rasen mit Pumpen und Walzen von den Wassermassen zu befreien. Danach wurde im Waldstation eine Drainage mit Rasenheizung eingebaut.

Tag des Handballs im Waldstadion

Von 1991 bis 2007 konnten die Besucher American Football sehen, wenn Galaxy zu Hause spielte. Aber auch Frauenfußball-Weltmeisterschaft, das Deutsche Turnfest, der evangelische Kirchentag und sogar der Dalai Lama waren im Waldstadion zu Gast. Auf ihre Kosten kamen ebenfalls die Rock- und Pop-Fans: Bereits 1970 wurde auf der Radrennbahn der „Rock Circus“ ausgetragen – mit den „Byrds“, „Deep Purple“, Chuck Berry und „Black Sabbath“. Im Waldstadion traten später Stars wie Tina Turner, Madonna und Bruce Springsteen auf, auch die „Rolling Stones“, „Supertramp“ und die „Dire Straits“.

Seit Juni 2005 setzt die Stadt als Stadioneigentümerin ein neues Konsortium als Betreiber und Vermarkter ein. Das im Mai 2005 fertiggestellte Waldstadion ist das vierte an gleicher Stelle. Die reine Fußballarena ohne Leichtathletikanlage – die Commerzbank hatte inzwischen die Namensrechte erworben – bietet unter dem 37 500 Quadratmeter großen Zeltdach 51.500 Zuschauern Platz. 2007 wurde die „Kirche in der Arena“ eingeweiht, im selben Jahr kam im Erdgeschoss der Haupttribüne noch das „Eintracht Frankfurt Museum“ hinzu.

Justin Timberlake rockt das Waldstadion

Eins dürfte jedenfalls klar sein: Die Geschichte des ehemaligen Waldstadions bleibt spannend. Und vielleicht kommen ja doch noch irgendwann die Olympischen Spiele an den Main.

Heute zum 90. Geburtstag wollen Dieter Hochgesand, Toni Hübler, Erwin Stein und Manfred Binz über alte Zeiten reden. Los geht’s um 19.30 Uhr im „Eintracht Frankfurt Museum“ (Mörfelder Landstraße 362), Eintritt: fünf Euro.

Mario Barth: Bilder von der Stadion Tour 2011

Quelle: op-online.de

Kommentare