Streit um Bühnen schwelt weiter

Frankfurt - Man habe die Positionen ausgetauscht - „in konstruktiver, kompromissbereiter Atmosphäre“ selbstverständlich. Nein, ein Ergebnis gebe es noch nicht, aber die Zusage, dass die Verhandlungen weitergeführt werden sollen. Von Michael Eschenauer

Einen Termin könne sie leider noch nicht nennen, meinte gestern Anne Rückschloss, persönliche Referentin von Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU). Bernd Loebe, Intendant der Oper, der Amtskollege beim Schauspiel, Oliver Reese, und Bernd Fülle, geschäftsführender Intendant der Bühnen GmbH, waren mehrere Stunden Gäste im Dezernat III am Paulsplatz. Thema: Einsparungen bei den Städtischen Bühnen Frankfurt.

Der Hintergrund ist hochkompliziert. Zwar bestreitet auch Kämmerer Becker nicht die Tatsache, dass die Bühnen bundesweit hohes Renommee und exzellente Auslastungszahlen (Oper: 89 Prozent, Schauspiel: 86 Prozent) vorlegen können - vom Sparkurs rückt er allerdings auch nicht ab. 271 Millionen Euro beträgt das Defizit des 2012er Etats. Im kommenden Jahr sieht es mit 264 Millionen Euro nicht besser aus.

Becker sieht den Kulturbereich ebenfalls verpflichtet

Die klamme Mainmetropole reagiert und streicht bei Ortsbeiräten, Kitas, Volkshochschule, Tourismus GmbH, der Sanierung des Bolongaropalasts, der geplanten Verlängerung der U5 zum Frankfurter Berg und bei der Erweiterung des Museums der Weltkulturen.

Insgesamt bleiben die Einsparungen mit 14,5 Millionen Euro in diesem Jahr relativ gering, doch Becker sieht den Kulturbereich ebenfalls verpflichtet, Opfer zu bringen. Mit dieser Position weiß er die schwarz-grüne Koalition hinter sich. Die Intendanten fürchten um die künstlerische Qualität der Häuser wenn der städtische Zuschuss in Höhe von 63,3 Millionen Euro bleibt, die Belastungen aber steigen. Kultur sei ein wichtiger Standortfaktor für Frankfurt, wird argumentiert. Reese ließ bereits mitteilen, dass seine Vertragsverlängerung mitnichten in trockenen Tüchern sei.

Starker Tobak

Zusätzlich Öl ins Feuer gießt Rolf Bolwin, Direktor des Deutschen Bühnenvereins. In der „Frankfurter Rundschau“ stellte er fest, dass die Kommunen den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst von knapp 6,4 Prozent ausgehandelt und demzufolge dessen finanzielle Belastungen gefälligst zu schultern hätten. Und dies ohne dass man wie im Falle Frankfurts die Bühnen dazu zwinge, diese Mehrkosten selbst zu erwirtschaften. Erzwungene Einsparungen bei den Städtischen Bühnen, so Bolwins Verdikt, seien ein Symbol dafür, dass das Geld über die Kunst gesiegt habe. Er sprach von einer „Blamage für Frankfurt“. Starker Tobak.

Die Tarifsteigerungen als Katalysator des Spardrucks: 1100 Mitarbeiter zählen die Städtischen Bühnen, die knapp 6,4 Prozent Aufschlag auf jede Lohntüte summieren sich hier auf einen Betrag von 2,55 Millionen Euro in der Saison 2012/2013. In der dann folgenden Spielzeit sind es schon 3,7 Millionen Euro.

Bisher konnten die Bühnenmanager die Tarifverhandlungen entspannt verfolgen. Doch seit der Ankündigung Beckers, hier auflaufende Mehrkosten werde die Stadt nicht mehr übernehmen, läuten am Willy-Brandt-Platz die Sturmglocken.

Roth war im Aufsichtsrat der Bühnen

Insgesamt müssen Loebe, Reese und Fülle ohnehin mit einer Schwächung ihrer Position rechnen. Ende Juni scheidet ihre Schutzpatronin Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) aus dem Amt. Sie stellte sich seit Mitte der 90er Jahre, als sie von der glücklosen Kulturdezernentin Linda Reisch (SPD) die Zuständigkeit für Oper und Schauspiel übernommen hatte, stets hinter die finanziellen Wünsche der Bühnen.

Es scheint zweifelhaft, ob ihr Nachfolger Peter Feldmann (SPD) ähnliche Beschützerinstinkte entwickelt. Er setzt bisher eher auf sozialpolitische Themen. Roth war im Aufsichtsrat der Bühnen, Feldmann erklärte jetzt der „Frankfurter Rundschau“, er habe sich noch nicht entschieden, in welchen Gesellschaften der Stadt er sich über einen Aufsichtsratssitz persönlich einbringen werde.

Rückt statt eines Oberbürgermeisters „nur“ Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) in den Aufsichtsrat de Bühnen nach, stünde dies nach Einschätzung von Beobachtern für deren klare Schwächung im Machtpoker der Frankfurter Politik. Doch damit nicht genug: Beckers Zielvorgabe - ursprünglich visierte er Kürzungen pro Jahr in Höhe von 75 Millionen Euro an - hat sich bisher als illusorisch erwiesen. Mit der Amtsübernahme des neuen OB werden sich weitere politische Gewichtungen der Frankfurter Politik verändern. Diese Unwägbarkeiten treffen die Haushaltskonsolidierung zusätzlich.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Maren Beler / pixelio.de

Kommentare