Frankfurt entdeckt Offenbach als Industriestandort

Offenbach/Frankfurt ‐ Die Industrie nach Offenbach, die Gewerbesteuer aber nicht? Dieser Vorschlag kommt von der Frankfurter Umweltdezernentin Manuela Rottmann. Die Grünen-Politikerin möchte so dem immer größer werdenden Flächenbedarf der Stadt Frankfurt Herr werden. Von Ralf Enders

Es ist zu eng in Frankfurt. Für Wohnungen, für Parks, für Industrie. Mit nur 250 Quadratkilometern liegt die kleine Großstadt in Sachen Fläche bundesweit nur auf Rang 43. Bei einem Forum der Frankfurter Allgemeinen Zeitung diskutierten nun neben Rottmann noch Stadtplaner, Projektentwickler und Wirtschaftsvetreter über den Mangel.

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Rottmanns Vision der „interkommunalen Zusammenarbeit“ beinhaltet, dass Offenbach Flächen, auf denen wegen Fluglärms keine Wohnungen gebaut werden dürfen, für Industriebetriebe bereitstellt, denen es in Frankfurt zu eng wird. Offenbach solle die Gewerbesteuer senken und das Geld von den Umgesiedelten mit Frankfurt teilen. „Kooperation statt Wettbewerb“, forderte sie.

Schmutz und Gestank zu 100 Prozent in Offenbach, das Geld aber nur zur Hälfte? Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) sieht zumindest Diskussionsbedarf: „Die Begründung mit der Siedlungsbeschränkung hat einen zynischen Beigeschmack.“ Ansonsten ist Schneider - auch zuständig für Wirtschaftsförderung - nicht abgeneigt: „Industrie ist nicht mehr wie vor 50 Jahren, und es entstünden ja Arbeitsplätze mit Wertschöpfung.“

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Seine Umweltdezernentin Birgit Simon, reagierte noch positiver auf die Überlegungen ihrer Frankfurter Parteikollegin: „Ich kann mir gut vorstellen, dass (...) zum Beispiel die Radeberger Gruppe besser in Offenbach als in Bad Vilbel heimisch wird.“ Eine „neue Kultur der Zusammenarbeit“ gebe es aber nur, wenn sich beide Großstädte auf Augenhöhe begegneten.

Davon jedoch scheint man noch weit entfernt, wie die Aktualität zeigt: Über das in Fechenheim geplante Kohlekraftwerk hat Frankfurt Offenbach noch nicht einmal informiert, und Mercedes-Benz will seine Niederlassung an der Offenbacher Daimlerstraße auf Frankfurter Gebiet an den Kaiserlei verlegen.

Quelle: op-online.de

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