Familienstadt Frankfurt beliebt bei jungen Leuten

Frankfurt - Die kalte Business-City Frankfurt mausert sich zur warmen Familienstadt. Frankfurt hat seit der Wiedervereinigung bei den Geburten am stärksten in Deutschland zugelegt - entgegen dem Bundestrend. Und die Stadt tut einiges für die Familien.

Frankfurt haftet noch immer der Ruf der kalten Single-Bankenstadt und Kriminalitätshochburg an. In Wirklichkeit entwickelt sich die fünftgrößte deutsche Stadt aber mehr und mehr zum Magneten für Familien. Entgegen des deutschlandweiten Trends ist die Zahl der Geburten in der hessischen Mainmetropole seit der Wiedervereinigung nicht nur deutlich gestiegen, sondern zugleich am stärksten in der ganzen Republik. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden hervor.

Danach gehören auch Wiesbaden und Darmstadt zu den wenigen Gewinnern. Als Hauptgrund nennen die Wissenschaftler aus Wiesbaden das attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplatzangebot, das viele junge Leute aus dem In- und Ausland im gebärfähigen Alter anziehe. „Frankfurt bietet gute Berufschancen, deshalb kommen junge Familien“, sagt der Geschäftsführer des Zukunftsinstituts, Andreas Steinle. „Und wenn ein Kind da ist, kommt schnell auch das zweite.“ Denn Menschen mit positiven Zukunftserwartungen entschieden sich eher für Nachwuchs. „Prosperierende Städte werden zugleich attraktiver für Familien, weil sie sich ändern. Sie werden grüner und die Kinderbetreuung wird besser.“

Chancen auf gute Jobs

Gut ausgebildete Frauen hätten zudem in Städten bessere Chancen, gute Jobs zu bekommen und diese mit der Familie zu vereinbaren. Der BiB-Studie zufolge wurden 2009 rund 16 Prozent mehr Babys in Frankfurt geboren als 1990 - damit liegt Frankfurt an der Spitze von 412 Städten und Kreisen. Deutschlandweit brach die Geburtenzahl im Vergleichszeitraum um 26 Prozent ein. Den zweiten Platz belegt München (13 Prozent), gefolgt von Regensburg (10 Prozent).

In Wiesbaden und Darmstadt stiegen die Geburtenzahlen um fünf beziehungsweise gut ein Prozent. „Die steigenden Kinderzahlen gehen noch weit über das hinaus, was wir erwartet haben“, sagt der Sprecher des Bildungsdezernats, Martin Müller-Bialon. „Das ist Segen und Fluch zugleich.“ So müssten nicht nur die Betreuungsplätze für Kleinkinder, sondern auch für Kindergarten- und Hortplätze stetig ausgebaut werden. „Überall steigt der Bedarf.“ Im Neubaugebiet Riedberg beispielsweise wird gerade erstmals seit rund 100 Jahren wieder ein Gymnasium gebaut, der Schulbetrieb im Container läuft bereits sechszügig. Mehrere neue Grundschulen im ganzen Stadtgebiet sind in Planung.

Hohe Ansprüche bei Kinderbetreuung

Zudem hat Frankfurt bei der Kinderbetreuung vergleichsweise hohe Ansprüche: Die Großstadt will bis 2013 mindestens der Hälfte der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz anbieten, mehr als gesetzlich vorgeschrieben. Der Anteil der Ganztagsplätze in den Kitas soll auf 65 Prozent steigen, heißt es im neuen Koalitionsvertrag. Besonders ehrgeizig sind die Frankfurter auch bei der Betreuung der Kindergartenkinder: Zwei volle Erzieherstellen arbeiten in einer Gruppe, landesweit vorgeschrieben und noch nicht überall umgesetzt seien 1,75, sagt Müller-Bialon. „Die Stadt hat in den vergangenen Jahren einiges getan, um die Infrastruktur für Familien in Frankfurt zu verbessern“, sagt die Sprecherin des Jugend- und Sozialdezernats, Manuela Skotnik. „Die Palette reicht vom Ausbau der Betreuungsplätze über die Verbesserung von Förder- und Beratungsmöglichkeiten bis hin zu attraktiven Freizeitmöglichkeiten.“

Als Beispiele nennt sie den pädagogischen Mittagstisch in Stadtteilen ohne Schulkantine, Familienhebammen und den Ausbau der Ferienfreizeiten und Familienbildungsangebote. Der Trend setzt sich unterdessen fort: Rund 688 250 Menschen waren Ende 2010 in der größten Stadt Hessens gemeldet - etwa 8678 mehr als vor Jahresfrist. Der Hauptgrund waren erneut deutlich mehr Geburten. Die Bertelsmann-Stiftung hatte bereits Ende 2008 voraus gesagt, dass in Frankfurt die Zahl der Schulkinder bis 2025 deutlich steigen wird - entgegen dem Landestrend.

Quelle: op-online.de

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