Bruderkuss, Bundestagszelt und Bühnenprogramm

Party-Auftakt: Frankfurt feiert 25 Jahre Einheit

+
Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (rechts) mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier beim Auftakt der Einheitsfeier in Frankfurt.

Frankfurt - Volksfeststimmung am Main: Das dreitägige Bürgerfest in Frankfurt zum Silberjubiläum der Einheit beginnt bei traumhaftem Herbstwetter. Neben historischen Erinnerungen locken auch aktuelle Stars wie Cro Besucher aus ganz Deutschland an.

Bruderkuss, Bundestagszelt und Bühnenprogramm: Das Bürgerfest zu 25 Jahren deutsche Einheit in Frankfurt am Main hat mit Volksfeststimmung begonnen. "Bombenwetter! Fröhliche Stimmung!", stellte Bundesratspräsident Volker Bouffier (CDU) bei der offiziellen Eröffnung am Freitagnachmittag auf der Ländermeile am Main fest. "Das haben wir uns erhofft."

Rund eine bis 1,5 Millionen Besucher werden in den nächsten drei Tagen in der für den Autoverkehr gesperrten Innenstadt erwartet. Sie können sich bei mehr als 300 Veranstaltungen über das aktuelle, politische Deutschland und die vergangenen 25 Jahre informieren - sowie sich bei voraussichtlich goldenem Oktoberwetter amüsieren. "Ich bin etwas skeptisch, wie man die Einheit rüber bringen kann, ohne Rummel, der nur kommerziell ausgeschlachtet wird", sagte eine 68 Jahre alte pensionierte Lehrerin aus Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis). Bekannte, die bei Fluchtversuchen in der DDR ums Leben kamen, und Päckchen mit Lebensmitteln für die Ost-Verwandtschaft: "An dem Thema hängt für mich persönlich viel dran."

Ganz anders geht es Jenny Ehard aus Nürnberg, die genauso alt ist wie die Wiedervereinigung und nur wegen des Auftritts von Cro nach Frankfurt gefahren ist. Sie habe den Rapper schon neun- oder zehnmal im Konzert gesehen, "aber diesmal ist es umsonst". Die Büro-Disponentin hat sich extra freigenommen und wartet zusammen mit einer Freundin in der Sonne schon seit 13 Uhr in der ersten Reihe am Opernplatz auf den Auftritt am Abend.

Bruderkuss- und Mauerfall-Bilder der Fotografin Barbara Klemm erinnern an mehreren Orten der Stadt an die deutsch-deutsche Geschichte. Im Bundestagszelt können Besucher jede Stunde an einer Debatte teilnehmen und über die Einführung einer Einheitsgröße von 0,6666 Liter für den Bembel abstimmen. Die Verfassungsorgane präsentieren sich auf einem der zentralen Plätze in der Innenstadt.

XXL-Bildergalerie vom Einheitsfeier in Frankfurt

Der Italiener Franziskus (26) und sein Kumpel David aus Spanien (31) schauen sich in diesen weißen Festzelten nach Informationen um. Die beiden Ingenieure, die wegen der Jobsuche vor rund einem dreiviertel Jahr nach Frankfurt kamen, haben gerade eine Prüfung über deutsche Geschichte geschrieben. Die Ländermeile am Main, auf der die 16 Bundesländer auf mehr als zwei Kilometern ihre kulturelle und kulinarische Vielfalt präsentieren, findet bei dem Bilderbuchwetter besonderen Anklang der Besucher. "Uns interessiert vor allem die Darstellung der einzelnen Länder", sagt Detlef Jöns, der mit seiner Frau aus der Nähe von Husum für drei Tage nach Frankfurt gekommen ist. Das Paar hat in den vergangenen Jahren schon mehrere Einheitsfeste in anderen Städten besucht und ist gespannt, "was in Frankfurt geboten wird". Weniger interessant findet der Rentner den Paulsplatz, auf dem 25 große Säulen an je ein Jahr des wiedervereinten Deutschlands erinnern. "Das haben wir ja alles miterlebt." Nur wenige Menschen schauen sich die Texte und Bilder an.

Das große, grüne von Otmar Hörl geschaffene Einheitsmännchen, das an das Ampelmännchen der DDR erinnert und auf dem selben Platz steht, ist dagegen ein beliebtes Fotomotiv. Eine 60 Meter breite LED-Wand auf der Untermainbrücke am Main weist auf einen Höhepunkt des Bürgerfests hin: Eine 45-minütige Licht-Musik-Show mit 25 Lichtbrücken am Samstagabend. Die Generalprobe am Freitagabend war aber auch schon öffentlich. "Vielfalt in Hessen" nennt das gastgebende Bundesland seine eigene Präsentation, bei der Internationalität hervor gehoben wird. "Das vielfältige ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe bildet den Mittelpunkt des Willkommenszeltes", betont die Landesregierung. Um Flüchtlinge geht es auch bei den Veranstaltungen der christlichen Kirchen auf dem Römerberg. Das Motto der Feierlichkeiten "Grenzen überwinden" halten einige linke Gruppen gerade angesichts der aktuellen Flüchtlingspolitik für zynisch. Sie kündigten für den Abend eine Demonstration an. (dpa)

Quelle: op-online.de

Kommentare