Feuerwehr geht Nachwuchs aus

Kampf um die Freizeit

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An die Schläuche, Männer - pardon - Kinder! Die Kinder- und Jugendfeuerwehren  behaupten sich gut auf dem Markt der Freizeitangebote.

Frankfurt - Tausende Kinder und Jugendliche machen bei der Feuerwehr mit. Noch geht den Brandschützern der Nachwuchs nicht aus. Doch im Markt der vielen Angebote spüren sie Konkurrenz. Von Carolin Eckenfels

Morgens Mathe, nachmittags Löschübung: Etwa 27.000 Kinder und Jugendliche engagieren sich in Hessen bei der Feuerwehr. Seit 50 Jahren geht es um die Ausbildung der Nachwuchs-Brandbekämpfer oder einfach um Spiel und Spaß. Im Jubiläumsjahr will die hessische Jugendfeuerwehr aber nicht nur feiern, sondern auch stärker auf sich aufmerksam machen. Los geht’s am heutigen Samstag mit einem Aktionstag in Marburg.

Die demografische Veränderung sei heute zwar noch kein Problem, sagt Landesjugendfeuerwehrwart Stefan Cornel. „Den gesellschaftlichen Wandel spüren wir natürlich auch. Jugendliche haben ein anderes Freizeitverhalten, das spielt sich nicht mehr nur im Ort ab, die Zeit wird knapper.“ Zudem gebe es zahlreiche Angebote für sie. „Es wird daher anspruchsvoller, Jugendliche für einen zu begeistern.“

Intensivere Betreuung

Über die Jahre seien die Inhalte bei der Jugendfeuerwehr zwar gleichgeblieben, sagt Cornel. Diese müssten heute aber anders verpackt werden. „Die Betreuung ist intensiver, wir brauchen dafür mehr Leute als früher. Frontalunterricht - so etwas geht heute nicht mehr.“ Nach Angaben des Marburger Jugendforschers Benno Hafeneger gab es noch nie so viele Vereine und Verbände für Jugendliche. „Die Jugendverbände konkurrieren stärker als früher um die junge Generation. Denn die hat ein begrenzteres Zeitbudget etwa durch den Besuch von Ganztagsschulen - und die junge Generation wird weniger.“

Zudem sorge der „enorme Markt von Medien und Kommerz“ sowie Jugendkulturen wie die Musik- oder Fußballfan-Szene für Konkurrenz. Dennoch: „Die Jugendverbände halten sich gut. Ein Drittel der Kinder und Jugendlichen werden von ihnen erreicht. Bei allen Krisen und Veränderungen sind Jugendverbände ein wichtiger Faktor.“ Denn sie vermittelten „Kontinuität und eine Zugehörigkeit auf Dauer“.

Auch der gemeinnützige Aspekt sei wichtig, betont Hafeneger, der sowohl wissenschaftlich als auch für Fortbildungen mit der Jugendfeuerwehr zusammenarbeitet. „Studien zeigen, dass sich Jugendliche bei gemeinnützigen Verbänden wie Sportvereinen oder Feuerwehr engagieren, weil sie hier etwas Sinnvolles tun können, auch für sich selbst und gemeinsam mit anderen.“

Trainingscenter erfüllt Feuerwehrträume

Robin Unverzagt ist seit etwa sechs Jahren bei der Feuerwehr. Mittlerweile ist der Wiesbadener 18 Jahre alt, Jugendfeuerwehrsprecher und zudem bei den erwachsenen Feuerwehrleuten aktiv. Was ihn als Kind zu den Brandschützern zog? „Mir hat das Freizeitangebot wie die Zeltlager und Bildungsfahrten gefallen, aber vor allem natürlich auch, dass das technische Verständnis gefördert wird“, erzählt er. Man lerne, mit Geräten wie Rettungsleinen oder Pumpen umzugehen. „Und es hat einfach einen Riesenspaß gemacht, mit meinen Freunden bei Blaulicht zu Showübungen im Löschfahrzeug rauszufahren.“

Die Jugendfeuerwehr hofft, dass sie weiterhin Nachwuchs für sich gewinnen kann, gerne auch Jugendliche mit ausländischen Wurzeln. Im Herbst will der Verband mit einer Kampagne für sich werben. „Wir merken, dass die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr vielen kein Begriff mehr ist“, erklärt Feuerwehrwart Cornel. „Dass fast 90 Prozent des Brandschutzes ehrenamtlich geleistet wird, wissen viele nicht.“ Der Verband wolle vor allem informieren, wie die Feuerwehr funktioniert. „Den Aspekt Helfen dabei kennt jeder, egal aus welcher Kultur er kommt“, sagt Cornel.

dpa

Quelle: op-online.de

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