Die Geister, die sie riefen

Fliegende Volksbühne zeigt „Zauberlehrling“

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Pirkko Cremer (r.) und Ulrike Kinbach.

Frankfurt - Schülergeneration um Schülergeneration hat Goethes „Zauberlehrling“ auswendig lernen müssen, heute hingegen ist das 1798 erschienene Gedicht um den Lehrling, der in Abwesenheit seines Meisters die Puppen, respektive Besen tanzen lässt, etwas in Vergessenheit geraten. Von Maren Cornils 

Mit Goethes "Zauberlehrling" können Schüler heutzutage in der Regel wenig anfangen. Bedauerlich, wie Pirkko Cremer und Ulrike Kinbach fanden, die die Verse des Dichterfürsten für die „Fliegende Volksbühne“ neu belebten und daraus ein kunterbuntes Kindertheater machten, bei dem freilich nur noch wenig an das Original erinnert. Hauptdarsteller des mit 40 Minuten sehr kurz gehaltenen Stückes, das nun seine Uraufführung im Goethemuseum erlebt, ist denn auch nicht etwa der zur Selbstüberschätzung neigende Magier-Azubi, sondern Lilli und Lotte, die beiden neugierigen Assistentinnen von Zauberer Torquato.

Und die haben es faustdick hinter den Ohren. Sie treiben Schabernack, zaubern Bälle quer durch den Saal und unter die Stühle der Zuschauer, musizieren schräge Weisen, foppen die jeweils andere und beginnen dann, nachdem sie verbotenerweise Torquatos großen Zauberkoffer geöffnet haben, damit, den Zauberlehrling nachzuspielen. Flugs werden Eimer zu Kopfbedeckungen. Um die im Gedicht unerbittlich fließenden Wassermassen darzustellen, kommt meterweise PVC-Folie zum Einsatz, und ein Rollkoffer wird zum Boot, Kinbach zum grinsenden Hai und Cremer zur Haremsdame aus Tausendundeiner Nacht. Ein vergessenes Wort findet sich in der Tasche eines kleinen Zuschauers, Besen werden kunstvoll balanciert und am Ende mutiert Kinbach gar zur buckligen Hexe. Dazwischen wird Goethe deklamiert, den Zusammenhang freilich erfassen allenfalls die erwachsenen Zuschauer. Ein Spaß ist das überwiegend pantomimische Schauspiel allemal - und das quer durch alle Altersklassen.

Quelle: op-online.de

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