Breakdance mit Bach

„Flying Steps“ begeistern mit fulminanter Tanz-Performance

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Die Breakdance-Weltmeister „Flying Steps“ können auch auf die Musik von Johann Sebastian Bach tanzen.

Frankfurt - Die Berliner Breakdance-Weltmeister „Flying Steps“ sind nach ausgedehnter Welttournee wieder in Frankfurt gelandet, um ihre neu überarbeitete, schon 2010 mit dem Echo prämierte Tanz-Performance auf´s Parkett zu zaubern. Von Peter H. Müller 

Bach und das „Wohltemperierte Klavier“ hier, Breakdance, harte Beats und quietschende Sneekers dort - „Red Bull Flying Bach“ bringt auf furiose Weise zusammen, was gegen alle Konventionen rebelliert. In der Alten Aper gibt es dafür stehende Ovationen. Natürlich war das eine waghalsige, von Puristen wohl nur mit verständnisfreiem Kopfschütteln begleitete Idee. Vor gut sechs Jahren hatte sich „Flying Steps“-Gründer Vartan Bassil nach dem Besuch eines Klassikkonzertes den „coolen“, um nicht zu sagen „verrückten Spleen“ in den Kopf gesetzt, seine Kreuzberger Breakdance-Truppe mit klassischer Musik experimentieren zu lassen. Den Profi dazu fand er in Opernregisseur Christoph Hagel, für den schnell klar war, dass nur Bachs formvollendetes Jahrhundertwerk, die Präludien und Fugen des „Wohltemperierten Klaviers“, ein solches Unterfangen schadlos überstehen könnte. Es war so etwas wie die Geburtsstunde von „Red Bull Flying Bach“, einer fulminanten Tanz-Performance, die auf ihrer zweiten Deutschland-Tour nun wohl auch die letzten Skeptiker begeistern wird.

Die Zutaten: eine lose gebundene Geschichte von einer holden, in unschuldiges Chiffon-Weiß gekleideten Prima Ballerina (Anna Holmström), die sich zu den live gespielten Bach-Klängen (Marianna Hendriksson/Cembalo, Christoph Hagel am Flügel) in die mysteriöse Gegenwelt einer von sieben Macho-Jungs bevölkerten Breakdance-Truppe pirouettiert. In diesem veritablen Spannungsfeld von ebenso urbanem wie brachialem Streetdance und der klassischen, mit zeitgenössischem Vokabular angereicherten Ballett-Sprache entwickelt sich nun Szene für Szene eine Mit-/Gegeneinander der „Kulturen“, die am Ende des Tages auf fast wundersame Weise verschmelzen. Klingt zunächst so unglaublich wie es sich in der Tat auch anschaut, zumal zwischendurch auch noch der ehrenwerte Johann Sebastian in klug gesetzten Intermezzi durch den Computer-Fleischwolf gedreht wird. Dem harmonischen Ganzen kann man sich während der 70-Minuten-Show nie entziehen.

Was da an Akrobatik, Swipes (Sprünge um die Körperachse), Headspins (Rotation im Kopfstand) oder atemberaubenden Handständen auf die Bühne gewirbelt wird, gerinnt aber nie zum Selbstzweck oder zur Zirkusnummer. Im Gegenteil. Das Unterfangen, die Stimmungen, Atmosphären und Emotionen aus Bachs Musiken in rasante Bewegung zu übersetzen, funktioniert tatsächlich. Und am Ende, wenn die über allem schwebende Orgel noch zu einem Gänsehaut-Finale anhebt, bleibt eigentlich nur zu jubilieren - über Bach und diese ganz eigene, neue Spielart dessen, was man gerne „Contemporary Dance“ nennt.

Quelle: op-online.de

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