Eine Ära für die Ewigkeit

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Aus Frust über eine gescheiterte Beziehung erschuf der Frankfurter DJ Leonardo Aquino eine Parallelwelt, um mit Alkohol, Musik und Sex die Realität vergessen zu können. Die Idee kam an in Mainhattan. Nach drei Jahren Abfeiern setzt er der Ära „Fuck my Beatz“ nun ein Ende. Fortan ist Erwachsenwerden angesagt.

Frankfurt -  Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Frankfurt neben Berlin als Hochburg elektronischer Musik gilt. Über viele Jahre hinweg hat die Veranstaltungsreihe „Fuck my Beatz“ für ordentlich Gesprächsstoff in der Mainmetropole gesorgt. Von Sascha Reichelt

Zwar möge dieser Ära künftig ein Ende gesetzt sein, verewigt wurde sie nun aber in einem Dokumentarfilm von Jung-Regisseur Dino Argentiero. Heute feiert der Streifen seine Kinopremiere im Frankfurter „Metropolis“– die Karten im Vorverkauf sind seit dieser Woche vergriffen, letzte Chance für Tickets ist die Abendkasse.

Argentiero absolvierte zunächst sein Studium im Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt und studiert mittlerweile an der Film-Akademie Baden-Württemberg. An Veranstalter Leonardo Aquino und dessen Party-Reihe geriet er über seine zweite Leidenschaft als Perkussionist: „Leo lernte ich in einem afrikanischen Lokal kennen, in dem ich häufig trommelte. Ich hab bestimmt ein Jahr lang immer wieder aushilfsweise bei seinen Partys mitgewirkt. Und nachdem ich an der Akademie aufgenommen wurde, kam mir nachts plötzlich die Idee, daraus einen Film zu machen. Also hab ich ihn angerufen und so hat alles angefangen“, erzählt der 29-Jährige.

Eine 55-minütige Milieu-Studie

Der Filmemacher kreierte somit sein Debüt-Projekt, das zunächst auf „Low Budget“-Niveau produziert wurde und in der Endphase letztlich von der hessischen Filmförderung unterstützt wurde. „Wir mussten viel improvisieren und hatten nicht den blassesten Schimmer, was uns eigentlich erwarten würde“, erinnert er sich.

Abtauchen in eine Parallelwelt fernab gesellschafter Normen - „Fuck my beatz“ gibt es künftig nur noch zum Anschauen.

Aus über 80 Stunden Filmmaterial kristallisierte sich eine 55-minütige Milieu-Studie heraus, die die Frankfurter Clubszene in all ihren Facetten beleuchtet. Dabei gewährt sie dem Zuschauer einen außergewöhnlichen Einblick in die sozialen und kulturellen Strukturen der sogenannten „Members“, denn zu den legendären Partys waren nur handverlesene Gäste eingeladen, die ihre Feierambitionen unter Beweis stellten und die die wiederkehrenden Exzesse zu einer Gemeinschaft zusammengeschweißt haben. Um das Verhalten der Gäste nicht zu beeinflussen und die Atmosphäre so authentisch wie möglich festzuhalten, wurden kleine, besonders lichtempfindliche Spiegelreflexkameras eingesetzt und auf größeren technischen Aufwand weitgehend verzichtet.

Aufhören, wenn es am Schönsten ist

Bereits der Trailer wurde auf You-Tube über zehntausend Mal angeklickt und verspricht großes Kino: Denn während die Bevölkerung sich zur Nachtruhe begibt, ist die Stadt noch längst nicht müde. Und so lassen sich wohl kaum mehr malerische Worte finden, um das Lebensgefühl jener Protagonisten zu beschreiben, die sich im alltäglichen Treiben auf die hoffnungsfrohe Suche nach Glück und Leidenschaft begeben.

Für Gründer Leo war es Herzschmerz, der ihn dazu veranlasste, die Party-Reihe ins Leben zu rufen, war doch eine Trennung erst der Auslöser für die Sehnsucht nach der Flucht aus dem Alltag: „Ich war 21, plötzlich Single und hatte einfach Bock auf Spaß“, sagt er heute.

Sein Ansporn: „Musik, Alkohol und Sex“– Doch nach drei Jahren exzessiven Feierns beschloss er, jenes Kapitel abzuschließen. Denn solle man immer dann aufhören, wenn es am Schönsten ist. „Es war wie ein schönes vollendetes Kunstwerk, an dem jeder weitere Pinselstrich es ruiniert hätte“, philosophiert der DJ. Es wird weitere vereinzelte Kinoaufführungen geben, außerdem ist der Streifen ab heute auch auf DVD erhältlich.

Quelle: op-online.de

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