Nordend/Bornheim

Debatte: Soll die Berger Straße autofrei werden?

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Mittlere Berger Straße in Bornheim: Könnte sie gänzlich autofrei werden? Die Politik diskutiert und ist sich uneins.

In Bornheim diskutiert der Stadtteil, ob die Berger Straße autofrei werden soll. Auch die Politik ist nicht einer Meinung.

Bornheim - Was er gleich losbrechen wird, das ahnt Simon Hild (28) nicht, als er in der Bürgerfragestunde des Ortsbeirats 4 (Bornheim, Ostend) ans Mikrofon tritt. 

Seit vier Jahren lebt der gebürtige Frankfurter in Bornheim unweit der Günthersburgallee. Seine Besorgungen macht der Veranstaltungstechniker stets um die Ecke in der Berger Straße - einer der beliebtesten Einkaufsstraßen der Stadt. "Das ist sehr lebendig dort", ist er begeistert, "dort halten sich die Leute total gerne auf."

Was ihn allerdings als Neu-Bornheimer wundert: "Dass so viele Autos und Transporter die Berger Straße als Durchfahrtsweg nutzen." Und zwar nicht nur solche, die hier parken wollen, oder Lieferanten. Für die vielen Radfahrer werde es oft sehr eng auf dem Fahrstreifen, auf dem auch die Autos rollen - durch das Spalier der beiderseits geparkten Fahrzeuge hindurch.

Frankfurt: Viele Autos täglich

Ob er denn einmal erleben könne, dass hier kein Fahrzeugverkehr mehr entlang rollt - so wie einst auf der Zeil? Mit seiner Frage trifft Simon Hild ins Schwarze: Über das Für und Wider einer autofreien mittleren Berger Straße zwischen Wiesen- und Höhenstraße können die Stadtteilpolitiker leidenschaftlich diskutieren. "Komplett autofrei geht nicht", findet Bodo Pfaff-Greifenhagen (CDU). "Dort wohnen ja Leute", die müssten zu ihren Grundstücken gelangen können.

Selbst Grünen-Fraktionschef Martin Ried will die Blech-Karossen nicht stoppen: "Früher gab es hier nur 1,50 Meter breite Bürgersteige, daneben parkende Autos und in der Mitte zwei Fahrstreifen, auf denen die Straßenbahnlinie 2 und 10 fuhren", erinnert er.

Weniger Unfälle

Heute gelte Tempo 30 und: "Nirgendwo sonst in Frankfurt steht Fußgängern mehr als die Hälfte der Straßenbreite zur Verfügung", sagt der Grüne. In der Berger herrsche "ein solches Gewusel", dass dies sogar die Verkehrssicherheit erhöhe: "Wir haben hier gar keine Unfälle mehr." Die Situation sei "so gut, dass ich nichts ändern würde".

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Dagegen gesteht SPD-Fraktionschef Darius Shafiei ein: Es gebe "immer wieder brenzlige Situationen zwischen Autos und Radfahrern". Deshalb sei die Sperrung für Autos durchaus "eine Idee". Jedoch weiß Shafiei: "Die Widerstände dagegen sind riesig von Seiten der Händler und Anwohner." Bewohner benachbarter Straßen befürchteten vor ihren Haustüren Chaos. "Das ist nicht von der Hand zu weisen", gibt der SPD-Politiker zu.

Politik will handeln

Es gebe aber auch viele Bürger, die sich fragten, warum Autos dort noch immer fahren dürften, hält Stadtbezirksvorsteher Ulrich Labonté (SPD) dagegen. Sein Vorschlag: "Wir könnten ja mal überlegen, ob wir es mit einem Verkehrsversuch einfach mal probieren."

Mit der zeitweisen Sperrung der Wiesenstraße vor einem Dreivierteljahr habe es den Versuch längst gegeben, erinnert Peter Schmidt (Die Frankfurter). "Da gab es Zirkus ohne Ende." Auch CDU-Mann Pfaff-Greifenhagen winkt ab. "Ohne Absprache mit Gewerbeverein, Vereinsring und Gastronomie würde ich da nicht drangehen wollen."

Trotzdem ist Nachbar Simon Hild zufrieden mit der Diskussion. "Als Anwohner muss ich offenbar die Hoffnung nicht aufgeben," sagt er, "dass sich doch noch etwas tut."

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