Prozess um ungewöhnlichen Vorfall

Mann ärgert sich über hemmungslosen Akt auf Bahnsteig und sticht zu - Haftstrafe

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Die Attacke fand am Oberurseler Bahnhof statt(Symboldbild)

Nach einer lebensgefährlichen Messerattacke aus Ärger über öffentlich ausgeübten Geschlechtsverkehr ist ein 21 Jahre alter Italiener am Donnerstag in Frankfurt zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Frankfurt - Nach vier Verhandlungstagen ist gestern der Prozess um einen sehr ungewöhnlichen Vorfall zu Ende gegangen, bei dem ein junger Mann im Mai vergangenen Jahres am S-Bahnhof Rödelheim durch vier Messerstiche schwer verletzt worden war. Zweieinhalb Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung, so das Urteil.

Steine geworfen

Alles begann am Abend des 5. Mai an der Station Oberursel, wo sich der 21 Jahre alte Italiener nach einer Familienfeier gemeinsam mit seinen Verwandten zur Heimfahrt wappnete. Hinter einem Fahrradständer hörte er plötzlich Geräusche - dort spielte sich eine Abschiedsszene der besonderen Art ab. Der später Verletzte hatte Sex mit seiner in Schleiern gehüllten Lebensgefährtin. Dies ging dem moralfesten Italiener mächtig gegen den Strich, zumal er auf seine verbalen Einwände auch noch den "Stinkefinger" gezeigt bekam. In der S-Bahn gingen die Scharmützel weiter, wobei auch der Kontrahent "stets die Nähe zum späteren Täter suchte", wie es Vorsitzender Richter Volker Kaiser-Klan vorsichtig umschrieb. Und auch die beiden Steine, die er nach dem Ausstieg in Rödelheim nach dem Italiener warf, trugen gewiss nicht zur Deeskalation bei. So kam es an einer Unterführung schließlich zur Messerattacke, die der Täter nach dem vierten Stich in den Rücken von sich aus beendete.

Deshalb war auch für die Staatsanwaltschaft der ursprüngliche Vorwurf des versuchten Totschlags nicht mehr haltbar. Die Schwurgerichtskammer setzte sogar noch einen drauf und ging von einem minderschweren Fall aus. Die massiven Provokationen des Opfers waren dafür ausschlaggebend. Der Mann hätte in Rödelheim noch nicht einmal aussteigen müssen.

Keine Notwehr

Von einer Notwehrsituation aber, so wie sie die Verteidiger gesehen hatten, ging das Gericht allerdings nicht aus. Der Angeklagte habe sich bereits in der Bahn mit dem Messer bewaffnet, als die Vorgänge in Rödelheim noch gar nicht absehbar gewesen seien. Der junge Mann wurde nach der Urteilsverkündung auf freien Fuß gesetzt und darf nun nach neun Monaten in deutscher Untersuchungshaft heim nach Neapel zur Familie. Dort wird er den Rest der Strafe verbüßen können. Zum Thema Moral gab ihm der Richter noch mit, dass "auch in Italien Federico Fellini in seinen Filmen schon gezeigt hat, wie Sex im Cinquecento geht".

von Matthias Gebhart

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