Verkehr

Rote Ampeln sollen künstliche Staus erzeugen: Nachbargemeinden sauer

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Ein Stau bildet sich am Abend auf der Friedberger Landstraße.

Durch kürzere Grünphasen der Ampeln sollen Autofahrer davon abgehalten werden, nach Frankfurt zu fahren. Benachbarte Gemeinden sind davon nicht begeistert. Auch die Wirtschaft ist alarmiert.

Frankfurt - Ein Ring aus sogenannten Pförtnerampeln soll um Frankfurt herum für künstliche Staus sorgen. Das haben Landesregierung und Magistrat vereinbart. Ziel ist es, Autofahrer aus der Stadt fernzuhalten, um die Luftschadstoffwerte zu senken. Drohende Diesel-Fahrverbote sollen so verhindert werden.

Konkrete Pläne, welche Straßen betroffen sein werden, sind noch nicht bekannt. Der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sagte, darüber befinde man sich innerhalb der Römer-Koalition in Gesprächen. „In Frage kommen alle wichtigen Einfallstraßen aus dem Umland.“

Grünzeiten der Ampeln sollen um 30 Prozent verkürzt werden

Wie die rigide Ampelschaltung funktionieren soll, hat die Landesregierung im laufenden Gerichtsverfahren um das Frankfurter Fahrverbot bereits deutlich gemacht: „Durch entsprechende Signalprogramme können die Anlagen so gestaltet werden, dass in den vier Stunden der morgendlichen Verkehrsspitze (5.30 bis 9.30 Uhr) und in Lastrichtung stadteinwärts die Grünzeiten um 30 Prozent verkürzt werden“, heißt es in einem Anwaltsschreiben des Landes an den Verwaltungsgerichtshof Kassel. 

Autos, Lastwagen und Motorräder sollen morgens also deutlich länger an der roten Ampel warten. Innerhalb der Stadt soll der Verkehr dadurch besser fließen, die Autos würden sich vor den Pförtnerampeln stauen. Die Landesregierung hofft, dass genervte Pendler dann auf Bus und Bahn umsteigen oder sich zu Fahrgemeinschaften zusammentun.

IHKist alarmiert: Wie sollen Waren, Arbeitnehmer und Innenstadtbesucher an ihr Ziel kommen?

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt hält dies für illusorisch. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sei „heute schon an seinen Grenzen der Belastbarkeit“, teilte die IHK gestern mit. „Dazu fehlen Park-and-Ride-Parkplätze, die das Umsteigen vom Auto auf den ÖPNV für Pendler überhaupt erst möglich machen.“ Notwendig sei ein Gesamtverkehrskonzept für die Stadt. „Einzelmaßnahmen wie Pförtnerampeln lassen völlig offen, wie Waren und Arbeitnehmer, aber auch Innenstadtbesucher, auf die der Einzelhandel dringend angewiesen ist, an ihr Ziel kommen sollen.“ Ein Verkehrsmittel einzuschränken, ohne Ausweichmöglichkeiten zu bieten, belaste den Standort.

Auch in Nachbargemeinden wird die Idee kritisch beurteilt. „Aus Sicht der Stadt Bad Vilbel sind Pförtnerampeln keine konstruktive Lösung“, antwortete ein Rathaussprecher auf eine Anfrage unserer Zeitung. „Staus würden in die Nachbarkommunen, so auch nach Bad Vilbel, verlagert. Zudem würde der Schleichverkehr über Feldwege und Wohngebiete zunehmen, was sicher nicht im Interesse der Stadt sein kann.“ Letztlich überzeuge man Pendler mit einem guten Angebot und nicht mit Repressionen.

Nachbargemeinde fordert Mobilitätskonzept für Frankfurt

Die Bürgermeisterin von Liederbach, Eva Söllner, teilte mit: „Grundsätzlich halte ich Einzelmaßnahmen insofern für problematisch, als dabei oft lokale Auswirkungen und Problemstellungen vernachlässigt werden. Ich denke, wir brauchen für unsere Städte, nicht nur für Frankfurt, ein Mobilitätskonzept, das die ökologischen, aber auch die wirtschaftlichen Aspekte ausreichend berücksichtigt.“

Wird der Frankfurter Magistrat die Bedenken der Nachbargemeinden bei seinen Pförtnerampel-Planspielen berücksichtigen? Wie werden sie in die Planungen einbezogen? Verkehrsdezernent Oesterling sagte dazu nur: „Zunächst ist die Stadt Frankfurt aufgefordert, konkrete Vorschläge zu machen.“

Von Daniel Gräber

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