Verzweifelte Studenten

Mietwahnsinn in Frankfurt: Wucherpreise für WG-Zimmer

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Schwierige Zimmersuche: In Frankfurt werden die Studentenbuden knapp und daher teuer. Studentenvertreter fordern deshalb mehr Bafög.

Die Situation für Studenten, die in Frankfurt und Region ein Zimmer in einem Wohnheim oder einer Wohngemeinschaft suchen, spitzt sich immer mehr zu. 

Frankfurt - Zum beginnenden Sommersemester haben die Mieten für unmöblierte WG-Zimmer in Frankfurt einen neuen Rekordwert erreicht. Das berichtet fnp.de*. Nach Zahlen des Instituts Empirica werden diese inzwischen im Schnitt für 500 Euro Monatsmiete angeboten. Das sind zwölf Euro mehr als zu Beginn des Wintersemesters. Nur München ist mit im Schnitt 610 Euro noch teurer. Kleine Wohnungen bis 40 Quadratmeter werden nach Zahlen des Immobilienportals Immowelt im Schnitt für Monatsmieten von 530 Euro inseriert. Das Mietniveau stieg in nur einem Jahr um 13 Prozent an.

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Nach einem Gesetzentwurf der Bundesregierung soll die Wohnpauschale für Bafög-Bezieher von bisher 250 Euro im Monat auf 325 Euro steigen. Die Asta-Vorsitzende der Frankfurter Goethe-Universität, Kyra Beninga, nennt das zwar einen Fortschritt. Angesichts der ungleich höheren Durchschnittsmieten für WG-Zimmer sei der Anstieg aber viel zu niedrig. Sie fordert einen allgemein höheren Satz für die Wohnpauschale als vorgeschlagen sowie Zuschläge für Hochschulstädte mit besonders hohen Lebenshaltungskosten. Schließlich seien diese etwa in Frankfurt viel höher als in Ostdeutschland. WG-Zimmer in Halle sind nach Empirica-Zahlen für 253 Euro im Monat, in Magdeburg für 258 Euro zu haben. In Frankfurt müsse die Wohnpauschale eigentlich doppelt so hoch wie bisher sein, fordert Beninga. Sie müsse sich an den Durchschnittsmieten für WG-Zimmer orientieren.

Studenten in Frankfurt sparen schon am Essen

Auch dem Deutschen Studentenwerk (DSW) geht die Bafög-Novelle nicht weit genug. Die Miete, aber auch die Fahrkosten und die Kosten für Gesundheit seien in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass Studenten versuchten, bei der Ernährung, ihrer Kleidung und bei den Lernmitteln zu sparen, heißt es in einer Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie im Auftrag des Studentenwerks.

DWS-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde hält daher den geplanten stufenweisen Anstieg des Bafög-Grundbedarfssatzes von nun 399 auf 427 Euro im Jahr 2020 für zu gering. Der Satz müsse stattdessen auf 500 bis 550 Euro steigen, fordert er.

Der Asta der Goethe-Uni fordert angesichts der prekären Situation für Studenten auf dem Wohnungsmarkt nicht zuletzt eine massive Erhöhung der Zuschüsse für den Bau von Studentenwohnheimen. Auch das Studentenwerk Frankfurt will deutlich mehr Geld. Nötig seien Zuschüsse für mindestens 2600 neue Wohnheimplätze, heißt es.

Die Frankfurter Römer-Koalition will nun mit einem großen Bauprogramm versuchen, die angespannte Situation zu entschärfen. Ziel ist es, wenigstens zehn Prozent der Studenten in Frankfurt mit günstigen Unterkünften zu versorgen. Das dürfte auch angesichts der Knappheit an Grundstücken aber viele Jahre dauern.

Frankfurt - Pendeln statt Stadtwohnung

Zunächst bleibt die Situation für Studenten, die kein oder nur wenig Geld von ihren Eltern erhalten, prekär. Viele müssten immer mehr arbeiten, um sich das Studium leisten zu können, versäumten dadurch aber Vorlesungen und Seminare, sagt Beninga. Andere könnten sich keine Wohnung mehr in Frankfurt oder Stadtnähe leisten – und pendelten dann von weiter her zur Uni.

Von Christoph Manus

In Frankfurt hat die Polizei einen Betrüger festgenommen. Dieser hatte den Mangel an Wohnungen schamlos ausgenutzt.

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