Ideen für die eigene Zukunft

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Sie haben eine Perspektive fürs Leben gewonnen: Rahamatou und Tamimao Adam mit Sohn Farid und den Zwillingen Gahida und Yacine

Frankfurt - Eigentlich ist Farid eher der stille Typ. Doch wenn er von Almut erzählt, ist er begeistert: „Sie ist die beste Hilfe, die ich je hatte!“ Sie hat eine Patenschaft für den Elfjährigen übernommen und gibt ihm Nachhilfe in verschiedenen Fächern. Von Petra Wettlaufer-Pohl 

Bezahlen müssen Farids Eltern das nicht, denn der Junge ist Diesterweg-Stipendiat. Dahinter verbirgt sich ein Angebot der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt, das seinesgleichen sucht. Es unterstützt Kinder, die erkennbar leistungsfähig sind, deren Familien das Potenzial der Kinder aber nicht ausreichend fördern können.

Oft sind es Migrantenfamilien. Die ehrenamtlichen Patenschaften gehören dazu, im Mittelpunkt stehen aber die regelmäßigen Akademietage, Exkursionen, Elterntreffs und Ferienkurse für die ganze Familie. Projektleiterin Gisela von Auer, selbst Grundschullehrerin, bittet die Schulen, der Stiftung Kinder vorzuschlagen, die dann mit der Familie zum Bewerbungsgespräch kommen.

Farids Eltern, Tamimou und Rahamatou Adam aus Togo, die in Deutschland im Asyl leben, wissen das Stipendium zu schätzen. „Wir treffen andere Eltern und haben viel mehr Kontakte als früher“, so der Vater, „auch unser Deutsch hat sich verbessert.“ Die Mutter hat vor allem ihren Sohn im Blick: „Er war sehr still, jetzt ist er offen und hat eigene Ideen für seine Zukunft.“ Farid will Polizist werden.

Auch die Eltern ins Boot holen

Gisela von Auer    

Das Stipendium läuft zwei Jahre, in der vierten und der fünften Klasse. In dieser Zeit bekommen die Familien auch finanzielle Unterstützung, um Lernmaterial oder – wie in Farids Fall – einen Schreibtisch und ein Bücherregal zu kaufen. Auch ein Laptop wird bezahlt. Wie die Familien der anderen 30 Stipendiaten der nunmehr dritten Generation, lernen sie bei den Akademietagen in Workshops Orte kennen, die sie sonst wohl nicht besuchen würden: Museen, Bibliotheken, Theater, die Kinderuni und vieles mehr. Es wird aber auch erwartet, dass die Familien daran teilnehmen. Zhimin (15) und Rachel (16), deren Eltern aus China beziehungsweise Eritrea stammen, gehören zur ersten Stipendiaten-Generation. Zhimin besucht ein altsprachliches Gymnasium und möchte Psychologie studieren, Rachel strebt den Realschulabschluss an einer Gesamtschule an. Sie gehören zum Langzeit-Programm, denn die Stiftung begleitet die Kinder nach dem Stipendium weiter.

Das Konzept ist auch von Stiftungen in Hannover, Hamburg und Darmstadt übernommen worden. Von Auer: „Man kann Kinder sprachlich fördern soviel man will, für den Bildungserfolg muss man auch die Eltern ins Boot holen.“

Quelle: op-online.de

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