Unternehmen klagt über Energiewende

Infraserv Höchst baut Jobs ab

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Industriepark Höchst

Frankfurt - Nachdem die Geschäfte beim Betreiber des Industrieparks Höchst in Frankfurt erneut nicht so gut gelaufen sind, setzt Infraserv sein angekündigtes Sparprogramm um. Von Marc Kuhn 

Von einem „durchaus verhaltenen Jahr“ berichtete Jürgen Vormann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Infraserv Höchst. Deshalb sei das Unternehmen gezwungen, „entsprechende Weichenstellungen vorzunehmen“.

Nach früheren Angaben will Infraserv mit dem Projekt „Perspektive 2015“ in den nächsten drei Jahren insgesamt 75 Millionen Euro einsparen. Ursprünglich sollten 450 der rund 2 700 Arbeitsplätze abgebaut werden. Jetzt sei geplant, etwa 300 Stellen zu streichen, erklärte Vormann. Bereits in diesem Jahr seien durch natürliche Fluktuation 74 Arbeitsplätze weggefallen. Mit den Vertretern der Arbeitnehmer befinde man sich in der Endphase der Gespräche über einen „Interessens- und Nachteilsausgleich“. Im Januar erwartet Vormann ein Ergebnis. Ein großer Teil des Einsparpotenzials könne bei den Sachkosten erzielt werden, berichtete Infraserv-Geschäftsführer Roland Mohr.

Die Infraserv-Höchst-Gruppe, die in diesem Jahr das 150-jährige Bestehen des Standorts feierte, bietet den rund 90 Unternehmen im Industriepark Dienstleistungen in den Bereichen Energie, Entsorgung und Logistik an. Das Unternehmen kämpft mit den Auswirkungen der Energiewende. Vormann klagte über deutliche Rückgänge beim Energiehandel und regulatorische Maßnahmen. Mit Blick auf den zwischen Union und SPD ausgehandelten Koalitionsvertrag sprach er von Investitionshemmnissen, eingeschränkter Flexibilität bei der Leiharbeit und steigenden Kosten wegen der Rentenpolitik. Bereits jetzt würden Chemiefirmen im Ausland und nicht in Deutschland investieren. „Eine weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen für industrielle Aktivitäten wird auch für die Chemie- und Pharmabranche gravierende Folgen haben“, sagte Mohr. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit müsse erhalten werden.

Der Umsatz in der Infraserv-Höchst-Gruppe sei 2013 um zehn Prozent auf gut eine Milliarde Euro gefallen, berichtete Vormann. Allein in der Infraserv Höchst KG seien die Erlöse um mehr als 13 Prozent auf fast 839 Millionen Euro gesunken. Bei Infraserv Logistics reduzierten sich die Umsätze um mehr als drei Prozent auf 71,6 Millionen Euro. Bei der Aus- und Weiterbildungstochter Provadis stiegen die Erlöse dagegen um über neun Prozent auf 45,5 Millionen Euro. Thermal Conversion Compound, Betreiber der Ersatzbrennstoffanlage, fuhr die Umsätze um fast 150 Prozent auf mehr als 22 Millionen Euro hoch. „Die Baumaßnahmen zur Optimierung der Anlage laufen planmäßig, in diesem Jahr konnten wir 350 000 Tonnen Ersatzbrennstoffe verwerten“, erklärte Mohr.

Quelle: op-online.de

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