Vom Folk inspiriert

Jördis Tielsch debütiert mit CD „Kleine Stadt, großes Kino“

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Jördis Tielsch in Aktion. Jördis heißt übersetzt „Göttin des Schwertes“.

Frankfurt - Eine junge Hessin macht sich auf, die Popmusik aufzumischen. Die 20-jährige Jördis Tielsch möchte vor allem eins: Nicht im Mainstream landen. Von Detlef Kinsler

Als sich 2003 die zwei gestandenen Plattenfirmenmanager Heinz Canibol und Roman Rybnikar selbstständig machten, um mit ihrem eigenen Label 105music erwachsene, deutschsprachige Popmusik zu produzieren, mussten sie sich von ihren Vertriebspartnern frotzeln lassen: Was wollt ihr denn mit euren Kleinkunstkünstlern? Schon ein Jahr später kletterte das Debüt ihrer ersten, bis dahin völlig unbekannten Musikerin Annett Louisan bis auf Platz 4 der Albumcharts, erreichte nach nur neun Monaten Platinstatus. Rekord. Da verstummten schnell die Skeptiker.

Mit Ina Müller, Stefan Gwildis und Anna Depenbusch im Katalog blieb man sich konzeptionell treu und erfolgreich. Nach elf Jahren setzte sich das Duo Canibol/Rybnikar im vergangenen Jahr zur Ruhe und verkaufte seine Anteile an das Majorlabel Sony Music. Da erschien nun das jüngste 105music-Signing, Jördis Tielsch. Im Info zu ihrer CD „Kleine Stadt, großes Kino“ steht schon in der ersten Zeile etwas von einem Wagnis im Zusammenhang mit der Veröffentlichung. Ja gehört denn heute schon Mut dazu, wenn man mal versucht die Phalanx der ewig gleichen Soul-Pop-Langweiler mit Rap-Appeal zu durchbrechen? Scheinbar. Welch ein Armutszeugnis.

Jördis Tielsch ist anders. Die gebürtige Wetzlarerin hat ein Einser-Abitur gemacht und Geige gelernt. Klingt nach höherer Tochter, aber die 20-Jährige ist bodenständig, unbefangen, ungeziert. Ihren ländlichen Lebensmittelpunkt Sinn im Lahn-Dill-Kreis tauscht sie nun wegen des Studiums gegen Köln aus. Verständlich: in ihrem Alter lockt das Abenteuer, die weite Welt, das große Kino. Die kleine Stadt bleibt der Rückzugswinkel, die familiäre Geborgenheit dort unverzichtbarer Rückhalt. Um beides (und mehr) geht es in ihren Texten. Die singt sie mit klarer, leicht angerauter Stimme, zu Kompositionen, die - ungewöhnlich für hiesige Popmusik - mit vielen Folk- und Countrymotiven überraschen. Die liegen hier nicht in der Luft.

„Man muss schon im Ausland inspirieren lassen“, bestätigt Tielsch. „Folk ist auch Musik, die ich in meiner Freizeit gerne höre. Ich bin ein großer Fan der irischen Corrs, mag aber auch Bluegrass von Alison Krauss.“ Das Natürliche, Authentische daran gefällt ihr. Anregung und Ansporn zugleich für die Künstlerin auf der Suche nach einem eigenen facettenreichen Stil. „Ich wollte nie an einer Castingshow teilnehmen, möchte immer individuell bleiben und mich nicht in eine Schublade stecken lassen“, bezieht Jördis Tielsch klar Position. „Mir ist wichtig, dass ich so sein kann wie ich bin, mich nicht verstellen muss und die Musik mache, die ich möchte ohne an Mainstream denken zu müssen.“ Obwohl sie mit dem Profi-Songwriter- und Produktionsteam Frank Ramond und Jörn Heilbut arbeitete, war sie immer am kreativen Prozess beteiligt. „Ich möchte auch keinen Text singen, mit dem ich mich nicht identifizieren kann“, betont sie.

Dass ihr „Sehnsucht nach Leben“, dass sie allein mit ihrem Gitarristen Peter Schneider geschrieben hat und das unplugged beim Mediendinner im Landhaus Alte Scheune in Nieder-Erlenbach bei Frankfurt besonders gut ankommt, ermuntert sie auf ihrem gerade erst begonnenen Weg mit noch offenem Ziel. Wenn durch ihr Studium noch ein wenig Jazz ins Spiel kommt, ihr Keyboarder dazu noch Elektronik anbietet, könnte man sie - da ihr Vorname ohnehin schon isländisch ist - adeln und dann Jördis Tielschdottir nennen - frei nach Björk.

Quelle: op-online.de

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