Philharmoniker in Alter Oper

Schicksals-Klänge in gemächlichem Fluss

Frankfurt - Wer sich auf das Kernrepertoire verlässt, lädt zu Vergleichen ein: Zum Beispiel die Star-Geigerin Julia Fischer und die St. Petersburger Philharmoniker. Von Axel Zibulski 

Beim jüngsten Pro-Arte-Konzert in der Alten Oper Frankfurt führten sie mit dem Violinkonzert D-Dur op. 77 von Johannes Brahms genau das selbe Werk auf, das wenige Wochen zuvor die Wiener Philharmoniker interpretiert hatten: fiebrig, packend, spannend wie auf Messers Schneide. Und mit dem Bad Homburger Christian Tetzlaff als kongenialem Solisten. Bei Julia Fischer, die mit der Region durch ihre Professur an der Frankfurter Musikhochschule bis 2011 ebenfalls eng verbunden war, klang das jetzt alles weit konventioneller, beschaulicher auch. Das lag nicht zuletzt an den Gästen aus St. Petersburg, die seit 27 Jahren von Yuri Temirkanov geleitet werden: So lähmend, gedrosselt und betulich, wie er bereits die Orchestereinleitung auslegte, hatte Julia Fischer keinen leichten Stand, zumal die Begleitung häufig breit, pauschal und reichlich pastos ausfiel.

Fischers Bravour fand viel Zustimmung

Dass die 31-jährige Münchnerin selbst eher eine klare, reine, kontrollierte Spielhaltung bevorzugte, bedeutete daher weniger einen belebenden, reizvollen Widerspruch als vielmehr ein störungsfreies Einfügen in den Orchesterpart des von Brahms so sinfonisch ausgelegten Konzerts: Fischers vor allem technische Bravour fand dabei am Ende des dreiviertelstündigen Werks viel Zustimmung; für den starken Applaus bedankte sich die Solistin mit einer vorzüglich virtuos intonierten Violin-Caprice von Niccolò Paganini (Nr. 24 a-Moll). Hart an der Grenze zum altmodischen Pathos leitete der St. Petersburger Langzeit-Chef Temirkanov im zweiten Programmteil Peter Tschaikowskys vierte Sinfonie f-Moll op. 36: Den schweren Schicksals-Tobak der schneidend-dramatischen Eröffnungs-Fanfare nahm er dabei mit nahezu lethargischen Tempi, unter den Holzbläser-Soli im langsamen zweiten Satz war kaum je ein melodisches Thema wirklich ergreifend durchgestaltet.

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Alles floss gemächlich, sogar in den eigentlich so spritzig zu zupfende Passagen des Scherzos. Laut, wuchtig und wohl auch wegen Termirkanovs völlig unscharfer Zeichengebung in den Einsätzen fehlerhaft blieb das Finale. Die Zugaben brachten Melos (mit Edward Elgars „Salut d’amour“) und noch ein wenig tänzerischen Drive (mit Tschaikowskys „Russischem Tanz“ aus dem Ballett „Der Nussknacker“).

Quelle: op-online.de

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