John Baldessari hat eine Werkserie erarbeitet

Städel: Erstaunlicher Blick für Details

Frankfurt Allein schon die Vorstellung macht Angst: Lucas Cranachs „Venus“ von 1532 taucht in einem Auktionskatalog auf. Und ein anderes wichtiges Werk aus der Sammlung des Frankfurter Städel Museums ist auf einer Kunstmesse zu erwerben. Von Eugen El

Glücklicherweise sind diese Szenarien fiktiv. Anlässlich des 200. Museumsjubiläums hat der 1931 geborene, amerikanische Konzeptkünstler John Baldessari eine neue Werkserie erarbeitet, die sich auf die Städel-Sammlung bezieht. Baldessari wählte aus der Sammlung 16 Gemälde diverser Epochen aus, die teils im Museum zu sehen sind, teils im Depot schlummern. Die Reproduktionen der Gemälde verfremdete Baldessari, indem er sie vergrößerte, Ausschnitte wählte und sie stellenweise übermalte. Zu den so entstandenen Motiven stellte Baldessari kurze Texte, die sich an Hollywood-Drehbücher anlehnen. Bild und Text ergeben jeweils ein Diptychon. Schon oft hat Baldessari in seinen Werken Fotografie und Malerei zusammengebracht, ebenso Bild und Sprache.

Es sind einige Entdeckungen zu machen in dieser kompakten Ausstellung. Auch als geübter Städel-Besucher dürfte man Baldessaris Bildausschnitte nicht immer auf Anhieb Werken aus der Museumssammlung zuordnen können. Das darf man als Einladung verstehen, genauer hinzusehen, noch einmal die Sammlung abzuschreiten. John Baldessaris Blick für Details ist erstaunlich, ebenso wie seine Fähigkeit, kurze, präzise Geschichten zu entwickeln. Die Gemälde aus der Städel-Sammlung werden darin zu eigenständigen Akteuren. Mal tauchen sie im Hintergrund auf, mal spielen sie die Hauptrolle.

In ihrer verfremdeten Form wandern die Gemälde in die Welt hinaus. Es ist eine Welt von Geld und Macht. Man findet die Bilder auf Flohmärkten, in Galerien und auf großen Messen. Baldessari thematisiert so einen überdrehten Kunstmarkt. Ironischerweise sind seine in Frankfurt gezeigten Werke auch ein Teil davon. Das Städel Museum möchte eine Arbeit aus Baldessaris Serie für die Sammlung erwerben, so Direktor Max Hollein.

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So sehen wir etwa ein Detail aus dem 1410/20 entstandenen Gemälde „Das Paradiesgärtlein“ eines Oberrheinischen Meisters. John Baldessari erzählt dazu die Geschichte von Marge und Bill, die das Gemälde kaufen wollen. Der zufällige Fund eines Koffers voller Geld bestärkt sie in ihrer Absicht. Gewiss, es ist ein Spiel, das Baldessari mit dem Ausstellungsbesucher treibt. Dennoch lohnt sich ein Gang zu den Alten Meistern. Nur um nachzusehen, ob „Das Paradiesgärtlein“ wirklich noch dort hängt.

Die Ausstellung „John Baldessari. The Städel Paintings“ ist bis 24. Januar 2016 im Städel Museum Frankfurt, Schaumainkai 63, zu sehen. Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So, 10 bis 18 Uhr, Do, Fr 10 bis 21 Uhr

Quelle: op-online.de

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