Michael Mendl in Lachenmanns „Mädchen mit den Schwefelhölzern“

Musik mit Bildern und ein Handelnder

Frankfurt - Er war in mehr als 200 Kino- und Fernsehfilmen zu sehen und kennt das deutschsprachige Theater wie seine Westentasche. Nun hat auch die Oper den Charakterdarsteller Michael Mendl entdeckt. Von Klaus Ackermann 

Michael Mendl ist als Film-, TV- und Theatermime bekannt. Nun ist er an der Frankfurter Oper zu erleben. In Helmut Lachenmanns neuem Musikwerk gibt er einen Schauspieler.

In der Frankfurter Erstaufführung von Helmut Lachenmanns „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ gibt er einen Schauspieler. Benedikt von Peter hat das aufwändige Werk an der Frankfurter Oper inszeniert, musikalisch leiten wird der ehemalige Frankfurter Kapellmeister Erik Nielsen. Premiere ist an diesem Freitag um 19.30 Uhr. „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“, von denen es eines nach dem anderen entzündet, um sich zu wärmen, aber dennoch an menschlicher Kälte erfriert, basiert zwar auf dem Andersen-Märchen, erzählt allerdings keine lineare Geschichte. Lachenmann verknüpft das Schicksal der Titelheldin mit dem der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin, aus deren Texten er zitiert. „Obwohl in einem Pfarrhaus aufgewachsen, ist sie ein unbehütetes Mädchen, das mit dem Feuer spielt“, sagt Michael Mendl, auf den Frankfurter Kaufhausbrand anspielend.

Mendl ist der einzig handelnde Mensch in dieser „Musik mit Bildern“ (Lachenmann) und 145 Minuten auf der Bühne, um sich um ein schutzbedürftiges kleines Tier zu kümmern. Mehr will er nicht verraten über seine Figur, die Regisseur Von Peter eigens in diesem assoziationsreichen Stück entwickelt hat. Hochachtung hat der Schauspieler, der bereits bei der Uraufführung von Rolf Riehms „Sirenen“ in Frankfurt als Odysseus einen starken Eindruck hinterließ, vor Lachenmanns Musik. Die ist dem Opernhaus- und Museumsorchester sowie Chor und Solisten anvertraut, die auf verschiedenen Ebenen agieren. 30 Jahre hat der Komponist an der Oper gearbeitet und dabei Naturlaute bis hin zum Geräusch in kunstvollen Klang verwoben. Wenn das Mädchen beim Überqueren der Straße einem Auto ausweiche, scheint man den aufheulenden Motor zu hören, sinniert Mendl. Gemütszustände und die Kälte einer gnadenlosen Welt seien klanglich unmittelbar.

Mendl, der den Willy Brandt im ARD-Zweiteiler gegeben, -zig Kinofilme gedreht und den „Dr. Faustus“ von Thomas Mann miteingesprochen hat, fällt es schwer, das eine Bühnengenre gegen das andere auszuspielen. Ziel seiner Arbeit ist es, jemand anderes zu sein, dabei sei das einzige Handwerkszeug „wir selber“. Er habe in Film und Fernsehen viele dunkle Gestalten, ja sogar Verbrecher, authentisch dargestellt, müsse aber nun einmal privat gar nicht so sein. Und er habe schon Rollen abgelehnt, weil die Figur nur böse war, ohne Chance, einmal ein guter Mensch gewesen zu sein.

Theateraufführung „Barfuß im Park“

Nach 20-jähriger Theaterabstinenz hat Mendl in Wien erstmals wieder in Thomas Bernhards „Vor dem Ruhestand“ auf den Brettern gestanden. „Bühne tut gut“, sagt der Mime, der gern noch einmal Shakespeares „König Lear“ verkörpern würde und die Theaterlandschaft bestens kennt. Zwar gebe es weiterhin die Regiepotentaten, doch sei das Polit- und Kopftheater opulenter geworden, setze mehr auf Phantasie. „Jede Inszenierung ist eine Behauptung“, sagt der Darsteller. Die kann man akzeptieren oder auch nicht.

Richtig sauer wird Mendl, wenn man ihn auf die blut- und substanzleeren Fernsehproduktionen der öffentlich-rechtlichen Sender anspricht. Bei so vielen fehlerhaften Bildern des Lebens sei es kein Wunder, dass die Jugend dem Fernsehen den Rücken kehre, schimpft er. Dass er in der Öffentlichkeit nach wie vor erkannt wird, „das tut gut“, sagt Mendl. Erst kürzlich sei er in einem Frankfurter Supermarkt angesprochen worden. „Tatort“ oder „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“? lautete die Frage

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Frank Wartenberg

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