Altenheimbewohnerin in Klinik eingeliefert

In den Wunden nisteten die Maden

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Frankfurt - Die Mainmetropole ist geschockt von einem Fall, der auf katastrophale Missstände in einem Altenhilfezentrum hinzuweisen scheint. Eine 82-Jährige wurde mit von Maden verseuchten Wunden in die Uni-Klinik eingewiesen. Die Sachlage ist unklar. Von Michael Eschenauer 

Fakt ist nach Angaben von Polizeisprecher André Sturmeit Folgendes: Am vergangenen Freitag wird die Polizei gegen 18 Uhr in das Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum im Gallusviertel gerufen. Dort soll eine Bewohnerin wegen schwerer Gesundheitsprobleme zwangsweise in die Uni-Klinik eingewiesen werden, weil sie die Behandlung verweigert. Ein Arzt hat offene Wunden an Füßen und Beinen festgestellt. Im Fleisch haben sich bereits Maden eingenistet. Die Polizei handelt: Es folgt eine Zwangseinweisung wegen akuter Lebensgefahr.

Was allerdings noch folgt, ist eine Anzeige gegen das Heim wegen des Verdachts auf Missbrauch Schutzbefohlener durch Unterlassen und Körperverletzung. Sturmeit gestern: „Dafür können Sie bis zu zehn Jahren kriegen.“ Die Kranke sei offensichtlich eine schwierige Heimbewohnerin gewesen, die jede Hilfe abgelehnt habe. Auch ihr Zimmer soll in einem verheerenden hygienischen Zustand gewesen sein. Die Kripo ermittelt. Angeblich droht Eva H. jetzt die Amputation ihrer Beine. Nach Sturmeits Erfahrung sind derartige Fälle allerdings eher selten in Frankfurt.

Keine rechtliche Handhabe

Betrieben wird das Heim von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und der Johanna-Kirchner-Stiftung (JKS). Doris Mauczok, stellvertretende Geschäftsführerin der JKS, wies gestern Versäumnisse zurück. H. habe seit Beginn ihres Heimaufenthalts 2010 jede pflegerische Leistung abgelehnt, ihr Zimmer habe niemand betreten dürfen. Man habe bereits früher angeregt, eine Betreuungsperson einzusetzen. Das Amtsgericht sei aber der Auffassung, die alte Frau sei geistig in der Lage, ihre Angelegenheiten zu ordnen. Die Seniorin sei mobil, habe aber schon länger unter den Beinwunden gelitten. Ende 2013 habe man Heimaufsicht und Gesundheitsamt über die Gefahr informiert.

Doch auch hier habe man angesichts des vollen Selbstbestimmungsrechts der Heimbewohnerin keine rechtliche Handhabe gesehen. Ende vergangener Woche habe sich die Situation zugespitzt, ein Arzt sei hinzugezogen worden. Selbst hier habe die Schwerkranke noch medizinische Behandlung verweigert. „Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Wir können die Leute nicht zwangsweise pflegen. Es gibt schließlich die Bürgerrechte“, sagte Mauczock. Man habe rechtmäßig gehandelt und die Behörden bereits früh eingeschaltet.

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Quelle: op-online.de

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