Trendsetter bei „Konversionen“

Ein bisschen Farbe reicht nicht

+
600 Millionen Euro an Investitionskapital sind in Bewegung 13 Stockwerke hat das neueste Umbauprojekt in der Bürostadt Niederrad. In der Lyoner Straße entstehen nach kompletter Entkernung 183 komplett möblierte Wohnungen.

Frankfurt - Es hat schon etwas Provokantes: Während Frankfurt um 15 000 bis 17 000 Menschen pro Jahr wächst und Tausende verzweifelt eine Wohnung suchen, steht in der gleichen Stadt Büroraum in einer Größenordnung zwischen 1,2 und 1,8 Millionen Quadratmeter leer.

Doch der Wind hat gedreht: Nachdem sich die seit 2006 bestehende Koalition aus CDU und Grünen unter SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann die Linderung der Wohnungsnot auf die Fahnen geschrieben hat, steigt die Umwandlungsquote. Dies scheint auch bitter nötig: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Baugenehmigungen um 22 Prozent gesunken.

Zahlen des Immobiliendienstleisters BNP Paribas Real Estate zufolge wurden im vergangenen Jahr in Frankfurt und Umgebung gewerblich genutzte Gebäude mit einer Fläche von gut 150.000 Quadratmetern zu Wohnraum umgebaut. Im Jahre 2011 waren lediglich 30.000 Quadratmeter umgewandelt worden. Zu den größten Projekten zählen „Konversionen“ in der Bürostadt Niederrad. Maximal ein Fünftel des Büroraumbestands hier gelten als konversionsfähig.

BNP Real Estate schätzt das Potenzial an umwandlungsfähigen Büros in ganz Frankfurt auf 100.000 Quadratmeter. Und da rede man nur von denen, die zurzeit leerstünden, heißt es.

370 Wohnungen neu entstanden

Lesen Sie dazu auch: Konversionsgebäude in Niederrad

Aus den Zahlen der Frankfurter Bauaufsicht geht hervor, dass im Jahre 2013 insgesamt 370 Wohnungen durch die Umwandlung von Gewerbe- in Wohnstandorte entstanden sind. Sie machen rund sieben Prozent der insgesamt 5 310 Baugenehmigungen aus. Nur in den Jahren 2008 und 2010 lag die Zahl der Umwandlungsgenehmigungen seit 2004 mit 527 und 590 höher. Trotzdem besteht weiter Handlungsbedarf: Der Bestand von derzeit 369.000 Wohnungen trifft auf insgesamt 394 000 Haushalte in Frankfurt.

„Die Umwandlung ist ein wichtiger Teil der Stadtplanung. Das Problem ist, dass die Stadt hier selbst nicht unmittelbar als Akteur auftreten kann, denn sie verfügt über keine entsprechenden Immobilien“, sagt Mark Gellert, Sprecher des Frankfurter Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Grüne). In Niederrad habe man die Rahmenbedingungen dadurch verbessert, dass das Planungsrecht nun eine Mischnutzung gestatte. Ansonsten seien ausschließlich die wirtschaftlichen Überlegungen potenzieller Investoren ausschlaggebend. „Es ist nicht damit getan, ein bisschen Farbe über ein altes Haus zu streichen“, so Gellert. Die Bereitschaft vieler Bürohausbesitzer, ihre alten Bürogebäude für eine Wohnnutzung umzubauen, sei infolge dessen nicht extrem hoch in Frankfurt. Häufig sei dies einfach zu aufwändig.

Umwandlungen seien trotzdem allenthalben zu besichtigen: auf dem ehemaligen Degussa-Areal, am Henningerturm, beim Bau der „neuen“ Altstadt, im Europaviertel und im früheren Westhafen.

Bernd Lorenz, Chef des Frankfurter Beratungsunternehmens ImmoConcept, ist mit dem Engagement der Stadt Frankfurt trotzdem nicht zufrieden: „Es wäre wichtig, eine seriöse Bestandsaufnahme dessen zu machen, was an Büroimmobilien umgewandelt werden könnte. Denkbar ist auch ein Pool der leerstehenden Objekte. Außerdem sollte die Stadt im Rahmen eines speziellen Programms Eigentümer beraten und bei einer etwaigen Umwandlung begleiten, um ihnen die Ängste davor zu nehmen.“ Lorenz weist darauf hin, dass eine nicht geringe Zahl von Gewerbeimmobilien in Frankfurt leer steht - und zwar grundlos. Hier sollte nach seiner Einschätzung die Stadt ebenfalls tätig werden. Der Immobilienexperte schätzt, dass bei einer konsequenten Forcierung der Umwandlung seitens der Kommune Raum für 4 000 neue Wohnungen geschaffen werden könnte. Derzeit entstehen pro Jahr 3000 bis 4000 neue Wohnungen in der Mainmetropole.

Auf dem Weg zu einer lebendigen Bürostadt

Vor diesem Hintergrund wird in Niederrad eifrig geplant und gebaut. „Wir sind auf dem Weg zu einer lebendigen Bürostadt, in der die Menschen wohnen und einkaufen können“, sagt David Roitman, Vorsitzender der Standort-Initiative Neues Niederrad (SINN) und Geschäftsführer der Access Tower Grundbesitz GmbH. Bis 2017 entstehen nach seiner Darstellung 3 000 neue Wohnungen für 6000 Menschen in Niederrad - allerdings nicht nur durch Umwandlung.

Auch aktuelle Zahlen des Immobiliendienstleisters „CBRE“ belegen den positiven Trend. So ist die Leerstandsquote bei Büros in Niederrad seit 2009 um 11,7 Prozentpunkte gefallen und liegt mit 14,8 Prozent oder 120.000 Quadratmetern nur unwesentlich über der von Frankfurt (12,5 Prozent).

SINN-Sprecher Detlef Hans Franke bestätigt dies: „Niederrad ist im Umbruch zu einem gemischten Quartier. Das ist zeitgemäß. Die Menschen wollen kurze Wege, denn die Anfahrt zur Arbeit wird trotz derzeit sinkender Benzinpreise langfristig immer teurer werden.“ Derzeit sei beim Kauf von Gebäuden beziehungsweise bei deren Umwandlung allein in der Bürostadt eine Gesamtsumme von 500 bis 600 Millionen Euro in Bewegung.

Dazu gibt es auch einen Kommentar.

mic

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Quelle: op-online.de

Kommentare