Ein parteiischer Vergleich: Feiert es sich besser in Frankfurt oder Berlin?

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Ausgelassen feiern wie diese Partygänger kann man in beiden Städten, aber in welcher beser?

Wenn Ata Macias, Betreiber des hippen Offenbacher Clubs Robert Johnson, über Berlin spricht, klingt das ein bisschen wie eine Abrechnung. Als wäre da jemand fertig mit diesem Ungetüm von Stadt. Von Markus Wölfelschneider

Berlin

Das erste Mal besuchte Ata die Spreemetropole als 1991 der legendäre Techno-Club Tresor eröffnet wurde. Regelmäßig kam er zur Loveparade wieder. Bis im vergangenen Jahr war Ata Resident-DJ in der Panoramabar des Berghain - laut dem Fachblatt DJ Mag zurzeit der beste Club der Welt. Laut Ata ein „faszinierendes Monster von einem Club, das Endzeitstimmung verbreitet. Ein Ort, so groß, dass man manchmal stundenlang nach seinen Freunden suchen muss.“ Hier legte Ata vor Berliner Publikum auf. Berliner Publikum? „Bei gefühlten siebzig Prozent der Menschen, die in Berliner Clubs tanzen, handelt es sich um Touristen“, seufzt Ata. Im Gegensatz zu Frankfurt gibt es dort inzwischen keine eingeschworene Partyszene mehr, glaubt er. Stattdessen sind viel zu viele DJs in der vermeintlichen Goldgräberstadt gestrandet, die nun auf Pump leben, weil ihnen das Geld ausgeht. „Immer wenn ich in Berlin auflege, hagelt es Gästelistenanfragen, weil die Leute keine Kohle haben“. Dennoch leistet man sich hier krasseres Feierverhalten als in Frankfurt: „Die Party-Endlosschleife, die in Berlin üblicherweise stattfindet, können einige nur mit Drogen ertragen. Wer freitags in die Disko steigt, um erst am Sonntagabend wieder herauszupurzeln, kann mir nicht erzählen, er schafft das nur mit Volvic und Keksen“, sagt Ata - und betont zum Schluss diplomatisch, dass er Berlin auf seine Weise trotzdem sehr mag.

Nicht nur kulinarisches Bekenntnis zu Frankfurt

Frankfurt am Main

Markus Göllner, Indiepop-DJ der Partyreihe Karrera Klub im o25, hält sich da lieber an Tafelspitz und Grüne Soße, über der er im Sachsenhäuser Feuerrädchen sitzt. Er bekennt sich nich nur kulinarisch zur Mainmetropole. „Ich bin Lokalpatriot“, sagt Göllner am rustikalen Esstisch. Ein höchst weltoffener allerdings, mit gutem Draht in die deutsche Hauptstadt. Dort wohnt nicht nur seine Tante, dort leben auch Christian, Tim und Spencer, jene drei DJs, die den Karrera Klub – eine Berliner Erfolgsgeschichte – einst nach Frankfurt brachten. Vor genau zehn Jahren war das. „Die Initialzündung kam zur richtigen Zeit“, erinnert sich Göllner, der damals Stammgast der Party war, sie später durch publikumsschwache Zeiten manövrierte und sie heute im Alleingang schmeißt. „Damals dominierte Techno in Frankfurt, Indie war noch im Aufbau“, so Göllner. Längst hat sich das geändert. Auch dank Göllner, zentrale Figur im Netzwerk. Einmal im Jahr organisiert er mit den Machern von Britpop Strikes again (Nachtleben) und Popscene (Clubkeller) die Schiffsparty Sonnendeck. „Ich glaube nicht, dass solch eine gemeinsame Bootspartie unterschiedlicher Clubs in Berlin funktionieren würde“, sagt er. „Dort macht jeder sein eigenes Ding.“

Frankfurt ist einfach toleranter

Sein eigenes Ding macht auch Hans Romanov. Die Legende der Frankfurter Subkultur (früher betrieb er das Maxims im Bahnhofsviertel und den Ostklub auf der Hanauer Landstraße, heute gehört ihm der Yachtklub, eine wunderbar abgerockte Sommerlocation am Main) zog vor 24 Jahren aus dem eingemauerten Berlin nach Frankfurt, da gab es hier gerade mal eine Hand voll angesagter Clubs wie das Cooky´s oder das Vogue - und ein kolossales Manko, dass jedem nachtleben-verwöhnten Berliner fremd war: die Sperrstunde. Romanov sagte ihr den Kampf an. Seine Waffe: Illegale Partys zum Beispiel in ausrangierten Teppichlagern, die erst zu Ende waren, wenn die Polizei auftauchte. Eine Rebellion, die Berlin nie nötig hatte. „Dort war ja ohnehin alles erlaubt“, sagt Romanov ohne Neid. Trotzdem geht es in der als lässig verschrieenen Hauptstadt oft genauso spießig zu wie anderswo, glaubt er. „In alternativen Vierteln wie Prenzlauer Berg kommt es durchaus vor, dass Menschen nicht in Clubs gelassen werden, weil sie szeneuntypisch einen Anzug tragen oder Ausländer sind. Frankfurt halte ich da für toleranter.“

Quelle: op-online.de

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