Semestergebühren steigen im Sommer

Teure Rückkehr an den Campus

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Langsam füllt sich der Campus Westend nach Weihnachten wieder. Die Gebührenerhöhung überrascht viele der Studenten.

Frankfurt/Offenbach - Im Sommer steigen die Semesterbeiträge an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung und an der Frankfurter Goethe-Universität. Von Lena Marie Jörger 

Letztere ist schon jetzt der teuerste Campus in Hessen – zum Leidewesen der Studenten, die am Montag aus der Weihnachtspause zurückkehren. Sie müssen ab dem Sommer immerhin 344,48 Euro pro Semester zahlen. Damit ist der Semesterbeitrag so hoch wie nie: Noch vor drei Jahren lag er bei 294,50 Euro, vor sechs Jahren bei 256,50 Euro – ein satter Anstieg um fast vierzig Prozent.

Grund für die Erhöhung ist zum einen das teurere Semesterticket. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund erhöht den Preis um 2,5 Prozent. Das sind laut RMV-Sprecherin Petra Eckweiler ungefähr sechs Euro. Zum anderen hebt das Studentenwerk seinen Beitrag von 70 auf 80 Euro an.

Wohnheime in Planung

Studiengebühren im Vergleich:

Die Goethe-Universität ist die teuerste Hochschule in Hessen. An der TU Darmstadt zahlen Studenten ab Sommer nur 255,45 Euro, an der Hochschule RheinMain mit Standorten in Wiesbaden und Rüsselsheim 273,84 Euro. Etwas teuerer – aber dennoch billiger als in Frankfurt – ist es für Gießener und Marburger Studenten. Sie müssen rund 284 Euro aufbringen. Die Tendenz ist deutlich: Die Beiträge steigen und sind damit nicht mehr allzu weit von den einstigen Studiengebühren entfernt, die die Landesregierung unter Roland Koch (CDU) im Wintersemester 2007/08 eingeführt hatte. Sie lagen für Erstsemester bei 500 Euro, wurden aber nur ein Jahr später nach heftigen Protesten der Studenten wieder abgeschafft. - ljö

„Der Semesterbeitrag wird als Solidarbeitrag verstanden, der allen Studierenden zugute kommt“, rechtfertigt Katrin Wenzel, Leiterin der PR- und Marketingabteilung des Studentenwerks, die Steigerung. „Die ist deshalb nötig, weil wir unsere Angebote deutlich erweitert, also beispielsweise neue Wohnheime und Mensen eröffnet und die Beratung ausgebaut haben.“ Außerdem seien neue Wohnheimprojekte geplant, die auch bezahlt werden müssten. Das Studentenwerk finanziere sich neben Semesterbeiträgen und anderen Einkünften durch Fördermittel des Landes Hessen. „Ich würde mir deutlich mehr Unterstützung vom Land wünschen, damit das nicht alles auf Kosten der Studenten geht“, sagt Wenzel.

Die Mitglieder des Allgemeinen Studierendenausschusses (AstA) sehen das ähnlich. Sie beobachten die erneute Beitragserhöhung mit Sorge. „Studierende werden von Jahr zu Jahr mehr zur Kasse gebeten. Mit 344 Euro haben wir einen negativen Höhepunkt erreicht“, sagt Giorgio Nasseh vom AstA-Vorstand. „Studenten in Frankfurt zahlen angesichts des mangelnden und teuren Wohnraums sowieso deutlich mehr als Studenten in anderen Städten Deutschlands.“ Deutlich günstiger ist es noch in Offenbach. An der Hochschule für Gestaltung (HfG) zahlen Studenten künftig 253,94 Euro. Auch dort steigen zwar die Beiträge für Studentenwerk und RMV, allerdings ist das Semesterticket dort generell günstiger als in Frankfurt. RMV-Sprecherin Eckweiler erklärt: „Frankfurt ist die einzige Stadt im Verbund, in der das Ticket teurer ist, weil dort das Verkehrsangebot auch deutlich besser ist.“

Dennoch: Auch an der HfG müssen die Studenten immer tiefer ins Portemonnaie greifen: Vor drei Jahren lag der Semesterbeitrag noch bei 201,20 Euro. Viele Studenten jobben daher regelmäßig, um Studium, Miete und Lebenshaltungskosten finanzieren zu können. Bei einigen steuern auch Eltern oder Großeltern etwas bei, andere erhalten BAföG.

„Die Studierenden werden zunehmend belastet“, bedauert Daniel Katzenmaier, der ebenfalls im AStA-Vorstand sitzt. Nasseh ergänzt: „Mit der ständigen Erhöhung der Gebühren muss jetzt Schluss sein.“ Beide sehen die neue schwarz-grüne Landesregierung in der Pflicht: „Wir fordern eine stärkere Finanzierung der Hochschulen, damit Studenten entlastet werden und mehr Geld für bessere Studienbedingungen und bezahlbaren Wohnraum da ist.“ Die geplanten Kürzungen von Schwarz-Grün im Hochschulbereich gingen in die „völlig falsche Richtung“. Katzenmaier warnt die Landesregierung: Wenn sich das Land weiter bei der Zuweisung von Geldmitteln zurückhalte, werde es wohl schon bald neue Studentenproteste geben.

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Quelle: op-online.de

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