Aber viel Lob für Frankfurter Innenstadt

Onlineeinkauf belastet Handel

Frankfurt - Die Konkurrenz zum Onlinehandel macht dem Einzelhandel schon seit geraumer Zeit zu schaffen. Eine Passantenbefragung in Frankfurt hat jetzt ergeben, dass der Innenstadt dadurch ein erhebliches Kundenpotential verlorengeht. Von Sonja Achenbach

Ob aus Zeitmangel oder reiner Bequemlichkeit – viele kaufen mittlerweile eher online ein, als mit Bus, Bahn, Pkw oder Fahrrad zu den Geschäften vor Ort zu fahren. Wohl einer der Gründe, warum der Einzelhandelsmarkt in Deutschland im Zeitraum von 2006 bis 2014 lediglich um ein Prozent gewachsen ist (2006: 432,7 Milliarden; 2014: 456,8 Milliarden Euro). Die Entwicklung in Frankfurt sieht ähnlich aus: 2011 lag hier der Umsatz des Einzelhandels bei 4,15 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr bei 4,21 Milliarden Euro – verbuchte also auch nur ein Wachstum von etwas mehr als einem Prozent. Im Vergleich dazu legt der Umsatz im Onlinehandel in Deutschland stetig zu. Von 14,8 Milliarden Euro 2008 ist er bis 2014 auf 42,8 Milliarden Euro gestiegen. Bei der Präsentation der Ergebnisse einer Passantenbefragung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt waren sich gestern alle einig, dass die Konkurrenz zum Onlinehandel eine der zentralen Herausforderung des Einzelhandels bleibt.

An zwei Tagen im September des vergangenen Jahres sind an 16 Punkten in Frankfurt mehr als 2000 Passanten nach ihrer Bewertung der Innenstadt gefragt worden. In Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Hamburg, Köln und Stuttgart wurden vergleichbare Fragen gestellt.

Mainmetropole sammelt Punkte

In der Erreichbarkeit, dem Angebot an Geschäften, an Gastronomie und Freizeit sammelte die Mainmetropole Punkte. Allerdings wurde deutlich, dass knapp 25 Prozent der Befragten durch den Onlinehandel ihre Einkaufsgewohnheiten geändert haben. Sie gaben an, verstärkt im Internet einzukaufen. „Das ist ein erhebliches Kundenpotential, das der Innenstadt verloren geht“, sagte Alexander Theiss, der Geschäftsführer der IHK. Ein weiteres Problem ergibt sich für ihn daraus, dass gut 18 Prozent das Angebot, Waren im Internet zu kaufen und die Produkte dann im Geschäft in der Innenstadt abzuholen, überhaupt nicht bekannt war. Hier bestehe Nachholbedarf. Gleichzeitig sieht Theiss großes Potenzial in den 20 Prozent der Personen, die außerdem angaben, dieses Angebot in Zukunft nutzen zu wollen.

„Eine verbindliche gesetzliche Regelung zu verkaufsoffenen Sonntagen kann dazu beitragen, mehr Menschen in die Innenstadt zu locken“, erklärte Joachim Stoll, Vorsitzender des IHK-Einzelhandelsausschusses. Die „unsäglichen“ Gerichtsverfahren richten sich seiner Auffassung nach gegen den Willen des Kunden. Dieser wolle am Sonntag einen „gemütlichen Einkaufsbummel machen, ohne dabei auf die Uhr schauen zu müssen“. Mittlerweile habe es sich so entwickelt, dass die erlaubten vier verkaufsoffenen Sonntage im Jahr so verteilt würden, dass sie zur gleichen Zeit wie Messen stattfänden. „So soll die Wahrscheinlichkeit, dass die Termine möglichen Gerichtsverfahren standhalten, erhöht werden“, sagte Stoll. Für ihn ist die Diskussion um die Möglichkeit auch sonntags einkaufen zu gehen, völlig unverständlich. „An diesen Tagen wird keiner gezwungen zu arbeiten oder zum einkaufen in die Städte zu kommen. Sie finden immer jemanden, der den Sonntagszuschlag gerne nimmt und arbeitet.“ In der Hinsicht müsse unbedingt Planungssicherheit geschaffen werden, denn ein verkaufsoffener Sonntag funktioniere nur mit zusätzlichen Attraktionen und diese müssten mehrere Monate im Voraus gebucht werden.

Wer sich dann entschließe, mit dem Pkw in die Stadt zu fahren, dürfe nicht von zu hohen Parkgebühren abgeschreckt werden, forderten Stoll und Theiss. In der Befragung hatte die Parksituation die schlechteste Bewertung erhalten. Dies führte der IHK-Geschäftsführer auf die Höhe der Gebühren in der Innenstadt zurück. „Eine weitere Gebührenerhöhung für Parkplätze muss tabu sein“, verlangte Stoll, denn im Internet entfielen solche Zusatzausgaben.

Quelle: op-online.de

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