In Frankfurt endet am 30. Juni eine Ära

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Petra Roth

Frankfurt - Mit ihrer direkten, burschikosen Art hat sich Petra Roth im Römer schnell Respekt verschafft. Nach fast 17 Jahren im Amt fühlt sich die gebürtige Bremerin nicht nur im Kreise der Banker wohl, die CDU-Politikerin hat sich auch einen festen Platz im Herzen der Bürger erobert.

Keine andere Frau in Deutschland stand so lange an der Spitze einer Großstadt wie die 67-Jährige. Doch Roth setzte noch mehr Markensteine. Sie ist das erste direkt gewählte Stadtoberhaupt in Frankfurt, die erste Frau auf diesem Posten und sie führte die erste schwarz-grüne Koalition im Römer an. Dabei war sie im OB-Wahlkampf 1995 eigentlich eine Verlegenheitskandidatin der CDU. Der damalige Bundeskanzler und Parteivorsitzende Helmut Kohl hatte sie gebeten, die Funktion zu übernehmen. Doch dann gewann Roth überraschend gegen SPD-Amtsinhaber Andreas von Schoeler und hielt sich viele Jahre unter wechselnden Stadtregierungen und gegen Widerstände aus der konservativeren Landespartei. „Ich kann Menschen zusammenführen“, sagt sie selbst zu ihrem Erfolgsrezept.

Die gelernte Arzthelferin und langjährige Präsidentin des Deutschen Städtetages gilt weithin als das Gesicht dieser Stadt, wie es der frühere SPD-Kulturdezernent Hilmar Hoffmann einmal formulierte. „Für die allermeisten Frankfurter ist Petra Roth Frankfurt“, sagt auch ihr Wunschnachfolger und Parteifreund, Boris Rhein. Ihre Partei brachte sie sogar zweimal als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt ins Gespräch. Zuletzt scheiterte dies unter anderem an der FDP, die die Wahl als ein zu starkes Signal für Schwarz-Grün im Bund sah.

Stil und Gespür für politisches Kalkül

In der ersten Zeit als OB witzelten die Bürger noch über Peinlichkeiten und Pannen Roths. Inzwischen gilt die stets schick gekleidete Blondine als versierte Repräsentantin der Finanzmetropole. Ungenauigkeiten, Allgemeinheiten und Abschweifungen in ihren Statements werden ihr nachgesehen. Gelegentlich wurde die Witwe und Mutter zweier erwachsener Söhne wegen ihres präsidialen Stils auch mal als „Sonnenkönigin vom Römerberg“ verspottet. Stil und Gespür für politisches Kalkül zeigte Roth auch bei ihrer überraschenden Ankündigung, das geliebte Amt ein Jahr früher abzugeben. Indem sie zugleich ihren Wunschnachfolger und amtierenden Innenminister Boris Rhein vorstellte, präsentierte sie nicht nur eine geschlossene Union. Sie setzte damit auch den Grünen Koalitionspartner und die SPD in der Opposition unter Zugzwang. Der 30. Juni ist voraussichtlich ihr letzter Arbeitstag.

„Frankfurt braucht ein Stadtoberhaupt, das integrieren und führen kann“, sagte Roth. Auf den interreligiösen Dialog der drei Kirchen in ihrer Wahlheimat ist sie genauso stolz wie auf die Einbürgerung von mehren Zehntausend Ausländern. Zu ihren erfolgreichsten Projekten zählt sie die Sanierung des Mainufers, den Neubau der Europäischen Zentralbank und den geplanten Kulturcampus, den sie mit Hochdruck betreibt.

Den geplanten Wiederaufbau der Altstadt rechnet sich Roth ebenfalls an: „An meinem 100. Geburtstag wird die neue Altstadt bereits Patina angelegt haben“, scherzte sie bei der Grundsteinlegung im Januar.

dpa

Quelle: op-online.de

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