Wo einst der König schritt

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Frisch ausgegrabene Scherben von Gefäßen, die in einer Kloake entdeckt wurden.

Frankfurt - Die Vermutung ist zur Gewissheit geworden: Die einst in Frankfurt befindliche Königspfalz und die Salvatorkirche - ein Vorgängerbau des heutigen Kaiserdoms - waren durch einen überdachten Gang miteinander verbunden. Von Christian Riethmüller

Bei Grabungen haben dieArchäologen des Frankfurter Denkmalamts nun Reste dieses Wegs entdeckt, der einst dem König vorbehalten war, damit dieser trockenen Fußes und ungesehen die Kirche besuchen konnte. Wie Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts, am Dienstag sagte, stammt der Verbindungsweg vermutlich aus dem 9. Jahrhundert, möglicherweise sei er aber sogar älter.

Frisch ausgegrabene Scherben von Gefäßen, die in einer Kloake entdeckt wurden.

Der Fund direkt zwischen Kaiserdom und Archäologischem Garten ist zwar keine Sensation, weil die Denkmalschützer von alten Aufzeichnungen her wussten, dass es diesen Gang gegeben haben soll, doch bedeutend ist er schon. „Dieser Fund ist für uns wertvoll, da es in Frankfurt keine vergleichbaren Baustrukturen gibt“, sagte Andrea Hampel, die deshalb auch fordert, den Gang, dessen südlicher Teil flächendeckend gut erhalten ist, zu bewahren. Was tatsächlich mit den Überresten aus der Frühzeit der Stadtgeschichte geschehen wird, ist aber noch unklar.

Frühere Kloake entdeckt

Die Stadt Frankfurt als Bauherrin der neuen Altstadt müsse entscheiden, ob und wie dieser Fund bei der Überbauung des Archäologischen Gartens berücksichtigt wird, hieß es seitens der Denkmalschützer. Diese werden in den nächsten Tagen ihre Untersuchungen fortsetzen und die Funde einmessen und kartographieren. Außer dem einstmals wohl 15 Meter langen und innen etwa drei Meter breiten Verbindungsweg haben die Archäologen noch eine frühere Kloake entdeckt, deren Alter aber noch nicht genau fest steht. Hier sind sowohl Scherben von Gefäßen als auch intakte Apothekerfläschchen aus dem 17. oder 18. Jahrhundert entdeckt worden.

Der Fund wirft ein Schlaglicht auf die Anfänge Frankfurts und die Errichtung einer Königspfalz zu Beginn des 9. Jahrhunderts, wohl durch Ludwig den Frommen, Sohn Karls des Großen. Daneben, auf dem Domhügel, stand mit der 852 geweihten Salvatorkirche wohl der erste bedeutende Sakralbau der Stadt. Heute erhebt sich dort der Kaiserdom, unter dessen Fundamenten möglicherweise weitere Überreste des alten Verbindungsweges zu finden wären, wie Hampel sagte.

Grabungen sollen bis Juli abgeschlossen sein

Wie einst die alten Karolinger-Bauten durch Brand, Abriss oder Überbauung verschwanden, könnte nun auch mancher aktuelle Fund wieder aus dem Blickfeld verschwinden. Zwar sei die Untersuchung des Geländes eine Auflage des Denkmalamts im Zuge der Bauvorbereitung für den Wiederaufbau der Altstadt auf dem Dom-Römer-Areal, sagte Andrea Hampel, doch mit der Pflicht zur Erhaltung der Funde sei nicht etwa eine Pflicht zur Präsentation verbunden.

Die Grabungen und Untersuchungen sollen bis zum Beginn der Sommerferien Anfang Juli abgeschlossen sein. Am Zeitplan für die Neubebauung der Altstadt ändere sich daher nichts, sagte Matthias Leißner, Projektleiter der für den Wiederaufbau zuständigen städtischen Gesellschaft DomRömer GmbH. Die Untersuchungsarbeiten habe man eingeplant. Die Ergebnisse der archäologischen Erkundungen sollen dann mit de Stadt als Bauherrin erörtert werden. Die plant über dem Archäologische Garten und damit auch über Bereiche des Fundorts das Stadthaus zu errichten.

Quelle: op-online.de

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